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James Bond 007: Der Morgen stirbt nie| Kritik

Kinostart
1997



Kaum zu glauben, aber trotzdem wahr: Zum sage und schreibe 18. Mal muß Geheimagent 007 (Pierce Brosnan) im Dienste ihrer Majestät die Welt retten. Da die Sowjets als Bösewichter seit längerer Zeit nichts mehr hergeben, kommt Bonds Gegenspieler diesmal in Gestalt des modernen Medienmoguls Elliot Carver (Jonathan Pryce) daher. Niemand hat allzu große Schwierigkeiten sich vorzustellen, welche Gefahr ein Mann darstellen kann, dessen höchstes Ziel es ist, die Welt zu beherrschen und zu gängeln, indem er eine Monopolstellung in der Welt der Presse und Medien zu erlangen versucht. Er hängt auch gleich bei seinem Einstand seine schlechtesten Manieren heraus und führt dem Zuschauer vor, wie man es anstellt, heute schon die Nachrichten von morgen zu drucken. Man muß nur ein klitzekleines bißchen nachhelfen, damit die Schlagzeilen dann letztendlich auch stimmen und man vor allen anderen die neuesten Gemetzel verkünden kann. Aber nicht nur die Presse und das Fernsehen hat er in der Hand, sondern ganz nebenbei auch noch den Softwaremarkt. Selbstverständlich wirft er seine Programme schon auf den Markt, wenn sie sich eigentlich noch in der Betatest-Phase befinden: Die Leute sollen aufgrund der vielen Bugs jahrelang gezwungen sein, Upgrades zu kaufen. Eventuelle Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind natürlich rein zufällig und keinesfalls vom Drehbuchautor beabsichtigt. Oder etwa doch?!

Carven spielt noch weitere perfide Spielchen: Er versucht, im chinesischen Meer einen Konflikt zwischen China und Großbritannien anzuzetteln, indem er auf eigene Rechnung ein bißchen Schiffeversenken spielt. Der dritte Weltkrieg droht auszubrechen, und hier bekommt Ihrer Majestät bester Agent Arbeit, denn das muß natürlich verhindert werden.

Tatkräftige Unterstützung leistet ihm dabei Wai Lin (Michelle Yeoh), die einmal mehr beweist, daß Frauen in Actionfilmen nicht nur ausschließlich der Befriedigung der männlichen Helden dienen müssen. Dazu ist ja auch schon Carvers Ehefrau (Teri Hatcher) da, doppelte diesbezügliche Ablenkung würde wahrscheinlich dazu führen, daß nicht mehr genug Zeit bleibt sich herumzuprügeln, was eine der Hauptbeschäftigungen von Geheimagenten zu sein scheint. Also darf Wai Lin sich ebenfalls prügeln, ein paar beachtliche Stunts zeigen und Mr. Bond tatkräftig zur Seite stehen. Und das ist wörtlich gemeint, denn ein Gutteil des Films sind sie mit Handschellen aneinander gefesselt und gezwungen, Seite an Seite zu kämpfen.

Über Pierce Brosnan, den nunmehr vierten James Bond, ist wenig zu sagen. Er ist das dekorativste Element im Film, jedenfalls für die weiblichen Kinogänger. Er schlägt sich gut, hat jedoch nicht das Format eines Sean Connery, der hier wohl unerreicht bleiben wird. Gegen Roger Moore oder Timothy Dalton dürfte er jedoch die bessere Figur machen, da vor allem ersterer in etwa so viel Sex Appeal hat wie ein tiefgefrorenes Fischfilet. Jonathan Pryce entspricht nicht unbedingt dem Bild eines durchtriebenen Schurken, aber er ist auch eher ein Schreibtischtäter, der die schmutzige Arbeit von seinen Akolythen verrichten läßt, denen man selbstverständlich schon von weitem ansieht, daß sie nichts Gutes im Schilde führen. Götz Otto als Scharfrichter im Dienste Carvers entspricht hundertprozentig der Vorstellung, die man sich von einem Typen macht, der auf Befehl seines Herrn wehrlose Leute umbringt. Wenn man ihn sieht, erwartet man förmlich, daß er jeden Moment irgendeine Schandtat begeht - tiefes Nachdenken ist hier nicht angesagt.

Im dunkeln und geheimnisumwittert bleibt auch nach Ansehen des Films der Titel. "Der Morgen stirbt nie"- da fragt man sich, welcher Morgen denn nun gemeint ist. Oder handelt es sich um ein "Morgen" im allgemeinen? Und kann Morgen überhaupt sterben? Auch der englische Titel gibt hierüber keinen Aufschluß. Vielleicht geht es auch lediglich darum, daß das Gute letztendlich siegt und es immer ein Morgen geben wird. Wer weiß.

"Tomorrow never dies" ist sicher kein tiefgründiges Meisterwerk, bietet aber zwei Stunden lang (nicht allzu anspruchsvolle) Unterhaltung. Wer jedoch die gepflegte Atmosphäre der alten Bond-Filme mit Sean Connery schätzt, sollte diesen Film lieber meiden. Er reiht sich eher ein in die Actionfilme, die in diesem Jahr mit vielen Schießereien und Explosionen über unsere Kinoleinwände geflimmert sind, hat jedoch nicht so viele Längen wie "Con Air" oder "Projekt: Peacemaker". Die Suche nach Plot Holes sollte dabei jedem selbst überlassen bleiben.


Filmkritik von Monika Hübner

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Steckbrief
Regie
Roger Spottiswoode

Darsteller
Colin Salmon, Desmond Llewelyn, Götz Otto, Joe Don Baker, Jonathan Pryce, Judi Dench, Michelle Yeoh, Pierce Brosnan, Ricky Jay, Samantha Bond, Teri Hatcher

Genre
Action, Thriller

Tags
Agenten, James Bond, Weltherrschaft
Gastkritiken
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Filmfacts
Herstellungsland
USA, Großbritannien

Alternativ- bzw. Originaltitel
Tomorrow Never Dies

Einspielergebnis
333 Mio. US-Dollar (weltweit)

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