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Fair Game| Kritik 6/10

Kinostart
25.11.2010



Handlung

Valerie (Naomi Watts) ist Agentin, seit Jahren erfolgreiche und hochgeschätzte Mitarbeiterin der CIA. Ihr Mann Joseph (Sean Penn) ist Journalist und ebenfalls sehr erfolgreich, auch wenn er nicht immer die Ansichten seiner Frau, vielmehr die ihres Arbeitgebers teilt. Als die USA 2003 in den Irak einmarschieren, arbeitet das Ehepaar zum ersten Mal gemeinsam an einem Undercover-Auftrag, es geht um den Nachweis von Massenvernichtungswaffen, die diesen Krieg rechtfertigen könnten. Doch Saddam Hussein besitzt keine solchen Atomwaffen, den USA droht eine der größten Blamagen ihrer Geschichte. Joe will seinem Gewissen folgen und der Welt erklären, dass hier ein unrechter Krieg geführt wird. Doch damit wird sein eigenes Haus zum Schlachtfeld: Valeries geheime Identität fliegt auf, sie erhalten Drohanrufe; nicht nur ihre Ehe, sondern auch ihr Leben steht unter Beschuss.


Filmkritik | Fair Game

Der Genrefilm rund um die Themen Spionage und Geheimdienst ist seit den Tagen des frühen Hitchcock ein fester Bestandteil des Mainstream-Kinos. Schlapphut-Filme sind meist hanebüchen im Plot und malen gerne in Schwarweiß. Die Fronten im klassischen Agentenfilm sind klar abgesteckt, die Welt bequem in Gut und Böse aufgeteilt. Es wird gehauen und gestochen im Namen von Vater Staat. Am Ende siegt immer die Filmachse des Guten. Und der Geheimdienstmann, auch wenn er so smart geschüttelt und gerührt daher kommt wie James Bond, bleibt letztendlich Beamter. Kaum ein Filmgenre ist so staatstragend wie der Spionagefilm.

Staatstragende Beamte sind auch die Figuren in „Fair Game“, dem jüngsten Werk des auf derlei Filme abonnierten  Regisseurs Doug Liman, der sich mit einschlägigen Arbeiten wie „Mr. & Mrs. Smith“ und „The Bourne Identity“ einen Stammplatz innerhalb des Genre-Kinos sicherte. Nun bewegt sich Liman vom reinen Märchenerzählen weg in die Welt des sehr realen Ränkeschmiedens, mit dem die Bush-Administration den Irak-Krieg hoffähig machte. Das Problem: Irak-Krieg-Filme floppten bislang allesamt. Die Lösung, die Liman anbietet: Man nehme eine reale Geschichte und verklammere sie mit Versatzstücken aus der Fernsehwelt der Nachrichten und Wochenschauen, abgemischt mit einer Prise Herzeleid. Denn manchmal schreibt das Leben doch die besseren Drehbücher: Ein Gamour-Paar, Under-Cover-Spionage, Kinder und Karriere, Intrigen und Verrat, Treue und Liebe zum Vaterland, sowas mögen Amerikaner. Nur: Will das jemand sehen? Hm.

Das Problem wie bei an jedem Biopic: Wir wissen, wie die Geschichte ausgeht, die Spannung hält sich demnach in Grenzen. Also bemüht der Regisseur mehrere Tricks: Er befriedigt zunächst die voyeuristische Gier des Publikums und zeigt, was es nicht kennt und nicht kennen darf. Anschließend strickt er ganz Hollywood-konform einen zweiten Handlungsstrang aus dem Privatleben der Hauptdarsteller. Dass die reale Valerie Plame eine äußerst attraktive Blondine ist und ihr Ex-Botschafter-Gatte bei gemeinsamen Auftritten nicht wie ein typisch amerikanischer Quadratschädel mit Lineal-Scheitel, sondern als langhaariger Intellektueller mit Nickelbrille daher kommt, umso besser für den Erfolg beim nicht-konservativen Publikum. Trick 1 wendet Liman ausgiebig im ersten Teil des Films an: Langatmig, in quälend ereignisarmen Bildern und in mit Geheimdienst-Fachchinesisch gespickten Dialogen wird in die so gar nicht spektakuläre Alltagsarbeit der Geheimdienstler eingeführt. Die wackelige Handkamera soll die Authentizität unterstreichen. Der New Yorker Liman weiß, wovon er spricht: Die Szene kennt er durch seinen Vater, US-Ankläger in der seinerzeit für Schlagzeilen sorgenden Iran-Contra-Affäre unter der Regierung Reagan, in die auch der Bush-Clan verwickelt war.

Leider vergisst Liman bei aller Seriosität das oberste Gebot des Filmemachens: Du sollst dein Publikum nicht langweilen. Spätestens nach dem dritten Schlapphut-Treffen auf irgendeiner Parkbank in irgendeinem Teil der Welt entschlummert der Zuschauer sanft und selig im Kinosessel, zudem genervt von unverständlichem Geheimdienst-Sprech. Den Überblick über die Handlung hat er sowieso längst verloren. Und die allzu sehr auf Sparflamme spielende Naomi Watts („Tall Dark Stranger - Ich sehe den Mann deiner Träume“, „The International“) als Valerie Plame, die sichtlich bemüht ist, keine Spionage-Barbie, sondern die coole Blonde bei der CIA abzuliefern, trägt nicht gerade zur Unterhaltung auf der Leinwand bei (dabei spielt sie, fairerweise gesagt, richtig gut, und eine Barbie war die smarte Australierin sowieso nie). Der immer zum Overacting neigende Sean Penn („Inside Hollywood“, „Milk“) hingegen überzieht und gibt den Botschafter mit den Gewissensqualen wie ein neurotisches Nervenbündel. Als ungleiches Paar wirken Watts/Penn eher komisch als knisternd.

Im zweiten Teil wandelt sich der Film zum Polit-Thriller, und jetzt bewegt sich Liman auf ganz dünnem Eis: Alles, was jetzt noch kommt, die Intrigen um die Wilsons, der Verrat aus Kreisen im Weißen Haus, die Enttarnungen und der offensive Gang des Paares in die Öffentlichkeit, all das ist jedem Amerikaner bestens vertraut und wurde auch bei uns in den Medien breit ausgewalzt. Wozu das noch mal geschauspielert sehen, wenn es real schon so schön spannend war?  Der Griff in die Trickkiste „Familienknatsch“ soll das Publikum bei der Stange halten, dazu serviert Liman politisch korrekte, sehr amerikanischen Sentenzen zu Loyalität und Vaterland. Interessiert aber alles nicht so recht, da wir inzwischen wissen: Mr. und Mrs. Wilson/Plame sind nach all den Krisen wieder ein glücklich vereintes Paar. Und sie hat ein Buch geschrieben, bezieht eine Geheimdienst-Rente. Beamte halt.


Filmkritik von mkrispien

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