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Gefährten| Kritik 5/10

Kinostart
16.02.2012



Handlung

Die packende Geschichte des Farmerssohns Albert (Jeremy Irvine) und seines geliebten Wallachs Joey spitzt sich dramatisch zu, als der Erste Weltkrieg ausbricht: Alberts Vater (Peter Mullan) verkauft Joey an die britische Kavallerie, als Schlachtross wird er an die Front geschickt. Damit beginnt seine außergewöhnliche Reise vor dem Hintergrund eines grausamen Krieges. Trotz aller Gräuel, denen Joey auf seiner Odyssee begegnet, inspiriert er die Menschen, die seinen Weg kreuzen, und verändert ihr Leben. Albert kann seinen treuen Gefährten nicht vergessen und meldet sich freiwillig zum Kriegsdienst. Auf Frankreichs Schlachtfeldern, wo britische und deutsche Soldaten aufeinandertreffen, hat Albert nur ein Ziel vor Augen: Joey wiederzufinden und mit ihm nach Hause zurückzukehren.


Filmkritik | Gefährten

Mit “Gefährten” ("War Horse") schien Steven Spielberg ein Stoff gefunden zu haben, der seinem Hang nach sentimentalem Bombast gerecht werden könnte. Die Vorlage, ein Kinderroman von Michael Morpurgo, kann als "Pferdegebissiger Lassie im Ersten Weltkrieg" umschrieben werden. Oder "Rabbit-Proof-Fence im Galopp", ein tierisch-sentimentaler Stoff, der auf Treue, Freundschaft und der Überwindung des Unmöglichen aufbaut. Und tatsächlich, mit dem Trailer zu "Gefährten" stellte sich unversehens das wohlige Spielberg-Gefühl ein und hatte selbst einige kurze Assoziationen zu längst vergangenen Spielberg-Klassikern im Petto. Wäre es doch nur dabei geblieben...

Der Film weckt irritierende Assoziationen. „In einem fernen Land“ mit einem Gaul anstelle von Nicole Kidman. Ein vorpubertärer Gegenentwurf zu „Starship Troopers“ mit einer Reinkarnation von Casper Van Dien inklusive träniger Talentlosigkeit. „Der Soldat James Ryan“ für Pferdeliebhaber. "Gefährten" ist eine aufgesetzte, kindgerechte Kriegspielpropaganda auf eine fast verleugnerische Art und Weise. Es wird gemordet und geschlachtet ohne einen Tropfen Blut zu vergießen. Der Mensch in Spielbergs Kriegsspielkasten leidet nicht, er trauert. Dese Kriegsmär predigt von Verlusten. Der Krieg nimmt was er will und von wem er will. Andererseits erleiden die Tiere des Films, allen voran der tierische Protagonist Joey, Höllenqualen. Stichwort Stacheldrahtzaun. Eine zweifelhafte Doppelmoral, die mit ihrer eigenen, verdrehten Logik der heutigen Gesellschaft, die in Fleisch kaum mehr als billig produzierbare Industriegüter sieht, den Spiegel vorhält.

Wäre Joey innerlich mehr Hund als Pferd, ein Lassie unter seinen Artgenossen, hätte es dem Film den nötigen Funken Empathie beschert. Man hätte dem Tier die freundschaftlichen Gefühle entgegengebracht, die man einem Hund entgegenbringt. So bleibt Joey aber "nur" ein Pferd, das passiv durch die Historie des 1. Weltkriegs gepeitscht wird, ohne nur einen Funken von Bewusstsein zu entwickeln. "Gefährten" ist ein Roadmovie, in dem der Protagonist eine bedauernswert schlechte Figur macht. Roadtrips dienen dazu, mit jeder Episode den Protagonisten neue Erfahrungen sammeln zu lassen, Entscheidungen abzuringen, um ihn auf diese Weise für den Zuschauer glaubwürdig werden zu lassen. Joey bleibt in den Händen von Spielberg nur ein Pferd, dass unfähig bleibt, mit den jeweils kurz auftauchenden Nebencharakteren eine Beziehung einzugehen – und somit mit dem Zuschauer. Diese Nebenfiguren, die allesamt den braunen Augen des “Wunderpferdes” erliegen, sorgen mit ihrer hochkarätigen Besetzung zumindest für etwas Abwechslung von der naiven Kriegserzählung.

Der goldene Pferdeapfel geht dieses Jahr an Joey. Besser gesagt an Steven Spielberg, der nicht gewollt war, seiner Hauptfigur Charakter zu verleihen und damit auch Nicht-Wendyabonnenten eine empathische Schnittstelle zu bieten. „Gefährten“ ist unausgegorenes Kinderkino mit verklärenden Botschaften und Tierdarstellungen mit einer fragwürdigen Symbolik. Technisch gesehen taten Spielbergs üblichen Verdächtigen – allen voran Kameramann Janusz Kaminski und Komponist John Williams – bemerkenswerte Arbeit innerhalb der Möglichkeiten des Projekts. Volle Farben, volle Klänge, volle Ausstattung. Nur Spielberg ging im wahrsten Sinne des Wortes der Gaul durch.


Filmkritik von Orlindo Frick

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Bilder / Fotos

Gefährten

© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Kommentare


Vanessa
11.03.2012, 21:18:21
Wenn Sie diesen genialen Film schon so sehr kritisieren müssen, dann bitte auch mit richtigen Recherchen. Der "geliebte Wallach Joey" ist nämlich kein Wallach, sondern ein Hengst. Und die Verleihung des "goldenen Pferdeapfels" ist ja wohl ein schlechter Witz. Ich habe den Film bereits gesehen und muss sagen, dass es mich fasziniert, wie gut das Pferd trainiert worden sein muss, um die Szenen im Film darzustellen. Das verdient allergrößten Respekt!!
Auch Ihre Beschreibung "nur" ein Pferd verletzt wohl jeden, der sich einmal ernsthaft mit Pferden beschäftigt hat, denn viele Menschen verbinden mit einem Pferd sehr viel und es ist eben nicht einfach "nur ein Pferd".
Und warum soll der Film eine "kindgerechte Kriegspielpropaganda" sein? Die Kriegsszenen empfand ich zum Teil als sehr erschütternd und brutal, da viele tote Soldaten gezeigt werden...
Meiner Meinung nach ist der Film für jeden Pferdeliebhaber ein muss, aber auf jeden Fall auch an andere Leute weiterzuempfehlen und absolut sehenswert!!

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