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Gastkritiken zu Hereafter - Das Leben danach




Mittelmaß vom Altmeister

Es hat den Anschein, als wollte sich Clint Eastwood niemals zur Ruhe setzen. Im hohen Alter ist er produktiver denn je und führte bei "Hereafter - Das Leben danach" ein weiteres Mal Regie. Das Drehbuch stammt dabei von Peter Morgan, der bereits das Drehbuch zu "Die Queen" schrieb. Gekonnt wagt sich Eastwood dabei in Gefilde vor, die ihm bisher neu waren. So exzessiv wie in "Hereafter - Das Leben danach" beschäftigte er sich in seiner Karriere noch nie mit dem Tod. Er lässt seine Protagonisten in drei verschiedenen Geschichten an drei verschiedenen Lokalitäten je ihre eigene Erfahrung mit dem Ende des Lebens machen. Gerade der Einstieg ist dabei mitreißend und grandios inszeniert. Als die französische Journalistin Marie (Cecile de France) im Urlaub in Thailand von einem Tsunami erfasst, bewusstlos geschlagen wird und stirbt, hält der Zuschauer seinen Atem an. Sie erlebt das Jenseits dabei in stillen und ruhigen Bildern, bevor sie wieder ins Leben zurückkehrt. Eastwood vermeidet dabei nicht nur in ihrer Todesszene ein allzu religiöses Bild vom Tod zu zeichnen. Auch seine anderen Protagonisten, unter anderem Matt Damon in der Rolle des Fabrikarbeiters George aus San Francisco, erleben dieses einschneidende Ereignis in einer sehr ruhigen Art und Weise.

Es hat den Anschein, als möchte Eastwood die Religion dabei bewusst ausschließen. So lässt er den Tod als weltweit gültiges Ereignis stehen, welches sich nicht vom Glauben der Menschen abhängig macht. Lässt man sich darauf ein und gibt dem Film eine Chance, kann man sich durchaus davon begeistern lassen. Andernfalls kann es aber auch sein, dass einem die sehr bedächtigen und zurückhaltenden Bilder langweilen und man sich fragt, was der Regisseur einem damit wirklich sagen wollte. Denn kritisch betrachtet lässt Eastwood kaum ein Klischee aus, um seine drei Geschichten zu erzählen. Dass Fabrikarbeiter George beispielsweise bereits bei der Berührung mit einem Menschen dessen dunkle Vorgeschichte ahnt, wird für den Zuschauer bald nervig werden und zerstört somit die guten Ansätze der Geschichte. Langsam aber sicher wird klar, dass sich die Geschichten der Protagonisten irgendwann vereinen werden und man darf sich die Frage stellen, inwieweit manche Dinge unabwendbar sind, bzw. inwieweit sie von einem übermächtigen Schicksal gelenkt werden. Die im Alltag vorzufindende Verzweiflung und Frustration seiner Protagonisten spiegelt sich aufgrund einiger Langatmigkeiten jedoch auch bald beim Zuschauer wider. Zwar wird eine gewisse Antwort angestrebt, letztendlich aber dem Zuschauer schuldig geblieben. Das lässt den Streifen im Nachhinein halbgar und unfertig wirken. Schade.
Phantom, 18.06.2011


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