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Greenberg| Kritik 2/10

Kinostart
01.04.2010



Handlung

Der New Yorker Ex-Musiker Roger Greenberg (Ben Stiller) ist wohl das, was man einen ausgemachten Loser nennen kann: alleinstehend, ohne Job und gerade 40 geworden. Na, herzlichen Glückwunsch! Da kommt ihm das Angebot seines jüngeren und wesentlich erfolgreicheren Bruders Phillip (Chris Messina) gerade recht: Greenberg soll ein paar Wochen auf dessen Haus in Los Angeles aufpassen. Auf diese Weise kann er bei freier Kost und Logis seiner absoluten Lieblingsbeschäftigung nachgehen, die in nicht viel mehr als ausgiebigem Nichtstun besteht. Nebenbei ergibt sich auch noch die Möglichkeit, alte Freunde wiederzusehen. Die sind allerdings mittlerweile ziemlich alt und spießig geworden, findet Greenberg: Jugendliebe Beth (Jennifer Jason Leigh), inzwischen geschieden und alleinerziehende Mutter zweier Kinder, kann oder will sich an die wilde Jugendzeit irgendwie kaum noch erinnern. Und Ivan (Rhys Ifans), der ehemalige Band-Kollege, macht jetzt irgendwas mit Computern. Laaaangweilig! Allein Florence (Greta Gerwig), die während der Abwesenheit von Phillips Familie als Mädchen für alles auch im Haus ein- und ausgeht, versprüht ein wenig jugendliche Frische. Grund genug für Greenberg, die meiste Zeit mit ihr zu verbringen. Da jedoch auch die 25-Jährige nicht so recht weiß, was sie mit ihrem Leben anfangen soll, ergänzen sich die beiden bald zu einem ziemlich schrägen Chaos-Duo. Und bei so mancher Katastrophe wie z.B. einem überlaufenden Swimming-Pool, einem kollabierenden Hund sowie diversen krampfhaften Beischlafversuchen entwickelt sich langsam eine recht eigenartige Romanze, die womöglich aber ganz neue Perspektiven mit sich bringen könnte.


Filmkritik | Greenberg

Im amerikanischen Independent-Film gibt es seit einiger Zeit eine Bewegung mit dem seltsamen Namen "Mumblecore". Das sind meist von Filmstudenten gedrehte Autorenfilme, die, möglichst billig abgedreht, konfuse Plots um ebenso konfuse Mitzwanziger platzieren, die um sich selber kreisen und ihre Neurosen pflegen. Die Drehbücher sind weitgehend improvisiert, die Schauspieler gerne von der Straße gecastete Laien. In Europa kommen diese Filme vor allem in Spanien, dessen Publikum ein Faible für Verrücktheiten im Kino hat, besonders gut an. Dem deutschen Filmfreund blieben sie bislang weitgehend vorenthalten. Eigentlich ist die um 2000 ausgeheckte Masche auch schon wieder tot. "Greenberg" von Noah Baumbach ("Der Tintenfisch und der Wal") versucht jetzt mit reichlich Verspätung, an das Genre anzudocken und macht dabei alle Fehler, die man nur machen kann: 1. Hauptdarsteller Ben Stiller ("Nachts im Museum", "Der Date Profi") ist Mitte 40 und nicht Mitte 20, ist mit allen Hollywoodwassern gewaschener Profi und hat zudem ein aus einschlägigen Komödienklamotten für den Zuschauer zu eindeutig fest gelegtes Gesicht. 2. Das Drehbuch von Baumbach-Gattin und Schauspielerin Jennifer Jason Leigh ("Margot und die Hochzeit", "Syneckdoche, New York"), mit fast 50 auch nicht mehr unbedingt im passenden Mumblecore-Alter, ist exakt abgezirkelt und lässt keinen Raum für Improvisation. 3. Der Hund spielt besser als die Menschen. So gesehen, ist "Greenberg" allenfalls Mumblecore-Verschnitt, angebiedert an Hollywood, um den Mainstream zu erreichen. Beides zusammen geht aber nicht, und so wurde das nichtsnutzige und nervende Filmchen ein Konglomerat aus pseudointellektuellem Gewäsch und Klamotte. Fremdschämen ist noch das Freundlichste, was man zu diesem Werk sagen kann.

Ben Stiller wurde nach diesem Film von voreiligen Filmkritikern als der neue Woody Allen gefeiert. Nur, dass der Stadtneurotiker bei seinen selbstverliebten Dauertiraden um lustvoll gepflegte Hypochondrien des Leibes und der Seele Feuerwerke des Witzes zündete und, bei aller Egomanie, immer ein Menschenfreund blieb, auch wenn er das nicht immer wahr haben wollte und will (im Alter mehr). Und: Er hat die Drehbücher für seine Rollen selber geschrieben, spiegelt sich in ihnen. Robert Greenberg ist nur ein humorfreies Arschloch und eine menschliche Null, und Schauspieler Stiller ein Stichwortbefolger, der die törichten, von Miss Jason Leigh ausgebrüteten Sätze so sichtlich um Ernsthaftigkeit bemüht herunter spult, dass es schon wieder komisch wirkt. Sicher nicht gewollt von dem Schauspieler, aber so ist es nun mal. Stiller kommt aus seiner Haut als Schmierenkomödiant bei allem Bemühen nicht heraus. Nur das Sex-Desaster im Bett mit der süß-chaotischen  Florence (erfrischend natürlich: die weitgehend unbekannte Greta Gerwig), das glaubt man dem seine gebückt-verkrampfte Körperhaltung nervig überbetonenden Hauptdarsteller unbesehen. Florence muss im entscheidenden Moment geistig verwirrt gewesen sein. Irgendwann hat der Zuschauer die Nase gestrichen voll von den Greenbergiaden und denkt verzweifelt: "Mach ein Ende, Herr!" Was ja dann auch passiert. Einziger Lichtblick in diesem grausam misslungenen Film: Der Waliser Charakterdarsteller Rhys Ifans ("Elizabeth - Das goldene Königreich") überzeugt als stoisch-gelassener, im Leben gereifter Computerfreak und Freund Ivan und spielt Mr. Stiller locker-lässig an die Wand. Respekt.


Filmkritik von mk

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Greenberg

© Tobis Film

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Steckbrief
Regie
Noah Baumbach

Darsteller
Ben Stiller, Brie Larson, Chris Coy, Chris Messina, Dave Franco, Greta Gerwig, Jennifer Jason Leigh, Juno Temple, Mark Duplass, Max Hoffman, Merrit Wever, Rhys Ifans, Trent Gill

Genre
Komödie
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Herstellungsland
USA




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