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Inception| Kritik 9/10

Kinostart
29.07.2010



Handlung

Dom Cobb (Leonardo DiCaprio) ist ein begnadeter Dieb, der absolut beste auf dem Gebiet der Extraktion, einer kunstvolle und gefährliche Form des Diebstahls: Cobb stiehlt wertvolle Geheimnisse aus den Tiefen des Unterbewusstseins, wenn der Verstand am verwundbarsten ist – während der Traumphase. Dank seiner seltenen Begabung ist Cobb in der heimtückischen, neuen Welt der Industriespionage heiß begehrt. Doch diese Existenz hat auch ihre Schattenseiten: er wird auf der ganzen Welt gesucht und hat alles verloren, was er liebte. Eines Tages bietet sich ihm die Chance zur Rettung: Ein letzter Auftrag könnte ihm zu seinem alten Leben zurück verhelfen, aber nur, wenn ihm das absolut Unmögliche gelingt: die so genannte "Inception". Statt eines perfekt ausgeführten Diebstahls müssen Cobb und sein Spezialistenteam das genaue Gegenteil vollführen. Ihr Auftrag lautet nicht, eine Idee zu stehlen, sondern eine einzupflanzen. Sollte ihnen das gelingen, wäre es das perfekte Verbrechen.


Filmkritik | Inception

Über Inception zu schreiben ist, als wollte man sich an die eigenen Träume erinnern. Je angestrengter man es versucht, desto verzerrter wird die Erinnerung.

Darum vorweg, wer sich mit einem Film anfreunden kann, der wie ein Ganovenfilm der Marke "Ocean's Eleven" funktioniert, wie "Matrix" aussieht und sich wie eine zweistündige Irrfahrt durch die eigenen Träume anfühlt, surreal aber mit enormen Wiedererkennungseffekt, sollte sich einfach auf den Film einlassen ohne die Beeinflussung durch andere.

Regisseur Christopher Nolan beweist, dass Originalität nicht immer mit Innovation einhergehen muss, um eigenständig zu funktionieren. Er bediente sich für Inception bei diversen Quellen. Angefangen bei Filmen wie "eXistenz", "Dark City" oder "Matrix", über bildende Künste wie den Werken des Architekten Frank Gehrys oder den faszinierenden optischen Labyrinth-Täuschungen eines M.C. Eschers. Nicht zu vergessen, die Einflüsse von Sigmund Freud und C.G. Jung, deren tiefenpsychologische Lehren ebenfalls auf rudimentäre Art im Film wieder zu finden sind. Man fühlt sich weniger wissenschaftlich als aufgrund persönlicher Erfahrungen direkt von dem Film angesprochen. Und in gewisser Weise steckt darin sein Geheimnis. So realitätsfremd die Grundidee auch ist, beruht das ganze Filmgerüst trotzdem auf universellen, nachvollziehbaren Traumerfahrungen. Christopher Nolan verband diese ureigensten Erfahrungen mit einer glaubwürdigen, emotionalen Achterbahnfahrt, die die abstrakte Traumodyssee ins Unterbewusstsein erst möglich macht. Wer das Ende des Abspanns abwarten kann und genau hinhört, bekommt von Edit Piaf vorgeführt, wie unterbewusst man als Zuschauer mit ihr wirklich in Kontakt gekommen war.

Inception wird gerne als besonders anspruchsvoll oder komplex umschrieben. Aber man sollte sich nicht zu sehr blenden lassen. Die vielleicht auftretenden Verständnisprobleme entstehen nicht aufgrund seiner Komplexität, sondern weil relevante Details und die Gesetzmäßigkeiten des Filmuniversums nur verbal erklärt werden. Das führt automatisch zu Erinnerungslücken bei den Zuschauern weil fortlaufend Informationen wieder vergessen werden. Das ist ein Effekt, der von Filmemachern gerne und bewusst eingesetzt wird, schließlich eröffnet dieser narrative Kniff die Möglichkeit den Film zweimal zu verkaufen. Mit jedem Sehen erfasst der Zuschauer weitere handlungsrelevante Details die den Film plausibler erscheinen lassen und somit die Filmerfahrung steigert.

Was sich der Film allerdings gefallen lassen muss, ist Kritik an seiner selbst auferlegten Glaubwürdigkeit. Gewisse Teile der Handlung verhalten sich wie die von Leonardo DiCaprio verkörperte Figur. Es werden Verhaltensregeln gepredigt, die dann aber fortlaufend zurecht gerückt oder gebrochen werden, wenn es darum geht gewisse Ereignisse, die wichtig für den Handlungsverlauf sind, eintreten zu lassen.

Das Blockbusterkino 2010 fand mit Nolans neustem Film seinen verdienter Höhepunkt. Eventkino das inhaltliche und formale Erfahrungen auf eindrückliche Weise vereint. Wer noch mehr Superlativen findet, darf sich glücklich schätzen, aber wurde vielleicht vom Film selbst einer temporären Inception unterzogen. Denn der Film erfindet das Rad nicht neu und ist trotz seines cineastischen Sinnesrauschens letzten Endes nicht die Krönung alles Filmischen. Aber damit lässt sich Leben, allein die letzte Einstellung lässt den Zuschauer gedanklich noch etwas in der Traumwelt verweilen und das ist mehr als so manch anderer Film der jüngsten Vergangenheit von sich behaupten konnte.


Filmkritik von Orlindo Frick

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Bilder / Fotos

Inception

© Warner Bros. Pictures Germany

Kommentare


Kman
29.08.2010, 21:16:13
Ein erfrischend origineller Actionfilm. Kein Wunder, dass Christopher Nolan derzeit in den Himmel gelobt wird. Finanzierungsschwierigkeiten für weitere Filme sollte das Wunderkind jetzt jedenfalls keine mehr haben.

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