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I'm not there

Kinostart
2007



Die sechs Facetten Bob Dylans

„Blowing In The Wind“ oder „All Along The Watchtower“ zählen zu den bekanntesten Titeln von Bob Dylan. Der Song „I Am Not There“, 1967 mit The Band in Woodstock eingespielt, mit der besten Begleitband, die Dylan bis heute gehabt hat, zählt dagegen zu den unbekannten in seinem Werk. Weshalb ihn Regisseur Todd Haynes ganz bewusst zum Titel seiner filmischen Biografie erkoren hat. Schließlich sprengt „I Am Not There“ alle Erwartungshaltungen.
Das beginnt schon mit der Verwirrung stiftenden Eingangssequenz. Im Jahre 1959 springt ein kleiner farbiger Junge mit seinem Gitarrenkoffer auf einen fahrenden Zug. Den Koffer des jungen Hobo ziert die Aufschrift „This machine kills fascists“ und der Junge nennt sich ganz konsequent Woody Guthrie, nach dem großen american folk singer, das Vorbild für den jungen Bob Dylan.

Marcus Carl Franklin spielt den farbigen "Woody Guthrie", der eine Facette im Leben von Bob Dylan darstellen soll. So wie Christian Bale "Jack Rollins" verkörpert, Cate Blanchett "Jude Quinn", Richard Gere "Billy The Kid", Heath Ledger "Robbie" und Ben Whishaw "Arthur (Rimbaud)". Sie alle stellen die eine oder andere Seite Bob Dylans dar. Todd Hayes porträtiert ihn in seinem Film als den Mann mit den sechs Gesichtern, als eine multiple Persönlichkeit, die schwer zu fassen ist. Dylan ist ein Ikone des Protestes und der Menschenrechte, Troubadour, Diva, surrealer Poet, elektrifizierter Rockstar, passionierter Motorradfahrer, wiedergeborener Christ und Filmschauspieler.

Für „I Am Not There“ haben Hayes und sein Co-Autor Oren Moverman auf eine klassische Handlung verzichtet und die chronologische Erzählweise ignoriert. Reale und gleichzeitig historisch verbürgte Spielszenen wechseln sich ab mit Pseudo-Dokumentaraufnahmen, gefakten Interviews und philosophischen Passagen, dargeboten als ein wildes Wechselspiel von Farbe und Schwarzweiß. Das ist verwirrend und spannend zugleich, über den ganzen Film legt sich ein fiebriger und nervöser Glanz, was dieser auch der handwerklich großartigen Bildmontage des Filmcutters Jay Rabinowitz zu verdanken hat.

Die große Überraschung in einem Film voller Überraschungen ist Cate Blanchett. Sie spielt Dylan als „Jude“ im Jahre 1966, genial, drogenabhängig und feminin. Dabei verwandelt sie sich vor den Augen des Zuschauers förmlich in Bob Dylan – ein magischer Moment des Kinos! „I Am Not There“ ist die fabelhafte Ergänzung zu Martin Scorseses Dokumentarfilm „No Direction Home“ aus dem Jahre 2005. Beide Filme möchte man als Doppel im Mitternachtskino sehen.


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