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La Nana - Die Perle| Kritik 6/10

Kinostart
17.06.2010



Handlung

Nach 23 Jahren als Hausmädchen in einem Oberschichts-Haushalt in Santiago de Chile gehört Raquel (Catalina Saavedra) genauso zur Familie wie die Ehefrau, der Ehemann und die Kinder. Für die unsichere Pilar ist das Hausmädchen zum eigentlichen Familienvorstand geworden, für den Teenager Lucas hat sich die Ersatzmutter zum Schwarmobjekt gewandelt. Für die Tochter Camila (Andrea Garcia-Huidobro) ist Raquel allerdings die erbitterte Gegnerin in einem permanenten, unausgesprochenen Psychokrieg, ausgefochten durch lautes morgendliches Staubsaugen, ignorierte Anweisungen und andauernde Beschwerden und Vorwürfe. Obwohl Raquel Einspruch erhebt, stellt Pilar eine zweite Haushaltshilfe ein, die die Arbeitslast ihrer geliebten Perle verringern, deren grimmige Stimmung aufheitern und ihre Gesundheit verbessern soll. Die Spannungen zwischen Sonia und Raquel eskalieren, und als die beiden altgedienten Hausmädchen sich prügeln und Mundos preisgekröntes Schiffsmodell bei der Rauferei kaputt geht, wird Sonia entlassen.


Filmkritik | La Nana - Die Perle

Endlich einmal ist, was selten genug ist, der deutsche Zweit-Titel dieses schwarzhumorigen kleinen Films eine echte Perle – denn mit "Hausmädchen" oder "Dienstmagd" wäre die Funktion einer "Nana" nur unzureichend umschrieben; die Perle des Hauses gehört in Familien der südamerikanischen Oberschicht irgendwie mit dazu, ist Mitglied der häuslichen Lebensgemeinschaft, lebendes "Inventar" und Außenseiter zugleich. Viele Oberschicht-Kinder in Chile, Argentinien, Brasilien und anderswo wurden und werden durch die Nana mehr geprägt als durch die oft viel beschäftigte Mutter. Folglich taucht sie immer wieder im südamerikanischen Kino auf; manchmal als Hausdrachen, gelegentlich als ausgebeutetes Objekt auch sexueller Art. Erst im Januar 2010 kam der argentinische Film "Das Fischkind", in dem ein Hausmädchen eine Schlüsselrolle spielt, in die deutschen Kinos. "La Nana – Die Perle" ist anders: schräg, getränkt mit tiefschwarzem Humor und ein bisschen frech; dabei eigentlich sehr simpel und leicht eingänglich erzählt. Kein Soziakitsch, erst recht keine Sozialkritik, sondern ein locker-flockig gezeichnetes Porträt ohne Anspruch an irgendeine "Moral". Kritiker wie Publikum vor allem in den USA quittierten den leicht anarchischen Filmspaß mit Lob, Preisen und dem Kauf von Kinokarten: Der Streifen wurde der erfolgreichste chilenische Film in den Vereinigten Staaten seit langem.

Vielleicht hatte das US-Publikum die routiniert inszenierten Hochglanz-Filme mit den immer gleichen Star-Gesichtern ganz einfach mal satt. "La Nana" wurde beinahe schon dilettantisch mit Handkamera gedreht – nach dem mit einem Kumpel verfassten Skript des Regisseurs Sebastián Silva in dessen eigenem Elternhaus. Er wollte damit, so sagt er, seiner Familie und den Nanas in seinem Leben ein melancholische Denkmal setzen. Zum Erfolg beigetragen haben dürfte auch die Tatsache, dass der junge Filmemacher, der sich auch als Popmusiker, Comic-Zeichner und Grafiker versucht hat, keinem wirklich auf die Zehen treten will, schon gar nicht den Lohn-und-Brotgebern der Nana: Die sind keine fiesen Kapitalisten, sondern ein höchst sympathisch und menschlich gezeichnetes Paar des Bildungsbürgertums. Häme und Spott ergießen sich ausschließlich über der im Dienst auch als Frau vertrockneten Nana und ihren Konkurrentinnen in der Gunst von Chef und Chefin: Man lacht sich schlapp über die bizarren Hausmädchengefechte mit Putzfeudel, Wäschekorb und Kochtopf sowie einer gehörigen Portion Gemeinheit und Bauernschläue – und merkt dann doch, dass die Schadenfreude sehr einseitig über diesen bedauernswerten Geschöpfen ausgegossen wird. Auch, dass in der Realität diese Nanas zumeist arme Indio-Mädchen aus Nachbarländern wie Peru sind, ist kein Thema. So gesehen macht es sich der chilenische Regisseur, der nach seinem "Nana"-Erolg - einer der Original-Songs (auf einen eigentlichen Score verzichtet der Film) wurde sogar für den Oscar nominiert - die Zelte derzeit in New York aufgeschlagen hat, dann doch etwas zu leicht. Das Schielen nach Hollywood ist bei aller naiv wirkenden Frische des Films überdeutlich.

Auch die Leistung von Hauptdarstellerin Catalina Saavedra ist nur auf den ersten Blick beeindruckend und auf den zweiten eher professionelle Routine: Die Actrice, die zur freien Theaterszene in Chile gehört, spielt – vermutlich wegen ihrer ein wenig rustikalen Optik – seit Jahren in chilenischen Seifenopern Hausmädchenrollen, u.a. neben Fran Drescher in der chilenischen Variante des amerikanischen Kindermädchen-Evergreens "Die Nanny". Das bockige, fast schon stumpfsinnige sich Einrichten dieses Arbeitstieres in einem fremden Leben ohne Ambition auf ein eigenes gelingt der Schauspielerin dennoch recht beeindruckend; für eine Oscar-Nominierung reichte es dann allerdings – ganz knapp – doch nicht. Auch die übrigen Darsteller meistern ihre Rollen durchweg überzeugend. Ohne dieses Pfund wär´s vermutlich nichts geworden mit diesem Film. Das ein wenig hilflos angepappte Ende hat etwas leicht Zynisches; ob mit Absicht oder aus Gedankenlosigkeit, sei dahin gestellt.


Filmkritik von mkrispien

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Bilder / Fotos

La Nana - Die Perle

© Arsenal Filmverleih

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Steckbrief
Regie
Sebastián Silva

Darsteller
Agustín Silva, Alejandro Goic, Andrea García-Huidobro, Catalina Saavedra, Claudia Celedón, Darok Orellana, Mariana Loyola, Mercedes Villanueva, Sebastián La Rivera

Genre
Drama
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Herstellungsland
Chile, Mexico




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