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Godzilla| Kritik

Kinostart
1998



Filmkritik | Godzilla

Dr. Nico Tatopoulos (Matthew Broderick), der sich gerade mit überdimensionalen "Tschernobyl-Würmern" beschäftigt ahnt nicht, daß er es in Kürze mit etwas viel größerem zu tun bekommen wird, als man ihn nach Polynesien ruft, um eine seltsame biologische "Probe" zu untersuchen. Die Atomtests in diesem Gebiet haben zur Entstehung einer riesigen Kreatur geführt, die sich nun auf den Weg nach New York macht, um sich einen Brutplatz zu suchen.

Wobei wir auch schon beim ersten Handlungsloch wären: Wie gelangt Godzilla so schnell von Polynesien zur nordamerikanischen Ostküste? Natürlich durch den Panamakanal, denn das Monster hat in der Geographiestunde gut aufgepaßt und selbigen sofort gefunden. Eine beachtliche schwimmerische Leistung, eigentlich sollte es sich für die nächste Olympiade aufstellen lassen. Vor New York steigt es aus den Fluten und lehrt die Großstädter das Fürchten: Selbst wenn es aufpassen würde, wo es hintritt - was es selbstverständlich nicht tut - wüchse an diesen Stellen für längere Zeit kein Gras mehr. Da die Straßenschluchten der Stadt für ein solches Riesentier ein wenig eng sind, hinterläßt es auf seiner Suche nach einem geeigneten Platz für sein Nest eine Spur der Verwüstung.

"Er kam, sah und siegte", so hatte Regisseur Roland Emmerich sich den Kinostart für sein neuestes Special Effects-Feuerwerk wohl vorgestellt. Die Aussage "Er kam, trampelte und versagte" dürfte in diesem Fall jedoch zutreffender sein. Es kommt eben doch nicht allein auf die Größe an. Zwar ist Emmerich nicht unbedingt bekannt für Drehbücher mit brillianten Dialogen, aber diesmal ist die Geschichte für einen gut zwei Stunden langen Film doch etwas arg dünn geraten. Er hätte vielleicht einen Stummfilm daraus machen und die Schauspieler, die sowieso kaum etwas zu tun haben, ganz weglassen sollen. Erstaunlich, daß er es geschafft hat, große Namen wie etwa Jean Reno für dieses Spektakel zu gewinnen. Vielleicht war die Geheimniskrämerei um das Drehbuch dafür verantwortlich, denn Geheimnisse üben seit jeher eine magische Anziehungskraft auf den menschlichen Geist aus. Leider erinnern die Charaktere in GODZILLA in gewisser Weise an französische Crêpes - Sie wissen schon, das sind diese feinen Eierpfannkuchen, die sich unter anderem dadurch auszeichnen, daß sie besonders dünn sind. Noch nicht einmal das Monster hat einen ausgeprägten Charakter, auch wenn es sich zum Schluß als etwas nachtragend erweist.

Godzilla stampft also durch New York, läßt aber diesmal die Freiheitsstatue intakt. Er konzentriert sich mehr darauf, Wolkenkratzer einzureißen und legt schließlich seine Eier im Central Park ab. Da er ein amphibisches Wesen ist, kann man es auch als laichen bezeichnen, und entsprechend viele Eier werden es. Nur daß sie im Vergleich zu Froscheiern ein bißchen groß geraten sind und kaum Gefahr laufen, von irgendwelchen Freßfeinden vor dem Schlüpfen zum Abendessen verspeist zu werden. Unsere Helden werden zu guter Letzt von der reizenden Kinderstube überrascht, aber das schlechte Benehmen der Kleinen verhindert die Einrichtung eines Streichelzoos. Wer sich nun fragt, warum Godzilla immer als "er" und nicht als "sie" bezeichnet wird, dem sei an dieser Stelle bereits verraten, daß "er" eigentlich ein "es" ist und keinen Partner braucht. Bei dieser Größenordnung wäre der Paarungsakt wahrscheinlich auch etwas schwierig und würde in einen Balanceakt ausarten oder für einen oder beide Partner im günstigsten Fall mit Knochenbrüchen und zerquetschten inneren Organen enden. Mutter Natur hat bekanntlich für (fast) alles eine Lösung.

Ein Rätsel bleibt indessen, warum eine Kreatur, die als so "kalt" beschrieben wird, daß sie kaum von Infrarotsensoren erfaßt werden kann, so schnell laufen kann. Aufrechter Gang verlangt einen schnellen Stoffwechsel, aber das sei nur am Rande bemerkt. Niemand erwartet schließlich Logik von einem Monster-Trash-Film, gleichgültig, wie überzeugend die Special Effects auch sein mögen. Alles in allem entspricht GODZILLA durchaus den Erwartungen, die man haben konnte, als es nach dem immensen Erfolg von INDEPENDENCE DAY vor zwei Jahren hieß: Roland Emmerich dreht Godzilla. Hätte er ein wenig mehr Sorgfalt auf das Drehbuch verwandt und sich nicht ausschließlich auf die Computereffekte konzentriert, hätte der Film durchaus unterhaltsam werden können. Aber das war wohl nur ein Wunschtraum.


Filmkritik von Monika Hübner

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Steckbrief
Regie
Roland Emmerich

Darsteller
Hank Azaria, Harry Shearer, Jean Reno, Kevin Dunn, Maria Pitillo, Matthew Broderick, Michael Lerner

Genre
Action, Fantasy

Tags
Godzilla, New York
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Filmfacts
Herstellungsland
USA, Japan

Budget
130 Mio. US-Dollar

Einspielergebnis
379 Mio. US-Dollar (weltweit)



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