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Fasten auf Italienisch| Kritik 5/10

Kinostart
13.01.2011



Handlung

Dinos Leben scheint perfekt: Traumfrau, Traumjob, alle lieben den lebenslustigen Italiener. Einziger Haken: Er ist gar keiner. Dino Fabrizzi (Kad Merad) heißt in Wirklichkeit Mourad Ben Saoud. Weder sein Chef noch seine Freundin Hélène (Valérie Benguigui) ahnen etwas von seinem Doppelleben. Seiner arabischen Familie in Marseille gaukelt Dino wiederum vor, in Italien Karriere zu machen. Als sein erkrankter Vater ihn bittet, den Ramadan an seiner Stelle zu begehen, beginnt die Fassade zu bröckeln. Denn für Mourad, den Araber, ist Fasten ja kein Problem. Für Dino, den Italiener, aber sehr wohl...


Filmkritik | Fasten auf Italienisch

Ein bisschen wirkt er in diesem Film mit seinem polierten Kahlkopf und dem manirierten Auftreten wie Ben Kingsley in seinen besten Zeiten, nur irgendwie netter. Und wie der Brite mit den indischen Wurzeln hat auch Kad Merad („Willkommen bei den Sch´tis“, „Der kleine Nick“) durch einen Elternteil einen Migrationshintergrund: Der Vater des Schauspielers ist Algerier. Und die haben es mit dem gesellschaftlichen Fortkommen in der französischen Mehrheitsgesellschaft in etwa so schwer wie Türken in Deutschland oder Pakistani in England. Einen solchen Franco-Algerier auf Abwegen spielt nun Kal Merad. Er ist seit ein paar Jahren in Frankreich ein Star und bei uns beim breiten Publikum noch nicht so recht angekomment.

Der Plot könnte Zündstoff für einen hoch ambitionierten Clash-of-Cultures-Film in sich bergen. Daraus wird jedoch beim französischen Regisseur Olivier Baroux („Safari“), der mit „Fasten auf Italienisch“ erst seinen zweiten abendfüllenden Spielfilm vorlegt, jedoch nichts, denn er hat sich für eine Komödie entschieden. Sein brenzliges Thema handhabt der Streifen mit leichter Hand. Das macht vor allem im ersten Teil, wenn der Araber im Italiener-Schafspelz mit Verve die Macho-Karte ausspielt und sich mit bella figura durchs französische Leben schlawinert, ordentlich Spaß. Dass die Geschichte eigentlich arg konstruiert ist, so mancher Witz fade bleibt und man nie so recht erfährt, was für ein Problem das Schlitzohr denn nun eigentlich hat, es macht vorerst gar nichts. Rasant und in sehr windschnittigen Bildern erzählt, drückt der Regisseur von Beginn an mächtig auf die Tube und lässt vor lauter Spaß machen kaum Zeit zum Nachdenken. Eine französische Komödie wie so viele, mit einer gut aufgelegten munteren französisch-arabischen Schauspielerschar um einen leicht überdrehten Hauptdarsteller. Baroux lässt Merad machen, und der macht. Dass die zwei alte Kumpel sind und vor Jahren im Radio und im Fernsehen als Comedy-Duo bekannt wurden, man glaubt es gerne. Über lange Strecken wirkt der Streifen wie abgefilmte Fernseh-Comedy.

Irgendwann schlägt die Stimmung dann um, und der Film will betont politisch korrekt werden. Vor lauter Gutmenschentum und Alles-wird-gut-Mentalität wird aus dem Clash of Cultures ein Kiss of Cultures und am Ende haben sich alle lieb. Immer unglaubwürdiger und klischeehafter werden nun Handlung und Zeichnung der Figuren. Der mit der großen Leinwand unerfahrene Regisseur drückt sich davor, sein Thema bis zum bitteren Ende auszureizen und zur schwarzen Komödie werden zu lassen.  Irgendwann verpufft der wenn auch recht grobe Charme der ersten Filmminuten und wird zur langweiligen und politisch korrekten Sozialklamotte mit Sozialarbeiter-Charme. Hier hätte sich Olivier Baroux ruhig etwas mehr trauen und fieser werden können.

Mit Komödie hat das Rumgeeiere um muslimische, katholische und in Gestalt eines besten Freundes auch jüdische Identitäten dann irgendwann nur noch wenig zu tun. Irgendwie schleicht sich der Verdacht ein, da habe jemand ganz groß die Klappe aufgerissen und am Ende kleinlaut den Schwanz eingezogen. Vielleicht fehlte dem Drehbuch auch einfach nur die dramaturgische Stringenz. Französische Filme der jüngeren Zeit, die das Thema Migranten nicht als Komödie, sondern mit den Mitteln des Melodrams („Welcome“) oder des Thrillers („Ein Prophet“) aufzogen, waren da wesentlich überzeugender. Im deutschen Vergleich schlägt Fatih Akins muntere Migranten-Komödie „Soul Kitchen“ das italienische Fasten auf französische Art um Längen. Vielleicht, weil hier einfach nur gekocht wurde und nicht moralisch mit dem Zeigefinger gewedelt.

Fazit: Eine vor allem im ersten Teil des Films amüsante Clash-of-Cultures-Komödie, die irgendwann den Faden verliert und zum Sozialkundefilm verödet. Ob das beim deutschen Publikum ankommt, bleibt abzuwarten. Auf DVD kann man sich das angucken, die Kinokarte lohnt nur bedingt.


Filmkritik von mkrispien

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Steckbrief
Regie
Olivier Baroux

Darsteller
Farida Ouchani, Kad Merad, Philippe Lefebvre, Roland Giraud, Sid Ahmed Agoumi, Valérie Benguigui

Genre
Komödie
Gastkritiken
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Filmfacts
Herstellungsland
Frankreich

Alternativ- bzw. Originaltitel
L'Italien




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