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Ein Sommer in New York| Kritik 7/10

Kinostart
14.01.2010



Handlung

Walter Vale (Richard Jenkins), einst brillanter Wirtschaftsprofessor lässt sich nach dem Tod seiner Frau ziellos durchs Leben treiben. Für einen Vortrag muss er nach New York und trifft dort in seiner alten Wohnung ein junges, afrikanisches Pärchen. Tarek (Haaz Sleiman) und Zainab (Dania Gurira) sind Opfer eines Immobilienbetrugs geworden, sie haben keinen anderen Ort zum Wohnen. Walter gestattet ihnen zu bleiben. Zwischen ihm und Tarek entwickelt sich eine Freundschaft, der junge Syrer bringt dem alten Professor das Trommeln bei. Die wilden Rhythmen erwecken Walters verloren gegangene Lebensfreude. Doch bei einer Fahrkartenkontrolle fliegt auf, dass Tarek illegal in den USA ist und er wird verhaftet. Ihm droht die Abschiebung. Zusammen mit Tareks verwitweter Mutter Mouna (Hiam Abbas) kämpft Walter für die Freilassung seines neuen Freundes...


Filmkritik | Ein Sommer in New York

Was den Filmfreund, der ein bisschen Englisch kann, gelegentlich vor Verzweiflung in den Kinosessel beißen lässt, sind die Eindeutschungen der Original-Titel. Was sich die Verleihfirma allerdings dabei gedacht hat, Thomas McCarthys leisem Film "The Visitor" (Der Besucher) den belanglosen Titel "Ein Sommer in New York" zu verpassen, ist kaum nachvollziehbar. New York, so vermutlich die Überlegung, kommt immer gut, egal, ob es bereits Heerscharen von Filmen mit der Stadt, die niemals schläft, im Titel gibt und Verwirrung gestiftet wird durch den zeitgleich erscheinenden Film  "New York, I love you". So könnte es sein, dass eine kleine Perle des Independent-Films wegen dieses dummen Titels übersehen wird. Regisseur Thomas McCarthy zeigte sich in Interviews mit deutschen Medien befremdet über diese Praxis deutscher Verleiher, gegen die er machtlos ist.

In den USA erschien der Film bereits 2007, bei uns mit Verzögerung 2010, immerhin. Dass er überhaupt einen deutschen Verleih gefunden hat, ist erstaunlich genug. Denn der Film erzählt eine Geschichte, die man in diesen Tagen nicht gerne hört: Eine Geschichte über Toleranz gegenüber dem Fremden und den Mut, auch einen muslimischen und zudem illegalen Immigranten aus Syrien erst einmal als Menschen und nicht als potentiellen Terroristen zu sehen. Ihm Vertrauen und Gastfreundschaft zu schenken und sogar von ihm zu lernen, und sei es nur eine afrikanische Trommel-Technik. Dass ausgerechnet in der Stadt des 11. Septembers ein einsamer Uni-Professor (beeindruckend gut: Richard Jenkins, bekannt als Bestatter aus der Fernsehserie "Six Feet Under") dem Araber Tarek (engagiert: Haaz Sleiman) und dessen aus dem Senegal stammenden schwarzen Freundin Zainab (etwas zu komödiantisch: Danai Gurira) Obdach in seinem Apartment in Manhattan gewährt und zum Trommler für die Menschlichkeit wird, bleibt ein bisschen sehr konstruiert und kratzt allenfalls an der Oberfläche.

Gutmensch Walter Vale bleibt allzu gut und Musik überwindet allzu schnell die Schranken von Vorurteil und Konvention. Die sich zart anbahnende Liebesgeschichte mit Tareks Mutter Mouna (charmant und schön: Hiam Abbass, bekannt aus "The Limits of Control" ist dann bei aller Liebe zum Märchen erzählen im Kino zu schön, um wahr zu sein und an der Grenze zum politisch korrekten Edel-Kitsch. Erzählt wird diese engagierte, arg symbolbeladene und ein wenig eingleisige Geschichte sehr konventionell und in ruhigen Bildern vor der Kulisse des sommerlichen und herbstlichen New York. Der dort lebende Regisseur McCarthy, der sein Brot bislang als Seriendarsteller ("Law & Order", "Ally McBeal") und  Nebendarsteller in Hollywood-Filmen verdiente, zuletzt in "2012" unter Roland Emmerich, hatte schon mit seinem Erstling "The Station Agent" aufhorchen lassen. Mit seinem letzten, schon recht hollywoodesk daher kommenden Independent-Film empfiehlt er sich für höhere kalifornische Weihen. Für Richard Jenkins gab es 2009 zu Recht eine Oscar-Nominierung.


Filmkritik von mkrispien

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Bilder / Fotos

Ein Sommer in New York

© Pandastorm Pictures

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Steckbrief
Regie
Thomas McCarthy

Darsteller
Ashley Springer, Danai Gurira, Haaz Sleiman, Hiam Abbass, Maggie Moore, Ramon Fernandez, Richard Jenkins, Thomas McCarthy

Genre
Drama, Komödie

Tags
Einwanderung, Musik, New York
Gastkritiken
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Filmfacts
Herstellungsland
USA

Alternativ- bzw. Originaltitel
The Visitor




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