Handlung
Nach drei geplatzten Hochzeiten soll die vierte nun die junge Jordanierin Tala (Lisa Ray) endlich in den Hafen der Ehe führen. Doch kurz vor dem pompösen Fest lernt Tala, über einen Freund in London, die aus Indien eingewanderte Leyla (Sheetal Sheth) kennen. Aus normalen Interesse für Leyla wird schnell eine verhaltene Liebe, wobei die muslimische Inderin deutlich weniger Probleme mit einem offenen Coming-Out hat als die traditionell erzogene Tala mit ihrem Hintergrund eines hohen, palästinensischen Hauses. Nur ungerne kehrt Tala wieder in ihre Heimat zurück, wo die Hochzeit kurz bevor steht, die für sie längst keine Liebeshochzeit mehr sein kann. Ein Kampf um ihre lesbische Identität mit der Familie und ihrer Religion beginnt!
Filmkritik | I can't think straight
Filme, die uns die muslimische Kultur in all ihren Facetten näherbringen, sind durchaus auch im europäischen Kino keine Seltenheit mehr. Ein derartig heißes Eisen wie Homosexualität unter Frauen aufzugreifen, gab es in dieser Form jedoch noch nicht für die breitere Öffentlichkeit und kann auch als mutiger Versuch von Regisseurin von "I can't think straight", Shamim Sarif, angesehen werden. Ein Versuch, der aus westlichen Augen jedoch glückt.
Der Film springt permanent zwischen Komödie und Tragödie hin und her. Selten ist es möglich, fest in einem der Genres zu bleiben, da auch die Handlung zu häufige, inhaltliche Sprünge macht. Das Drama und die Schwierigkeit der jungen Tala, die mit ihren Gewissensbissen deutlich größere Probleme hat als damit, sich die eigene Homosexualität einzugestehen, wird realistisch herübergebracht und lässt den Zuschauer streckenweise mitleiden. Dabei funktioniert der Film jedoch nicht als klassische, lesbische Lovestory. Der Zuschauer ist schon gezwungen, sich in manchen Szenen den schwierigen, religiösen Hintergrund vor Augen zu führen, um das ganze Ausmaß der Geschichte zu verstehen. Leider rutscht der Film in manchen Szenen doch zu schnell ins Unterhaltungskino ab und vernachlässigt in seinen lustigen Momenten die eigentlich schwierige Thematik. Ein kleiner Tribut, die man dem westlichen Zuschauer hier also zu zollen scheint.
Überzeugend und auch in ihren Rollen als Lesben glaubhaft sind Sheetal Sheth und Lisa Ray, die beide bislang noch nicht durch größere Filmproduktionen aufgefallen sind. Vor allem die Tala verkörpernde Sheth ist dabei nicht nur ein Augenschmaus, sondern eine ernstzunehmende Entdeckung für zukünftige Rollen. Streckenweise würde man sich auch bei "I can't think straight" wünschen, weniger Szenen aus der Metropole London sehen zu müssen - als reines Drama im ländlichen Umfeld wäre die Handlung noch besser aufgehoben gewesen, auch wenn dann die Figur der welt- und sexualitätsoffenen Leyla schwieriger einzubinden gewesen wäre.
Alles in allem überzeugt "I can't think straight" jedoch wegen seiner beiden Hauptdarstellerin und einer größtenteils glaubhaften und auch sachlichen Herangehensweise an das Thema Homosexualität im muslimischen Umfeld. Mit 80 Minuten ist der Film dabei etwas kurz geraten - eine Ausdehnung hätte der Entzerrung mancher Szenen und dem besseren Verständnis gut getan.
Filmkritik von Gastautor