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Lügen macht erfinderisch| Kritik 5/10

Kinostart
08.07.2010



Handlung

Was wäre, wenn wir in einer Welt ohne Lügen leben würden? Wenn alles, wirklich alles, das wir sagen, die Wahrheit wäre? Und was wäre, wenn dann doch einziger Mensch auf einmal das Lügen entdeckt? In genau so einer "Traumwelt" ohne jede Unwahrheit spielt "Lügen macht erfinderisch" und Mark (Ricky Gervais) wird durch einen buchstäblichen Geistesblitz zum Entdecker des Flunkerns. Ruhm, Reichtum und schneller Sex zwischendurch sind auf einmal auch für hauptberufliche Loser wie ihn kein Problem mehr: Die Welt liegt ihm zu Füßen! Doch selbst wenn keiner mit Lügen rechnet, kann man sich trotzdem ganz hervorragend darin verstricken. Marks immer absurdere Schwindeleien entwickeln immer wieder ein verblüffendes Eigenleben und wenn es um die Liebe (Jennifer Garner) geht, bringt ihn auch die beste Lüge nicht ans Ziel, denn auch lügen will gelernt sein.


Filmkritik | Lügen macht erfinderisch

In  einer Welt ohne Lügen dürfte es diesen deutschen Filmtitel gar nicht geben; er ist nicht nur dumm, sondern auch falsch: "Die Erfindung der Lüge" heißt diese leichtgewichtige Sommerkomödie im Original treffend, sachlich richtig und schlicht. Insofern lügen die deutschen Verleihtitel-Poeten, dass sich die Balken biegen.

Der Brite Ricky Gervais ist in seiner Heimat ein bekannter Stand-Up Comedian und Erfinder der rabenschwarzen TV-Büro-Serie "Office": Die wurde Vorlage für das deutsche Pendant "Stromberg" mit Christoph Maria Herbst und schaffte das Kunststück, deutschen Fernsehmachern britischen Humor einzuimpfen. In Hollywood soll Gervais derzeit ähnliche Wunder vollbringen und dem ausgeleierten Genre der romantischen Komödie mit abgedrehten Scherzen, bissiger Komik und einem originellen Drehbuch auf die Sprünge helfen. An die Seite gestellt wurde dem Mann aus England dabei eine Riege hochkarätiger, routiniert die komödiantische Karte ausspielender amerikanischer Typen-Darsteller wie der großartige Jonah Hill ("Wie das Leben so spielt", "Drachenzähmen leicht gemacht") als  phlegmatischer Frank, Fernsehkomiker Louis C.K. als tumber Greg sowie Tina Frey ("Man of the Year", "Baby Mama") als vertrockneter Bürokaktus mit spitzen Stacheln Shelley; selbst kleinste Rollen wurden sorgfältig mit schauspielerischen Assen besetzt, darunter Philip Seymour Hoffman  ("Glaubensfrage", "Radio Rock Revolution") als verschrobener Barmann Jim. Für das nötige Glamour-Potential sorgen Jennifer Garner ("Valentinstag", "Womanizer - Die Nacht der Ex-Freundinnen") als angebetete Anna und Rob Lowe ("Salem´s Lot – Brennen muss Salem", "Thank you for Smoking") als fies-smarter Yuppie und Nebenbuhler Brad.

Das geht auch alles flott voran, und vor allem im ersten Teil des Films, wenn Lüge und Wahrheit im Büroalltag unversöhnlich aufeinander prallen und kein Fettnäpfchen im Kampf der Geschlechter und Kollegen ausgelassen wird, sprühen die komödiantischen Funken. Werbung, Film- und Fernsehindustrie kriegen ebenso ihr Fett ab wie Religion und Sinnsuche überspannter Yuppies oder der Kult um den Erfolg des American Way of Life. Da ziehen Gervais, der alleine schon durch seine dauergelangweilte Mimik die Lacher auf seiner Seite hat, und  sein Partner in der Regie und beim Drehbuch, Matthew Robinson, alle Register.

Sichtbar sinkt das Niveau im zweiten Teil des Films, wenn das Duo, aus welchem Grund auch immer, sich entschließt, den Streifen in eine sehr amerikanische romantische Komödie umzupolen. Warum dieser Umschwung passiert, ist dramaturgisch nicht nachzuvollziehen – vermutlich Druck der Hollywood-Produzenten, um mehr Publikum, auch weibliches, in den Film zu locken. Das liegt Gervai einfach nicht, hier werden die Dialoge holperig, die Konstellationenwirken überzogen und erzwungen, die weniger werdenden Witze lau. Gar nicht stimmt die Chemie im Zusammenspiel mit Jennifer Garner, die uninspiriert und fahrig spielt und inmitten der hochtalentierten Mitspieler verglüht wie eine Sternschnuppe. Hier wäre dem talentierten Gervais eine Partnerin mit mehr mimischem Biss zu wünschen gewesen. Inszeniert ist das Ganze sehr konventionell und ohne Überraschungen, die jeden Halbsatz kommentierende Filmmusik nervt irgendwann nur noch. Wer die Gelegenheit hat, sollte sich den Film im Original anschauen: Gervais´ gepflegtes Oxford-Englisch inmitten des amerikanischen Geknödels seiner Kollegen hat einen speziellen Reiz und erhöht die komödiantische Reibung, was in der – wieder einmal – allzu lärmigen und quiekigen deutschen Synchronisation nicht ansatzweise zum Tragen kommt.

Fazit: ein origineller Ansatz, der leider hasenherzig an eine wenig überzeugende Liebesgeschichte verschenkt wurde.


Filmkritik von mkrispien

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Lügen macht erfinderisch

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