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Kommissar Bellamy| Kritik 7/10

Kinostart
09.07.2009



Handlung

Wie jedes Jahr verbringen der Pariser Kommissar Paul Bellamy (Gérard Depardieu) und seine Frau Françoise (Marie Bunel) die Sommerferien in ihrem Elternhaus im südfranzösischen Nîmes. Obwohl Françoise viel lieber ins Ausland verreisen würde, fügt sie sich dem Willen ihres Mannes, der Veränderungen hasst und einfach nur seine Ruhe haben möchte. Mit der gemütlichen Zweisamkeit ist es in diesem Jahr jedoch nicht sehr weit her. Denn ein Fremder (Jacques Gamblin) drängt sich Bellamy auf und behauptet, er habe im Zuge eines Versicherungsbetrugs einen Obdachlosen umgebracht, um danach ein neues Leben zu beginnen. Die Schuldgefühle und Neurosen des Unbekannten sowie der ganze merkwürdig verzwickte Fall faszinieren den Kommissar dermaßen, dass er eigene Ermittlungen anzustellen beginnt – was Françoise einerseits amüsiert und andererseits nicht unbedingt behagt, auch wenn sie das für sich behält. Als sich schließlich Pauls Halbbruder Jacques (Clovis Cornillac), ein schwermütiger, unbeherrschter Alkoholiker und Tunichtgut, bei ihnen einnistet, ist schon bald nicht mehr an Erholung unter südlicher Sonne zu denken.


Filmkritik | Kommissar Bellamy

Zwei Figuren von Balzac’schem Format, die sich gefunden haben. „Kommissar Bellamy“ (französisch schlicht "Bellamy") ist im Grunde seines Herzens ein Schauspielerfilm. Denn Claude Chabrol wollte endlich einmal einen Film mit Gérard Depardieu in der Hauptrolle drehen, nachdem schon zwei Projekte der Zusammenarbeit gescheitert waren. Was die gleichsam heroische Größe dieses Spielfilms ausmacht: der fast 80-jährige Claude Chabrol hat als Altmeister der französischen Nouvelle Vague in mehr als 60 Filmen Regie geführt und der 62-jährige Gérard Depardieu hat in rund 155 Filmen auf seine eigene nachdrückliche Art Präsenz gezeigt. So ist „Kommissar Bellamy“ eine Begegnung zweier Giganten des französischen Kinos und diese ist allemal sehenswert. Das hat viel mit der Vitalität zu tun, die Depardieu als Ermittler in eigener und fremder Sache in diesem komplexen Provinz-Reigen aus Perversion, Versicherungsbetrug, brüderlichen Gefühlen und Urlaubsstimmung auszeichnet.

Das filmische Vexierspiel aus Kriminalfall und Familienfall wird ausschließlich aus der Perspektive von Paul Bellamy erzählt. Und Claude Chabrol tut das in diesem Fall so konsequent, dass sogar die Rückblenden ganz allein die Sicht des Kommissars auf die Schatten der Vergangenheit wiedergeben. Damit fokussiert sich die Geschichte auf den sensiblen Genussmenschen, den Depardieu hier wunderbar verkörpert. Zum Glück haben Claude Chabrol und Odile Barski ein ebenso pointiertes wie mit klugen Dialogen gespicktes Drehbuch verfasst und dem Geschehen auch noch - wie nebenbei - Raum für eine wunderbare, gar nicht kitschige Liebesgeschichte gegeben. Die fabelhafte Marie Bunel („Eine Frauensache") ist in ihrer Rolle als lebenskluge Francoise Bellamy, die Frau des Ermittlers, eine in jeder Hinsicht stimmige Erscheinung.

Kein üppiges Dekor verstellt den Blick auf die Handlung. Kameramann Eduardo Serra zeichnet die Provinz in eher kargen Bildern. Ob Baumarkt oder Café – überall zeigt sich die Tristesse eines profanen Realismus. In „Kommissar Bellamy“ hat Chabrol nichts dem Zufall überlassen. Dieser Film feiert nicht nur Depardieu, er ist auch eine versteckte Hommage an den Erfinder von „Kommissar Maigret“ und Autor von in der Provinz angesiedelten Psycho-Thrillern. Claude Chabrol ist, das macht sein jüngster Film einmal mehr deutlich, gleichsam der filmische Widergänger von Georges Simenon.


Filmkritik von Gastautor

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Bilder / Fotos

Kommissar Bellamy

© Concorde Filmverleih

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Steckbrief
Regie
Claude Chabrol

Darsteller
Adrienne Pauly, Clovis Cornillac, Gérard Depardieu, Jacques Gamblin, Marie Bunel, Marie Matheron, Vahina Giocante

Genre
Krimi
Gastkritiken
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Herstellungsland
Frankreich




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