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Johanna von Orléans| Kritik

Kinostart
1999



Der französische Kultregisseur Luc Besson ("Nikita", "Im Rausch der Tiefe", "Das 5. Element") hat sich für seinen neuesten Film ein dunkles Kapitel der französischen Geschichte ausgewählt: den Aufstieg und Fall von Jeanne d'Arc, hierzulande bekannt als Heilige Johanna von Orléans. Die Handlung beginnt mit der Kindheit Jeannes im lothringischen Dorf Domrémy, das sich an der Grenze des französischen Königreichs und dem Einflußbereich der damals sehr mächtigen Herzöge von Burgund befindet. Zwischen England und Frankreich tobt zu dieser Zeit der Hundertjährige Krieg, ein erbitterter Kampf um die Krone Frankreichs. Als Zehnjährige muss Jeanne miterleben, wie ihr Dorf von Engländern niedergebrannt und ihre Schwester Catherine kaltblütig ermordet wird. Im Jahre 1429 macht sie sich – von göttlichen Stimmen geleitet - auf den Weg, um dem Thronfolger Frankreichs zu begegnen. Sie erreicht es, dass man ihr eine Armee zur Verfügung stellt und zieht gen Orléans, das seit einem Jahr von den Engländern belagert wird.

Nachdem "Das 5. Element" mir überhaupt nicht gefallen hatte, bin ich mit relativ großen Vorbehalten in diesen Film gegangen und war daher umso angenehmer überrascht, wie gut Besson die Umsetzung dieses Stoffes gelungen ist. Obwohl jeder die Geschichte von der Jungfrau von Orléans kennt und es von daher keinerlei überraschende Wendungen geben konnte, ist keine Minute dieses zweieinhalbstündigen Leinwandspektakels langweilig.

Wer sich ein wenig in der französischen Geschichte auskennt, wird einige bekannte historische Gestalten wiedererkennen. Besonders gelungen: Vincent Cassel als Kinderschänder Gilles de Rais, Hauptmann des Königs von Frankreich, der einige Zeit nach dem Tod von Jeanne seinerseits in die Geschichte eingehen wird, wenn auch auf gänzlich andere Art. Milla Jovovich spielt ihren Part als Jeanne mit so viel Enthusiasmus, dass es eine Freude ist, ihr zuzusehen. Wirkte sie als Leeloo in "Das 5. Element" eher wie ein hübsches Spielzeug für die Männer, muss sie sich hier inmitten der Männerwelt des späten Mittelalters gegen die Vorurteile behaupten, "nur ein Mädchen" zu sein. Und man glaubt es ihr ebenso wie ihre Zweifel daran, ob Gott wirklich gewollt habe, dass soviel Blut vergossen wird in dem Bemühen, Karl VII zum Thron von Frankreich zu verhelfen. John Malkovich als leichtlebiger Dauphin und zukünftiger König von Frankreich ist ebenfalls sehenswert.

Bessons Darstellung des Hofes von Frankreich wird vielleicht nicht jedem gefallen. In gewisser Weise dürfte sie jedoch durchaus realistisch sein, denn nirgendwo wurde soviel intrigiert und konspiriert wie unter dem machtgierigen Adel der damaligen Zeit. An die Macht kam man durch Geburtsrecht, nicht wegen besonderer Qualitäten. Von daher herrschte in einem beliebigen Land nicht unbedingt die Intelligenz, und albernes Gehabe der Mächtigen war vielleicht nicht an der Tagesordnung, konnte aber vorkommen.

Insgesamt besticht der Film "Johanna von Orléans" vor allem durch seine aufwendige Inszenierung und die eindrucksvollen Bilder, wobei so manche Schlachtszene nicht gerade für zarte Gemüter geeignet ist. Als Auftakt für das Kinojahr 2000 kann sich Joan of Arc absolut sehen lassen, warten wir ab, was uns in diesem Jahr sonst noch alles erwartet.


Filmkritik von Monika Hübner

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Steckbrief
Regie
Luc Besson

Darsteller
Dustin Hoffman, Faye Dunaway, John Malkovich, Milla Jovovich, Pascal Gréggory, Richard Ridings, Tara Römer, Tchéky Karyo, Vincent Cassel

Genre
Abenteuer, Drama, Historie

Tags
Glaube
Gastkritiken
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Filmfacts
Herstellungsland
Frankreich, USA

Alternativ- bzw. Originaltitel
The Messenger: The Story of Joan of Arc

Budget
85 Mio. US-Dollar




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