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Henri 4| Kritik 4/10

Kinostart
04.03.2010



Handlung

Frankreich 1563. Protestanten und Katholiken kämpfen im Namen des Glaubens um Land und Macht. An der Spitze der Protestanten rüstet Henri von Navarra (Julien Boisselier) gegen Paris, gegen die Katholiken, gegen die mächtige Rivalin seiner Mutter: Katharina de Medici (Hannelore Hoger), Königin von Frankreich. Sie bietet ihm die Hand ihrer Tochter Margot (Armelle Deutsch) - als Zeichen der Versöhnung - die Hochzeit endet in einem Blutbad. Henri überlebt die Bartholomäusnacht. Er wird im Louvre wie ein Gefangener gehalten, nach vier Jahren gelingt ihm die Flucht. Fünf Mal wechselt er seinen Glauben, er kämpft und taktiert. Er will das Feld nicht denen überlassen, die kein Gewissen haben und keine Menschlichkeit. Auf seinem Weg zum Thron wird er zu einem Monarchen, der sich als einer der ersten einen wahren Humanisten nennen darf.


Filmkritik | Henri 4

Der Münchner Grimmepreis-Träger Jo Baier gehört zu jenen raren deutschen Regie-Talenten, die es verstehen, auch bei Produktionen fürs Fernsehen großes Kino auf den kleinen Bildschirm zu zaubern. Ein Händchen für stimmige und stimmungsvolle Dramaturgie sowie gute Schauspielerführung machen es möglich. Besonders gut gelang das Baier immer, wenn er kleine private Dramen vor dem Hintergrund der großen Dramen der Weltgeschichte in Szene setzte: Freunde dieses Genres erinnern sich dankbar an TV-Sternstunden wie "Der Laden" oder "Schwabenkinder". Nahm der Regisseur die große Weltgeschichte direkt ins Visier, wurde es bislang ein Schuss in den Ofen, wie der missratene Fernsehfilm "Stauffenberg" belegt. Nun also Henri 4, Frankreich, die Hugenotten und die Bartholomäusnacht auf der großen Leinwand. Konnte das gut gehen? Formulieren wir es diplomatisch: Als Mehrteiler im Fernsehen wird dieses Werk sicherlich seinen Unterhaltungswert haben. Großes Kino sieht anders aus. Und sein "Händchen" für Schauspielerführung hat Jo Baier diesmal völlig im Stich gelassen.

Um fair zu sein: Um große Schlachtengemälde von Hollywoodformat zu zeichnen, dafür fehlte dieser Produktion von Regina Ziegler einfach das Geld. Wer von technologischen Meisterwerken wie "Herr der Ringe" verwöhnt ist, sollte den Film meiden. Vielleicht war es von vornherein unklug, sich auf das für deutsche Filmemacher unbekannte Terrain des Historienschinkens zu wagen, und dann noch mit einem Stoff aus der französischen Geschichte. Wozu das Ganze? Unklug war es auch, als Drehbuchvorlage das sperrige, kaum lesbare und zudem geschichtsklitternde Romanwerk "Henri 4" von Heinrich Mann zu wählen, nur um es gnadenlos zu verwursten und zu verhunzen. Hier haben sich Baier und seine Co-Autorin Cooky Ziesche gründlich verhoben. Geld fehlte wohl auch beim Casting der französischen Darsteller, Stars sind nicht dabei. Hauptdarsteller Julien Boisselier wurde wohl nur engagiert, weil man zumindest die Hauptrolle mit einem Alibi-Franzosen besetzen musste. Der Schauspieler ist noch nicht einmal in seiner Heimat sonderlich populär und dort vor allem im Fernsehen in Nebenrollen aktiv. Genauso spielt er auch: kleinformatig, uninspiriert, langweilig und ohne einen Anflug von Charisma. Die wechselnden Damen, die mit ihm die Laken zerwühlen, agieren so grottenschlecht, dass man ihre Namen besser schnell wieder vergisst. Besonders enttäuschend: Gabriela Maria Schmeide als Henris zweite Gattin Marie de Medici. Die Schauspielerin, die Doris Dörries Hartz IV-Klamotte "Die Friseuse" mit Verve rettete, liefert hier mit falschem italienischen Zungenschlag plumpste Schmierenkomödie ab.

Grauenvoll ist Ulrich Noethen ("Ein fliehendes Pferd", "Mein Führer - die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler"), der den royalen Loser Karl IX. als überdrehtes Nervenbündel grotesk überzeichnet. Eine Augen- und Ohrenqual ist die Darbietung von Devid Striesow ("Die Fälscher", "Vision - Aus dem Leben der Hildegard von Bingen"), der den femininen Königssohn d´Anjou als peinliche Schwulen-Karikatur gibt. Enttäuschend die schwache Leistung von Hannelore Hoger (TV-Ermittlerin "Bella Block"), die in ihrer sehr düster angelegten Rollengestaltung der Katharina von Medici die Schwarzweißmalerei zur alleinigen Charakterzeichnung erkoren hat. Selbst der stets angenehm zurückhaltend spielende Joachim Król ("Rossini - oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief", "Lola rennt") bleibt diesmal allzu blass und kann die undankbare Rolle des treuen Vasallen Agrippa nicht mit Bedeutung aufladen. Zu einem Team formiert sich diese bunt zusammengewürfelte deutsch-französische Schauspielertruppe in keiner Filmsekunde.

Ach so: Etwas Positives gibt es zu diesem Gernegroß von Film, bei dem alleine die Bombast-Musik aus dem Tonstudio von Hans Zimmer ("Illuminati", "Sherlock Holmes", "Wenn Liebe so einfach wäre") großes Kino ist, doch zu sagen: Der im epischen Erzählen erfahrene Kameramann Gernot Roll ("Die Manns - Ein Jahrhundertroman", "Buddenbrooks") arbeitet souverän und rettet letztendlich die Würde dieses verkorksten Films.


Filmkritik von mkrispien

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Bilder / Fotos

Henri 4

© Ziegler Film GmbH & Co. KG / Central Film Verleih GmbH

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Steckbrief
Regie
Jo Baier

Darsteller
Andreas Schmidt, Armelle Deutsch, Chloé Stefani, Hannelore Hoger, Joachim Król, Johannes Silberschneider, Julien Boisselier, Roger Casamajor, Sandra Hüller, Sven Pippig

Genre
Historie, Krieg

Tags
Frankreich
Gastkritiken
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Herstellungsland
Deutschland, Frankreich




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