Fargo - Filmkritik | kulthit.de 
Die Filmkritik Community!

Suche
Start » Filmarchiv » Filmkritik

Fargo| Kritik

Kinostart
1996



Man muß schon über eine gehörige Portion schwarzen Humors verfügen, um die Filme der Gebrüder Coen gebührend würdigen zu können. FARGO verspricht uns im Vorspann, daß wir eine wahre Geschichte erzählt bekommen, wobei es sich aber lediglich um einen Schachzug der Filmemacher handeln dürfte. Ob nun wahr oder nicht, FARGO ist einer der wenigen Filme, die man sich immer wieder ansehen kann und wohl einer der besten Filme der 90er Jahre schlechthin.


Handlung

Der Autohändler Jerry Lundegaard (William H. Macy) hat Geldsorgen, aus denen ihm sein reicher Schwiegervater, dessen Angestellter er ist, nicht herauszuhelfen gedenkt, da er für den Schwiegersohn noch nie etwas übrig hatte. Jerry sinnt also auf eine Möglichkeit, auf anderem Wege an Schwiegerpapas Geld heranzukommen und plant das "perfekte" Verbrechen: Er heuert zwei zwielichtige Gestalten an (Steve Buscemi und Peter Stormare), die seine Frau Jean (Kristin Rudrud) entführen und dafür einen Anteil vom Lösegeld bekommen sollen.


Filmkritik | Fargo

Das ist nicht neu? Wer dieser Ansicht ist, sollte sich unbedingt ansehen, was die Gebrüder Coen daraus gemacht haben. Selbstverständlich geht schon bei der Entführung alles schief, was nur schiefgehen kann, und es gibt gleich zu Beginn des Films drei Tote, die eigentlich nicht geplant waren. Und das rote Blut macht sich auf dem weißen Schnee irgendwie besonders gut... Überhaupt ist die Kulisse, vor der FARGO spielt, etwas ungewöhnlich. Wer kommt schon auf die Idee, mitten im Winter im tief verschneiten Minnesota und North Dakota einen Film zu drehen? Die meiste Zeit sieht man von den Hauptdarstellern nicht allzuviel, da sie den arktischen Temperaturen angepaßte Kleidung tragen.

Die wohl skurrilste Figur in Fargo ist die Polizistin Marge Gunderson (Frances McDormand), die - im 7. Monat schwanger und kurz vor dem Mutterschutz - das Gesetz hütet. Für diese Rolle gab es 1997 einen Oscar. Liebenswert und skurril ist auch ihr Ehegatte Norm (John Carroll Lynch), der treusorgend mitten in der Nacht mit ihr aufsteht, damit sie nicht ohne Frühstück aus dem Haus gehen muß. Daß er die Eier letzendlich selbst essen muß, konnte er nicht unbedingt voraussehen. William H. Macy, der vielen Fernsehzuschauern aus der Serie "E.R." bekannt sein dürfte, ist ebenfalls eine gute Besetzung für den glücklosen Autohändler Jerry Lundegaard. Die Stars des Films - neben Frances McDormand - sind jedoch eindeutig Steve Buscemi und Peter Stormare, die eins der unmöglichsten Gespanne abgeben, die man je auf der Leinwand gesehen hat. Sie ergänzen sich großartig: Buscemi redet die ganze Zeit, Stormare schweigt dazu. Und zwar den ganzen Film über. Er hat kaum einen einzigen vollständigen Satz zu sagen, trotzdem ist er mit seinem psychopathischen Äußeren und seiner Unberechenbarkeit der heimliche Star des Films. Ich war äußerst erstaunt, als ich ihn in Steven Spielbergs VERGESSENE WELT wiedersah, wo er so gar nicht dem Bild entsprach, das er von FARGO her hinterlassen hatte. Spätestens zu dieser Zeit dämmerte mir, daß er wohl JEDE Rolle überzeugend spielen kann und keineswegs - wie viele andere Schauspieler - auf ein bestimmtes Image "festgelegt" ist.

Das Drehbuch selbst strotzt nur so vor skurrilen Einfällen, die jedoch - was den Humor anbelangt - nicht jedermanns Sache sein dürften. Das Erstaunliche an den Filmen der Gebrüder Coen ist im allgemeinen, daß man an den allergräßlichsten Stellen am meisten lacht. Irgendwie schaffen sie es, dem Zuschauer über besonders brutale Stellen mit einer kaum zu glaubenden Situationskomik hinwegzuhelfen. Zu ihrer Entlastung sei gesagt, daß die blutigsten Szenen abrupt enden, bevor das ganze Ausmaß auf der Leinwand sichtbar wird. Eine Ausnahme stellt das Finale von FARGO dar, bei dem Peter Stormare seinen ihm lästig gewordenen Kollegen (wahrscheinlich konnte er dessen ununterbrochenes Geschwätz einfach nicht mehr ertragen :-) ) auf ziemlich ungewöhnliche Art und Weise beseitigt, nämlich indem er ihn durch einen Häcksler jagt, allerdings erst, nachdem er ihn vorher umgebracht hat. Diese Szene ist derart grotesk, daß sie nur komisch wirken kann: Aus dem Häcksler ragt ein Fuß im weißen Socken, hinter dem Häcksler breitet sich ein riesiger Blutfleck im Schnee aus... Ein würdiger Abschluß für einen ungewöhnlichen Film.

Wer die Möglichkeit hat, sollte sich FARGO unbedingt im Original ansehen, da der Dialekt, den die Darsteller sprechen, viel zum Charme des Films beiträgt. Auch wenn die deutsche Synchronisation in diesem Fall nicht die schlechteste ist und die ständigen fassungslosen Ausrufe "Jesses!" sehr zur Erheiterung der Zuschauer beitragen, geht ein Gutteil des Lokalkolorits verloren.

Offen bleibt nur eine einzige Frage: Wie hat Marge Gunderson es geschafft, den Psychopathen Gaear Grimsrud ganz allein in ihr Auto zu verfrachten?! Die Tatsache, daß er angeschossen war, gilt nicht als Begründung.


Filmkritik von Monika Hübner

Sag es weiter



Kommentare

Derzeit sind keine Kommentare vorhanden!

Einen Kommentar schreiben

Bitte beim Kommentieren auf Rechtschreibung und Grammatik achten!

Name
eMail (wird nicht veröffentlicht)
What is 3 + 29 =  
Bitte Sicherheitscode in das rechte Feld eintippen.




Steckbrief
Gastkritiken
Anzeige

Filmfacts
Herstellungsland
USA, Großbritannien

Alternativ- bzw. Originaltitel
Blutiger Schnee

Budget
7 Mio. US-Dollar

Einspielergebnis
60 Mio. US-Dollar (weltweit)



Benutzername

Passwort

Anzeige