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Everybody's Fine| Kritik 4/10

Kinostart
18.03.2010



Handlung

Jedes Jahr zu Weihnachten kommen seine drei erwachsene Kinder für ein paar Tage zu ihm nach Hause. Doch dieses Jahr sagen sie einem nach dem anderen ab und der Witwer Frank Goode (Robert De Niro) muss das Fest der Liebe allein in dem großen Haus verbringen. Doch das läßt er nicht auf sich sitzen und fährt zu jedem seiner drei Kinder hin um herauszufinden, warum sie sich von ihm abschotten. Auf seiner Reise begegnet er eine Menge andere Menschen und dessen Leben und erlebt dabei einige Überraschungen.


Filmkritik | Everybody's Fine

Es gibt ja böse Zungen, die behaupten, Robert De Niro habe seit  "Jackie Brown" 1997 von Quentin Tarantino keinen nennenswerten Film mehr abgeliefert und nur noch fürs Bankkonto gefilmt. Das stimmt teilweise, der frühere Scorsese-Star hat viel Trash gedreht in dieser Zeit, aber der von ihm selber inszenierte Film "Der Gute Hirte" und "Inside Hollywood" waren schon gute, engagierte Projekte. Doch "Everybody´s fine" ist der erste Film seit langem, in dem er sich und seinen Drang zu "Gesichtsgulasch" und manischem Agieren zurück nimmt und leise und feinnervig  Zwischentöne setzt. Er scheint diese Rolle wirklich ernst zu nehmen und verleiht ihr eine anrührende Glaubwürdigkeit. Sehr ähnlich darin Kollege Jack Nicholson, dem in dem thematisch ähnlich angelegten Roadmovie "About Schmidt" eine vergleichbare Selbstdisziplinierung gelang. Ansonsten ist dieses Meisterwerk der schwarzen Komödie von Alexander Payne ("Sideways") um Lichtjahre entfernt von dem seichten Fahrwasser, in dem dieser unsägliche Hollywood-Schmonzes segelt. Regisseur Kirk Jones ("Eine zauberhafte Nanny"), ein Regie-Leiharbeiter aus England, machte einst als Werbefilmer für Absolut Vodka und Heinz Ketchup von sich reden. So ist auch dieser Film: eine langweilig  zusammengebraute Matchsoße, nur im Gegensatz zu Vodka und Ketchup weder mit Rausch-Faktor noch mit Würze.

Warum dieser Film 2009 zu Weihnachten in die US-Kinos kam, ist glasklar: Er sollte das anvisierte Publikum scharenweise in die Kinos locken. Das gelang auch, danach sind solche Filme wie alle dieses Genres (es sind tausende) tot. Warum der Streifen zur lauen Frühlingszeit nun in unsere Kinos kommt, ist schleierhaft: Wer will kurz vor Ostern sehen, wie eine amerikanische Film-Familie um einen Gummi-Truthahn sitzt? Absurd. Daran kann auch die gefühlvolle - manche würden sie kitschig und berechnend nennen - , eigens für den Streifen komponierte Ballade "I want to come home" von Ex-Beatle Paul McCartney nichts ändern. Retten tut den konventionellen, allenfalls mit ein paar netten, schnell wieder vergessenen Mini-Einfällen aufgepeppten Film vor allem die Schauspielkunst von de Niro. Wie der große Star, mit grauem Haar und ebenso grauer Windjacke, mit seinem Rollenkoffer einsam über Bahnhöfe und Bahnsteige zieht, das hat schon was Rührendes, und die  wachsende Verzweiflung über die Unfähigkeit, mit seinen Kindern zu kommunizieren, die nimmt ihm auch der skeptische Zuschauer vollkommen ab. Man ahnt: Auch im Leben von Familienvater deNiro mag im Umgang mit den Kindern nicht alles rund gelaufen sein.

Die Film-Kinder halten sich im Zusammenspiel mit deNiro angenehm zurück und zeigen teilweise Profil.  Seltsam: als Geschwister-Team finden sie in keiner Filmsekunde zusammen, die Chemie zwischen den Dreien scheint nicht gestimmt zu haben. Am schlechtesten schneidet dabei Kate Beckinsale ("Nichts als die Wahrheit", "Underworld: Aufstand der Lykaner") ab, die gelangweilt scheint und außer gebleachter Zähne wenig vorzuweisen hat. Drew Barrymore ("Glück im Spiel", "Er steht einfach nicht auf Dich!") zeigt vor allem in den leisen Szenen mit "Dad" de Niro mehr schauspielerischen Einsatz, muss sich allerdings fragen lassen, warum sie mit ü30 immer noch auf ihr Kleinmädchen-Marzipanlächeln setzt. Hat sie eigentlich nicht nötig. Die Überraschung des Films ist jedoch Sam Rockwell ("Per Anhalter durch die Galaxis", "Frost/Nixon"), der der Figur des Sohnes Robert als ernsthaftem und begabtem, aber verhemmtem und selbstunsicherem Musiker ein eindringlich-leises Profil zu geben vermag. Die Szenen mit ihm als Sohn und de Niro als Vater gehören zu den wahrhaftigsten des ganzen Films. Zwei echte Könner in einem überflüssigen, streckenweise unterirdisch schlechtem Film.


Filmkritik von mkrispien

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Bilder / Fotos

Everybody's Fine

© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

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