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Here and There - Wiedersehen in Belgrad| Kritik 6/10

Kinostart
22.04.2010



Handlung

Bei Robert (David Thornton), einem New Yorker Musiker, läuft es im Moment nicht so besonders. Er steckt mitten in einer Schaffenskrise, ist ausgelaugt und nun muss er auch noch aus seiner Wohnung raus. Als Umzugshilfe heuert er den jungen serbischen Immigranten Branko (Branislav Trifunovic) an. Der wiederum versucht bereits seit einer ganzen Weile verzweifelt, seine serbische Freundin Ivana in die USA nachzuholen. Um das begehrte Visum für sie zu bekommen, schlägt Branko dem abgebrannten Robert einen Deal vor: er besorgt ihm ein Flugticket nach Belgrad, wo Robert Ivana heiraten und mit einem Touristenvisum nach New York bringen soll. 3.000 Dollar verspricht Branko Robert für diesen Deal. Der kann das Geld gut gebrauchen und macht sich von der Metropole New York auf den Weg in das serbische Belgrad.


Filmkritik | Here and There - Wiedersehen in Belgrad

Man ist ja derlei Filme derzeit ein wenig überdrüssig: Vitaler Emigrant (jung) und müder, depressiver, aber grundguter Stadtmensch (in der Midlifekrise) werden dramaturgisch zusammen gespannt, um einen politisch korrekten Film mit viel Gefühl, Musik und einem Hauch Melancholie zu tragen. Besonders gut gelang das dem französischen Beitrag des Genres, "Welcome", recht ordentlich der amerikanischen Variante "Ein Sommer in New York". Jetzt geht es schon wieder nach New York, zu einem Migranten mit hochfliegenden Plänen und einem von Depressionen geschüttelten Musiker diesmal. Das muss man sich nicht unbedingt noch einmal ansehen, und spannend ist der Film mit Sicherheit nicht. Dass "Here and There - Wiedersehen in Belgrad" dennoch nicht ganz misslungen ist, liegt an der entspannt-zurückgenommenen Regie, an Belgrad und seinen Menschen und den drei Hauptdarstellern. Sie retten den - zugegeben - todlangweiligen und vorhersehbaren Plot.

Das Seltsame an diesem Film ist, dass er in zwei Teile zu zerfallen scheint: einen zaghaften, sehr konventionellen New Yorker Teil, in dem alles so ist, wie man es aus x New York-Filmen erwartet, nur noch ein Quentchen öder. Und einen zweiten, sehr lebendigen, nahezu aufgedrehten Teil, der in Belgrad spielt. Irgendwie passen diese Hälften nicht zusammen, finden nicht zu einer Einheit. Sie laufen völlig zusammenhanglos nebeneinander her. Das hat allerdings offenkundig keine dramaturgischen Gründe, sondern ist dem Anfänger-Ungeschick von Regisseur Darko Lungulov geschuldet, der mit diesem Film sein Debüt vorlegt. Vielleicht war das Budget auch zu knapp, um eine amerikanisch-deutsch-serbische Independent-Co-Produktion mit einer derartig ehrgeizigen, auf zwei Kontinenten spielenden Handlung ohne Stolpern in Szene zu setzen. Auf dem Tribeca-Filmfestival in New York gab es 2009 dennoch Preise in vier Kategorien. Der serbische Regisseur hat am Hudson sein Handwerk gelernt und sich über fünf Jahre lang sein Filmstudium als Umzugshelfer mit eigenem Transporter finanziert. Episoden aus dieser Zeit flossen in den in New York spielenden Handlungsteil ein. Leider nicht ganz überzeugend.

Die Schauspieler hingegen überzeugen überwiegend. Vor allem der junge Branislav Trifunovic als Branko - bei uns und in Amerika weitgehend unbekannt, in Serbien ein Star in Film und Fernsehen - überzeugt durch temperamentvolles und schlitzohriges, dabei nie überziehendes oder lärmiges Spiel. Ihm ebenbürtig ist die ausdrucksstarke Mirjana Karanovic ("Das Leben ist ein Wunder", "Esmas Geheimnis - Grbavica") als seine Mutter Olga. Mit Augen, die alles zu wissen scheinen,  mütterlich-erdhafter Erotik und einer Grundtraurigkeit auch in heiteren oder Liebeszenen steht sie als lebende Allegorie für ihr schwieriges, von historischen Altlasten und Zukunftssorgen, aber auch von Heimatliebe und Lebensfreude geprägtes Land. Eine bemerkenswerte Leistung. David Thornton, dessen Ehefrau Cindi Lauper eine Mini-Rolle übernahm und den - sehr öden und einschläfernden - Titelsong schrieb und interpretiert - als versoffener Jazzmusiker Robert mit Jim Jarmusch-Frisur überzeugt vor allem im Serbien-Teil des Films: Wie er mit dem Wechsel von der verschlurften New Yorker Bohemien-Jacke zur knallgelben serbischen Trainingsjoppe auch sein Big Apple-Gehabe ablegt und allmählich zum "Serben" mutiert - das hat Charme und macht warm ums Herz. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Die Liebe von Darko Lungulov zu seiner Heimat, wo er heute wieder lebt und mit amerikanischen Produzenten und deutschen Förderern Filme dreht, ist im zweiten Teil des Films - den albernen ersten vergessen wir besser ganz rasch - deutlich zu spüren und rührt. Das arg folkloristische Ambiente und die dauernde Brass-Volksmusik gehen allerdings dann doch auf die Nerven. Ein Film mit respektablen Ansätzen und ein Regisseur, der - noch - vieles verschenkt.


Filmkritik von mkrispien

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Bilder / Fotos

Here and There - Wiedersehen in Belgrad

© Neue Visionen Filmverleih & Camino Filmverleih

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Steckbrief
Regie
Darko Lungulov

Darsteller
Antone Pagan, Branislav Trifunovic, Cyndi Lauper, David Thornton, Elena Mrdja, Fedja Stojanovic, Goran Radakovic, Mirjana Karanovic

Genre
Drama, Komödie
Gastkritiken
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Filmfacts
Herstellungsland
Deutschland, Serbien, USA

Alternativ- bzw. Originaltitel
Tamo i ovde




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