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Kleine Wunder in Athen| Kritik 5/10

Kinostart
22.07.2010



Handlung

Stavros (Antonis Kafetzopoulos) betreibt einen kleinen Laden in einer mehr als ruhigen Straße von Athen. Das heißt eigentlich besteht seine Tätigkeit daraus, morgens einen Tisch mit vier Stühlen vor den Laden zustellen, um zusammen mit seinen drei Freunden dem Tag beim Verstreichen zuzusehen. Mit gespieltem Interesse nehmen sie das emsige Treiben der Chinesen zur Kenntnis, die auf der gegenüberliegenden Straßenseite einen kleinen Laden umbauen oder empören sich, weshalb ausgerechnet in ihrer kleinen Straße ein Denkmal für die "Interkulturelle Solidarität" gebaut werden soll. Doch als eines Tages ein Mann namens Marengelen (was die Zusammenziehung von "Marx, Engels, Lenin" ist) auftaucht und Stavros betagte und demente Mutter in ihm ihren lang verlorenen Sohn wiederzuerkennen glaubt, gerät Stavros Leben aus dem Gleichgewicht.


Filmkritik | Kleine Wunder in Athen

Um es vorweg zu sagen: Ganz großes Kino ist das nicht. Und es erfordert eine gewisse Geduld, um über 107 Minuten das Treiben bzw. Nicht-Treiben eines Klübchens von griechischenTagedieben Ü-50 der unteren Mittelschicht kurz vor dem finalen Abrutschen vor einem herunter gekommenen Büdchen in einem ebenso schäbigen Stadtteil von Athen zu beobachten. Das Leben ist ein großer, staubiger Platz. Die vom Leben und vom Nichtstun leicht ramponierten Männer taten nichts, tun nichts, und werden trotz einiger Irritationen in ihrem versandenden Leben vermutlich auch in Zukunft nichts tun. Aber das tun sie mit einer derart verzweifelt-komischen Inbrunst und leidenschaftlichen Spielfreude, dass der Zuschauer ausharrt bis zum offenen Ende. Nicht ganz zufrieden, aber auch nicht so richtig enttäuscht. Ein Sommerfilm mit ein bisschen Tiefgang, den man schnell wieder vergessen hat.

Der Film packt Klischees auf Klischees: Griechische Männer sind von Natur aus faul, halten sich dennoch für anderen Nationen gegenüber überlegen und für Platons legitime Nachkommen (darauf spielt der Originaltitel "Akadimia Platonos" an); sie sind Machos, lieben Mama und die orthodoxe Kirche und hassen Ausländer, besonders Albaner; vor fleißigen Chinesen haben sie Angst. Das wird extrem überspitzt, fast wie in einem Comic dargestellt, einschließlich eines gegen Albaner dressierten Hundes namens "Patriot". Schadenfreude kommt im Kinosessel auf, denn automatisch stellen sich Assoziationen zur gigantischen griechischen Wirtschaftskrise ein, angeblich ausgelöst durch griechische Arbeitsunlust und wirtschaftliche Unfähigkeit bei gleichzeitger Arroganz von Sokrates Erben. Lachen dürfen wir, stellen wir beruhigt fest, denn Regisseur Fillipos Tsitos ist selber Grieche und darf das – auch wenn er schon lange in Berlin lebt und dort auch sein filmisches Handwerk gelernt hat. Das wendet er vornehmlich bei der Inszenierung von Episoden der ARD-Krimireihe "Tatort" an, Kinofilme waren bislang nicht darunter. Und auf das Fernsehformat ist der Film denn auch stilistisch ausgerichtet, Totalen sind rar, irgendwelche Überraschungen leistet sich die Kamera nicht, klebt vielmehr wie griechisches Kaugummi an den endlos schwafelnden Personen und an den Bildausschnitten ihrer kleinen, schäbigen Welt. Das ist man bei allem Spaß an den skurillen Typen, die Minute um Minute um sich selber kreisen, dann doch irgendwann leid. Wäre nicht die unwürdige Greisin Titika Saringouli, die schlitzohrig und mit trockenem Humor die Mutter des "Helden" Stavros (vielschichtiger als die Darsteller seiner Kumpane: Antonis Kafetzopoulos) spielt, es wäre kaum auszuhalten. So freut man sich an den wiedergefundenen Albanischkenntnissen der alten Dame und dem ebenso wiedergefundenen verlorenen Sohn (?). Das war´s dann aber auch schon.

Ist das jetzt wirklich das authentische, ungeschminkte Griechenland-Bild, das uns hier aufgetischt wird? Oder nur die Schadenfreude eines beizeiten Abgehauenen über die Misere der Zurückgelassenen? Man weiß es nicht. Viele Preise gab es für diesen Film, auch öffentlich-rechtliche. Demnächst zu sehen im ZDF und bei ARTE, die ihn mit produzierten. Im Kino anschauen muss man sich ihn nicht unbedingt.


Filmkritik von mkrispien

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Bilder / Fotos

Kleine Wunder in Athen

© Neue Visionen Filmverleih & mücke müller GbR

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Steckbrief
Regie
Filippos Tsitos

Darsteller
Anastas Kozdine, Anastasis Kozdine, Antonis Kafetzopoulos, Giorgos Souxes, Konstantinos Koronaios, Maria Zorba, Panayiotis Stamatakis, Titika Saringoul

Genre
Drama, Komödie
Gastkritiken
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Herstellungsland
Deutschland, Griechenland




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