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Jud Süss - Film ohne Gewissen| Kritik 5/10

Kinostart
23.09.2010



Handlung

Berlin 1939. Der mittelmäßig erfolgreiche, aus Österreich stammende Schauspieler Ferdinand Marian (Tobias Moretti) bekommt direkt von Joseph Goebbels die Rolle des "Jud Süß" in dem gleichnamigen NS-Propagandafilm angeboten. Die Regie soll Veit Harlan (Justus von Dohnanyi) übernehmen. Eine einmalige Karrierechance für Marian. Hin- und hergerissen weigert er sich zunächst, vor allem wegen der Einwände seiner Frau Anna (Martina Gedeck) und seiner Befürchtung, danach auf jüdische Rollen festgelegt zu werden. Doch nachdem Minister Goebbels (Moritz Bleibtreu) immer stärkeren Druck auf ihn ausübt, willigt er ein...


Filmkritik | Jud Süss - Film ohne Gewissen

Der Film Jud Süß, die Wiederauflage des ohnehin schon schwierigen Themas aus dem Propagandafilm der Nazizeit, mag vielleicht auf den Filmfestspielen gepunktet haben und kommt auch auf handwerklicher Basis beim Kinozuschauer nicht schlecht an, kann aber in letzter Instanz nicht überzeugen. Der Titelzusatz „Film ohne Gewissen“ erklärt jedenfalls nur fragmentarisch, welche Folgen der damalige Propagandafilm in erster Linie für die Juden im Nazideutschland oder für die Darsteller seinerzeit hatte.

Der Gänsehautcharakter des Themas, das zu heutigen Zeiten eigentlich im Vordergrund eines solchen Machwerks stehen sollte, bleibt bis auf wenige Sequenzen leider auf der Strecke. Das liegt nicht zuletzt auch an den clownesken Zügen, die Goebbels Darsteller Moritz Bleibtreu, sonst als sichere Basis für zahlreiche Filme bekannt, der Rolle verleiht. Hier ist dem Produzenten wohl ein Fehlgriff bei der Wahl des Darstellers unterlaufen oder die Richtung des Regisseurs gab die Art der Interpretation vor. Wirklich ernst nehmen kann man Goebbels jedenfalls nur in den seltensten Momenten und die zu verkörpernde Figur bleibt hinter dem Schauspieler Bleibtreu zurück.

Überzeugender gibt sich da schon Tobias Moretti alias Ferdinand Marian, denn die Emotionen eines Künstlers, der die Wahl eines Engagements schnell bereut und erkennt, wie wenig Nutzen er im Gegensatz zu den Auftraggebern aus der Verkörperung des Juden ziehen kann, schwappt gekonnt zu den Zuschauern über. Allerdings hat der Filmemacher Oskar Roehler hier einen tiefen Griff in die Abteilung der künstlerischen Freiheit getan, in Bezug auf die wirklichen historischen Hintergründe des Originalfilms: Die Frau Marians war nämlich keinesfalls Jüdin, sondern von Haus aus katholisch, aber hier sollte wohl die thematische Brisanz gesteigert werden und man erreicht auf diesem Wege tatsächlich an der einen oder anderen Stelle beim Zuschauer mitleidige Emotionen freizusetzen. Aber das ist auch schon alles, denn wirklich real wird die Angst Morettis vor den Konsequenzen am Ende doch nicht dargestellt. Die weiteren Darsteller liefern solide Arbeit ab, aber ragen nicht aus der Masse der graubleichen Filmbilder heraus.

Dass Roehler diese filmischen Ausfälle bei Pressekonferenzen mit der Bemerkung entschuldigte, man mache Filmunterhaltung und erwecke Emotionen, aber dokumentiere nicht, kann man als Ausrede für das Ergebnis eigentlich nicht gelten lassen.


Filmkritik von Gastautor

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Jud Süss - Film ohne Gewissen

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