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Ein Mann, ein Mord| Kritik

Kinostart
1997



Handlung

Der sympathische, etwas verdrehte Martin Blank (John Cusack) hat einen ausgefallenen Job. Sein nettes, adrettes Büro nebst Sekretärin entpuppt sich nämlich alsbald als gut gehende Killeragentur. Aber obwohl die Zeiten für Berufskiller rosig sind, hat Martin Probleme. Allerdings eher Probleme persönlicher Natur, zu deren Lösung er regelmäßig einen Psychiater aufsucht. Diese Sitzungen auf der Couch finden ein jähes Ende, als er zu seinem Entsetzen erfahren muss, dass all die Bücher seines Therapeuten, die ihn so schwer beeindruckt haben, von einem Ghostwriter geschrieben wurden. Die letzte Amtshandlung des Psychoterroristen, der selbst nicht ganz im reinen mit sich ist, besteht darin, Martin dazu zu überreden, zum zehnjährigen High School-Jubiläum nach Grosse Pointe, Michigan, zu fahren. Damit kann er zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, denn ausgerechnet dorthin führt ihn auch sein neuester Auftrag. Nein, eigentlich sind es drei Fliegen, denn der Besuch in seiner alten Heimat gibt Martin auch die Gelegenheit, mit seiner alten Liebe Debi (Minnie Driver) zusammenzutreffen, die er einstmals ohne ein Abschiedswort bei Nacht und Nebel sitzen gelassen hat. Leider laufen die Dinge nicht ganz so wie geplant, da die Killerkonkurrenz den Auftrag hat, Martin zu beseitigen. In dem kleinen, verschlafenen Städtchen fliegen an diesem Wochenende bald die Fetzen und die blauen Bohnen.


Filmkritik | Ein Mann, ein Mord

John Cusack, der mit seiner blassen Rolle im diesjährigen Sommerblockbuster "Con Air" ganz offensichtlich unterfordert war, zeigt hier den Zuschauern, wozu er eigentlich in der Lage ist. Man hat keine Probleme, ihm den etwas verqueren Killer abzunehmen, der sich immer wieder damit entschuldigt, dass alle Leute, die er umbringt, schließlich Dreck am Stecken hätten. Seine Killermethoden sind so ausgefallen wie seine sonstige Persönlichkeit, man hat schließlich noch anderes auf Lager als ein Repetiergewehr mit Zielfernrohr. Der Präsident von Paraguay wurde z.B. sehr phantasievoll mit einer Gabel ins Jenseits befördert. Kreativität ist oberstes Gebot, nur so kann man gut leben von einem Job, für den man noch nicht einmal einen Universitätsabschluss braucht, geschweige denn einen Doktortitel.

Das Drehbuch von Tom Jankewicz u.a. verleiht dem Film "Ein Mann - ein Mord", der zu einem reinen Ballerepos hätte ausarten können, eine kräftige Prise schwarzen Humor und entschärft auf diese Weise ein wenig die brutaleren Szenen. Es gelingt zwar nicht so meisterhaft wie bei den Filmen der Coen-Brüder, deren Niveau auf diesem Gebiet nur schwer zu erreichen ist, aber die Dialoge und die Situationskomik sorgen dafür, dass man nicht allzu sehr darüber nachdenkt, dass eigentlich am laufenden Band Leute umgebracht werden. Als Beispiel hierfür mag z.B. die Szene dienen, in der Martin während des Jubiläumsballs auf dem Flur der High School einen der Killer beseitigen muss, die man auf ihn angesetzt hat. Die Leiche verpackt er mit einem Freund sorgsam in die überall aufgehängten Transparente (bietet sich ja an) und verfeuert sie der Einfachheit halber gleich in der zentralen Heizanlage der Schule. Der aufmerksame Zuschauer fragt sich danach jedoch, wo der große Blutfleck auf dem Gang geblieben ist und warum die Aktion keine sonstigen Blutspuren hinterlassen hat. Das wäre den Coen-Brüdern mit Sicherheit nicht passiert.

Nicht so gut gelungen sind auch - wieder einmal - die Frauenrollen. Sie bleiben wie üblich blass und klischeehaft und treten nur als Sekretärinnen (Joan Cusack) bzw. als abgelegte Flamme (Minnie Driver) in Erscheinung. Wobei man aus der Rolle der Debi einiges hätte machen können, die Ansätze dazu waren jedenfalls vorhanden. Debi, die als Radiosprecherin eine Livesendung mit Höreranrufen moderiert, scheut sich nicht, ihren nach zehn Jahren plötzlich aus dem Nichts aufgetauchten Ex-Lover öffentlich bloßzustellen, indem sie die Meinung ihrer Hörerschaft dazu einholt, ob es sich lohnen würde, ihm noch eine Chance zu geben. Der entsetzte Martin sitzt dabei und traut seinen Ohren nicht, was er da an Vorschlägen zu seiner Bestrafung hören muss. Leider ist der Rest von Minnie Drivers Rolle reine Routine und nicht der Erwähnung wert.

Ein Highlight im Film ist Dan Ackroyd als Berufskiller Grocer, der den Auftrag hat, Martin in die ewigen Jagdgründe zu befördern. Die Dialoge zwischen ihm und Martin bieten einiges für Liebhaber von skurrilem Humor, die jeweilige Situationskomik tut das ihrige dazu.

"Ein Mann - ein Mord" ist zwar kein Meisterwerk, dazu gibt es zu viele lose Handlungsfäden, die nicht verknüpft werden, außerdem diverse Längen im Film, wo eigentlich nichts Wesentliches passiert, aber man kann ihn denjenigen durchaus empfehlen, die als Abwechslung zu den Sommerblockbustern einen dialogreichen Film sehen möchten. Vorausgesetzt, sie haben Sinn für den teilweise (raben)schwarzen Humor, der mir persönlich an diesem Film am besten gefallen hat.


Filmkritik von Monika Hübner

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Alternativ- bzw. Originaltitel
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