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Jurassic Park III| Kritik

Kinostart
2001



Handlung

Der zwölfjährige Eric (Trevor Morgan) verschwindet mit seinem Begleiter beim Drachenfliegen vor der Isla Sorna. Acht Wochen später beschließen seine anscheinend in Trennung lebenden Eltern Paul (William H. Macy) und Amanda (Téa Leoni), selbst nach ihm zu suchen. Sie überreden den Paläontologen Alan Grant (Sam Neill), ihnen dabei mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Grant, der sich eigentlich geschworen hatte, dass keine Macht der Welt ihn je auf diese mit geklonten Dinosauriern verseuchte Insel bringen würde, lässt sich letztendlich doch dazu breitschlagen mitzukommen. Schon kurz nach ihrer Ankunft müssen sie feststellen, dass INGEN, die Firma, die vor acht Jahren für das Desaster im Jurassic Park auf der Isla Nublar verantwortlich gezeichnet hatte, noch keineswegs all ihre Geheimnisse preisgegeben hat. Wenn sie geglaubt hatten, es lediglich mit den altbekannten Tyrannosauriern und Velociraptoren zu tun zu bekommen, dann werden sie alsbald eines Besseren belehrt. Im Dschungel der Isla Sorna lauern Wesen, die auf keiner von INGENs Listen erwähnt wurden, die aber trotzdem prächtig zu gedeihen scheinen...


Filmkritik | Jurassic Park III

Wie Ian Malcolm in "Vergessene Welt" lässt sich diesmal Alan Grant zu einer Rettungsaktion auf der Isla Sorna überreden. Man fragt sich gleich zu Beginn, warum Menschen vor dieser potentiell gefährlichen Insel überhaupt zum Drachenfliegen gehen (dürfen), aber irgendeinen Anlass braucht man schließlich, um Leute auf die Insel zu bringen. Lassen wir das also beiseite. Die Mittel für Ausgrabungen sind knapp, deshalb lässt man vermutlich auch gern mal eine Ausgrabungsstelle für eine Weile allein, um neue Gelder heranzuschaffen, auch wenn man eigentlich lieber mit Knochen hantiert als mit lebenden Dinosauriern. Die beißen nämlich nicht. Natürlich verläuft nichts nach Plan, und unsere Helden werden gezwungen, unfreiwillig etwas länger zu bleiben, als sie ursprünglich vorhatten. Fast wären sie gleich wieder abgehauen und hätten das Kind einfach so seinem Schicksal überlassen. Und nur, weil der Dinosaurier, der sie begrüßt hat, noch eine Nummer größer als der T-Rex ist, mit dem Grant vor acht Jahren Bekanntschaft schließen durfte.

T-Rex ist nicht mehr der Herrscher über die Insel, er muss sich sein Revier mit einem Rivalen teilen, mit dem man sich besser nicht anlegt: Spinosaurus aegypticus, ein aus dem kreidezeitlichen Ägypten und Marokko bekannter Raubsaurier, der mit seinem imposanten Rückensegel einen nicht weniger furchterregenden Anblick bietet als der (angebliche) König der Echsen, der im Grunde längst entthront wurde, auch wenn sich das noch nicht allgemein herumgesprochen hat. Immerhin hat Joe Johnston ihm noch einen Kurzauftritt gegönnt, aber ein Zweikampf der Giganten war wohl etwas, das er sich einfach nicht entgehen lassen konnte.

Die heimlichen Herrscher der Insel sind aber nach wie vor die Velociraptoren, die diesmal in einer noch gefährlicheren Variante daherkommen, sie sind nämlich in der Lage, sich mit Lauten zu verständigen. Pech für die menschlichen Besucher, die damit natürlich nicht gerechnet hatten. Wer hätte gedacht, dass sie auf Kindes- oder besser gesagt Eierentführung so sauer reagieren würden? Die Moral von der Geschicht': Raptoreneier klaut man eben nicht. Grant weiß das natürlich, aber der arme Mann kann seine Augen schließlich nicht überall haben, außerdem muss das reichlich dünne Skript wenigstens ein paar Anlässe für Dinoaction liefern.

Obwohl Michael Crichton diesmal nirgends ausdrücklich erwähnt wird, ist es interessant, dass ein paar der Ideen des Drehbuchs aus seinen beiden Romanen zu stammen scheinen, nämlich das Aviarium, die Fahrt auf dem Dschungelfluss (aus Jurassic Park) und das Stehlen der Eier aus "The Lost World". Joe Johnston hat einen Film gedreht, der - obwohl völlig inhaltsleer - keine Minute langweilig wird, allerdings ist er auch fast eine Stunde kürzer als Spielbergs Jurassic Park: Vergessene Welt. Immerhin hat er sich wie Spielberg als wissenschaftlichen Berater Jack Horner geholt, so dass an den Dinosauriern - abgesehen von ein paar Kleinigkeiten - nicht viel auszusetzen ist. Mir persönlich haben die etwas farbenfrohere Zeichnung der Raptoren sowie die Federn auf ihren Köpfen gut gefallen. Natürlich kann man sich darüber streiten, wie akkurat das ist - und darüber streitet sich die Fachwelt seit Jahren. Der Versuch, neuere Erkenntnisse einfließen zu lassen, die vor fast zehn Jahren noch nicht greifbar waren, ist durchaus lobenswert. Die Effekte aus dem Hause Industrial Light & Magic lassen wenig Wünsche offen, auch wenn die Einstellungen mit dem Spinosaurus ab und zu etwas künstlich wirkten.

Man fragt sich, ob bei so einem Film menschliche Schauspieler überhaupt noch nötig sind, aber ihre Interaktionen mit den Dinosauriern machen eigentlich erst den richtigen Spaß aus. Und man hat durchaus den Eindruck, dass sie selbst ebenfalls ihren Spaß dabei hatten. Vermutlich hat Téa Leoni sich schon immer gewünscht, einmal im Leben in einem Film so richtig laut brüllen zu dürfen, sonst wüsste ich nicht, warum sie sich dafür hergegeben haben könnte. Und Sam Neill wollte wahrscheinlich unbedingt etwas nachholen, was ihm in Teil I von Laura Dern abgenommen wurde, nämlich in einem der größten Scheißhaufen der Filmgeschichte zu wühlen, allerdings diesmal so gar nicht im Dienste der Wissenschaft. Was würde wohl Freud dazu sagen? Hoffen wir, dass ihm die Erinnerung daran nicht irgendwann peinlich sein wird.

Langer Rede kurzer Sinn über einen (vermutlich) völlig überflüssigen Film: Nach wie vor eine der wenigen Gelegenheiten, lebensechte Dinosaurier auf der Leinwand zu sehen - und dankenswerterweise können sie diesmal (noch) nicht reden wie ihre Kollegen aus dem Hause Disney.


Filmkritik von Monika Hübner

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Steckbrief
Regie
Joe Johnston

Darsteller
Alessandro Nivola, Bruce A. Young, John Diehl, Laura Dern, Linda Park, Michael Jeter, Sam Neill, Téa Leoni, Trevor Morgan, William H. Macy

Genre
Abenteuer, Sci-Fi, Thriller

Tags
Dinosaurier
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Herstellungsland
USA

Budget
93 Mio. US-Dollar

Einspielergebnis
358 Mio. US-Dollar (weltweit)



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