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Erbsen auf halb 6| Kritik

Kinostart
2004



Handlung

Der Theaterregisseur Jakob Magnusson (Hilmir Snær Gudnason) ist nach einem Autounfall blind und steht vor dem Trümmerhaufen seines Lebens. Nichts scheint mehr einen Sinn zu haben, er verweigert jede Hilfe, gibt seiner Freundin den Laufpass (da sie es seiner Meinung nach nie über sich brächte, sich von einem Blinden zu trennen) und versucht, sich umzubringen. Doch nicht mal das scheint er allein fertig zu bringen. Dann erfährt er, dass seine Mutter, die wieder in Weißrussland wohnt, woher die Familie ursprünglich kommt, im Sterben liegt. Er macht sich auf den Weg zu ihr - allein, wie er meint -, doch die ebenfalls blinde Lilly (Fritzi Haberlandt) vom Rehabilitationszentrum für Blinde folgt ihm, und auf der Reise lernt Jakob nicht nur, dass es keine Schande ist, die Hilfe eines anderen zu akzeptieren, sondern er entdeckt das Leben aus einer völlig anderen Perspektive neu.


Filmkritik | Erbsen auf halb 6

Auch wenn die Prämisse von Erbsen auf halb 6 irgendwie nach Schema F klingt - Erblindeter entdeckt in der Liebe einen neuen Sinn für sein verpfuschtes Leben -, handelt es sich dabei um einen sehenswerten Film, der sich genau wie Good Bye, Lenin! erfrischend von den "üblichen" deutschen Komödien abhebt. Man muss Jakob nicht unbedingt mögen, um Erbsen auf halb 6 zu genießen, um die Wahrheit zu sagen, ging er mir erst einmal ziemlich auf die Nerven. Im Endeffekt helfen er und Lilly sich jedoch gegenseitig, denn auch wenn man zunächst den Eindruck gewinnt, dass sie mit beiden Beinen fest im Leben steht und durchaus in der Lage ist, allein zurechtzukommen, wird nach und nach klar, dass sie Mühe hat, sich aus der erdrückenden Fürsorglichkeit ihrer Mutter Regine (Tina Engel) zu befreien, der vor allem daran zu liegen scheint, dass Lilly eine "gute Partie" macht, und das ist Jakob in ihren Augen keinesfalls, da er ebenfalls blind ist und ihrer Tochter somit nichts bieten kann. Auch für Regine ist die Reise nach Russland gut, denn sie lernt dabei, endlich loszulassen.

Während Mutter und Tochter durch halb Europa hetzen, ergreift daheim Lillys kleine, frühreife Schwester Alex (Alice Dwyer) die Gelegenheit beim Schopf und beschließt, zur Frau zu werden, wogegen Regine letztendlich ebenfalls machtlos ist. Diesen Handlungsstrang hätte man sicher völlig aus dem Film herausschneiden können, was ich allerdings schade gefunden hätte, da diese Szenen den durchaus ernsten Grundton aufgelockert haben.

Die optische Gestaltung von Erbsen auf halb 6 ist auf jeden Fall ein Grund, sich den Film im Kino anzuschauen. Wasser spielt dabei eine wichtige Rolle und stimmt den Zuschauer zu Beginn auf die Ereignisse ein. Wenn diese Art Film einen neuen Trend im deutschen Kino darstellen sollte, dann hätte ich gerne mehr davon.


Filmkritik von Monika Hübner

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