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Hugo Cabret| Kritik 8/10

Kinostart
09.02.2012



Handlung

Die Geschichte spielt im Jahr 1931 unter den Dächern von Paris. Der 12-jährige Waisenjunge Hugo (Asa Butterfield) lebt alleine in den Gemäuern eines gigantischen Pariser Bahnhofs. Seit sein Vater (Jude Law), ein talentierter Uhrenmacher, bei einem Brand ums Leben gekommen ist, versteckt sich Hugo auf dem Dachboden hinter einer großen Bahnhofsuhr. Statt zur Schule zu gehen, muss er die Arbeit seines Onkels übernehmen: Täglich macht er einen Kontrollweg durch die großen Hallen, um alle Bahnhofsuhren in Schuss zu halten und aufzuziehen. Dabei muss er sich vor dem strengen Stationsvorsteher (Sacha Baron Cohen) in Acht nehmen, der keine Chance auslässt, seinem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Hugos einzige Erinnerungsstücke an seinen Vater sind ein rätselhaftes Notizbuch und ein kaputter Roboter - eine Art Aufziehfigur - die Hugos Vater vor seinem Tod in seiner Uhrmacherwerkstatt zu reparieren versuchte. So lebt Hugo zwischen tickenden Uhren und mysteriösen Notizen, bis er eines Tages die neugierige Isabelle (Chloë Moretz) trifft, die sein Leben auf sensationelle Weise verändern wird: denn sie besitzt einen Schlüssel, der den Roboter zum Leben erwecken kann. Mit Hilfe von Isabelle und ihrem mysteriösen Onkel (Ben Kingsley), kommt Hugo einem außergewöhnlichen Geheimnis auf die Spur, das sein und das Leben aller Beteiligten auf magische Weise verändern wird...!


Filmkritik | Hugo Cabret

Aviator“, „Departed“, die Rolling Stones-Dokumentation „Shine a Light“ oder „Shutter Island“, alles durchwegs anerkannte Filme eines Meisterregisseurs. Und doch steckt nach Meinung von Filmkennern, die mit Martin Scorseses experimentellen, ungeschliffenen und leidenschaftlichen Hunger nach Neuem und Außergewöhnlichem aufwuchsen, der Filmemacher seit einigen Jahren in einer behüteten Hollywood-Blase fest. Eine Schaffensphase, die sich mit milder Altersmüdigkeit umschreiben lässt. Auch „Hugo Cabret“ wird diesen Eindruck kaum gerade rücken können, auch wenn der Regisseur seinen Drang, neue Genres auszuprobieren, wiederentdeckt hat. Dies ebnete den Weg für seinen ersten, lupenreinen Kinderfilm, worin auch die Krux des kleinen Hugo versteckt liegt.

Eines kommuniziert der Film unmissverständlich: In ihm steckt die Leidenschaft seines Vaters. Nicht die von Jude Law verkörperte Vaterfigur, sondern die seines Regievaters. Martin Scorsese ist in Hollywood als ein Cineast der ganz alten Schule bekannt. Von dem Schlage, der selbst einem Quentin Tarantino noch so manches beibringen könnte. Und diese Veranlagung merkt man seinem neusten Werk in jedem einzelnen Frame an. Ungeachtet der eigenen Herkunft oder der Erfahrungen, eint Hugo alle Filmliebhaber und lässt sie sich wieder in die eigene Kindheit zurück wünschen. In jene Zeit, wo einem Filme noch bis ins Erwachsenenalter begleiteten und prägten. Doch verstünde man auf diese Weise kaum Scorseses leidenschaftliche Hymne an die Pionierzeit des Films und die Faszination, die das Medium bis heute auf uns ausübt. Allein die wundervolle Schlusssequenz macht aus der unspektakulären 3D-Stereoskopie eine Pflicht, bei der dem französischen Filmpionier Georges Méliès zaghafte Räumlichkeit verliehen wird und damit eine noch nie dagewesene Symbiose schafft. Das lässt einem selbst über so manch kindlichen Stolperstein des Films hinwegsehen. Beispielsweise die grenzenlose Naivität seiner Charaktere, seinen schnurgeraden Handlungsverlauf und selbst die unvorteilhafte Chemie zwischen dem blauäugigen Asa Butterfield und der sympathisch altmodischen aber auch zu alten Chloë Grace Moretz.

Der Film wird das junge Kinopublikum vom vergoldeten Fleck verzaubern. Zu verheißungsvoll gibt sich das Abenteuer rund um den kleinen Hugo. Alle Filmliebhaber werden sich spätestens ab der zweiten Hälfte nicht mehr dem Charme des Films im Film entziehen können. Alle anderen müssen es auf einen Versuch ankommen lassen. Denn die anfängliche Warnung bleibt bestehen: „Hugo Cabret“ ist in seiner Machart und in seinem erzählerischen Kern einem frühen Harry Potter wesentlich näher als einem Scorsese der alten Tage. Oberflächlich gesehen ist und bleibt Hugo eine naive, langsam und schnörkellos erzählte Kindergeschichte, was nicht jedem Zuschauer schmecken wird. Sein Anspruch liegt dahinter, wie ein feines Uhrwerk hinter einem einfachen Zifferblatt.


Filmkritik von Orlindo Frick

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Bilder / Fotos

Hugo Cabret

© Paramount Pictures International

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