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Ganz nah bei Dir| Kritik 8/10

Kinostart
12.11.2009



Handlung

Der verschrobene Phillip (Bastian Trost) lebt zurückgezogen in seiner eigenen kuriosen Welt. Tagsüber untersucht er im Keller der Zentralbank Geldscheine auf ihre Echtheit. Die Abende verbringt er an der Bar einer lokalen Kleinkunstbühne und sieht sich dort in seinem Werturteil bestätigt: Die Menschen sind völlig durch den Wind! Als die blinde Cellistin Lina (Katharina Schüttler) gegen seinen Tisch und in sein Leben stolpert, gerät Phillips Welt jedoch ins Wanken. Unerwartet findet er Gefallen an der jungen Musikerin, die sich ihm trotz ihres Handicaps furchtlos und aufgeweckt entgegenstellt. Angenehm irritiert kehrt er nach Hause zurück und wird dort endgültig aus seinem geordneten Alltag gerissen: Seine Wohnung wurde komplett ausgeräumt – exklusive seiner Bügelmaschine, aber inklusive seiner Schildkröte Paul. So kommt es, dass Phillip sich dem Leben nicht länger verweigern kann.


Filmkritik | Ganz nah bei Dir

Phillip, ein sonderbarer Einzelgänger der mit seiner Schildkröte zusammenlebt, und Lina, eine blinde Cellistin voll überschäumender Freude am Leben, prallen auf der Straße zusammen – und danach direkt in das Leben des anderen. Eine herb-süße Geschichte vom Verlieben in kunstvoll komponierten Bildern.

Regisseurin Almut Getto (Deutscher Filmpreis für ihr Erstlingswerk "Fickende Fische") zeigt dieses wunderbar trocken-humorige Aufeinanderprallen zweier Lebenswelten in einer sich fantastisch entwickelten Geschichte voll kleiner skurriler Anekdoten. Denn Phillip gibt sich von Anfang an als fast schon bemitleidenswerter Sonderling ohne jegliches Feingefühl. Wie seine Schildkröte lebt auch er verkrochen in einem Panzer aus fehlender Zwischenmenschlichkeit vor sich hin – und lernt erst langsam, was es bedeuten kann, sich auf die Liebe einzulassen. Doch das hat oft verletzende Folgen für die blinde Lina, deren hinreißend positives Wesen ihm zum Glück viel verzeiht. Dabei hat Phillip ja gar keine bösen Absichten, sondern scheitert einfach an der mangelnden Erfahrung. So etwa, wenn er Lina seine Leidenschaft für die Pantomime offenbart und sich wirklich Mühe beim Vorspielen einer seiner Sketche gibt – den Lina natürlich nicht sehen kann.

Bastian Trost in der Rolle des Antihelden Phillip legt eine ergreifende Gratwanderung aus hilfloser Unfähigkeit und Liebenswürdigkeit an den Tag, und die herrlich erfrischende Katharina Schüttler als lebensfrohe Lina ist das perfekte Pendant dazu. Mit Leichtigkeit trägt die Chemie zwischen den beiden diese wundersame Liebesgeschichte über knapp neunzig Minuten, ohne jemals seicht oder langatmig zu werden. Dazu wirken die kunstvoll komponierten Bilder so ungemein passend zu diesen zwei so gegensätzlichen Welten, dass viele Szenen einen schlichtweg in ihren Bann ziehen.

Bis in die Nebenrollen perfekt besetzt, ist "Ganz nah bei dir" eine unbedingte Empfehlung. Kein Film, den man einfach anschaut und sich nur wohl fühlt, sondern ein Kinoerlebnis, das auch nach dem Angehen der Lichter noch nachhallt. Und das auch, weil selbst in den traurigsten Momenten immer noch eine leise Hoffnung schimmert.


Filmkritik von Gastautor

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Ganz nah bei Dir

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Steckbrief
Regie
Almut Getto

Darsteller
Andreas Patton, Bastian Trost, Birthe Wolter, Katharina Schüttler, Katja Flint, Stephan Grossmann, Traute Hoess

Genre
Deutscher Film, Drama

Tags
Geld
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Herstellungsland
Deutschland




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