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Effi Briest| Kritik 8/10

Kinostart
12.02.2009



Handlung

Die vielleicht bekannteste Schullektüre, Theodor Fontanes Roman "Effi Briest", wird zum dritten mal verfilmt, und soll 2008 in die Kinos kommen. Die Produktionsfirma Constantin Film nimmt sich dem Projekt an. Regie führt Hermine Huntgeburth ("Die weiße Massai"). Die Hauptrollen werden von Julia Jentsch (Effi Briest) und Sebastian Koch (Baron Geert von Instetten) übernommen.

Zur Handlung: In Preußen, Ende des 19. Jahrhunderts, wird die erst 17. Jahre junge Effi von ihren Eltern dazu gezwungen, den viel älteren aber angesehenen Baron von Instetten zu heiraten. Keine glückliche Beziehung, in deren Folge Effi eine Affäre mit dem charmanten Major Crampas (Misel Maticevic) beginnt. Jahre später erfährt der Baron von der Affäre seiner Ehefrau und tötet ihren Liebhaber in einem Duell. Effi wird verstoßen, trotz des gemeinsamen Kindes mit dem Baron...

Die letzte Verfilmung von Werner Fassbinder liegt bereits über 30 Jahre zurück.


Filmkritik | Effi Briest

Die Erzählweise dieses durchaus nicht nur misslungenen Films lässt gewisse gestalterische Linien erkennen, die durch einige inhaltlichen Verschiebungen vom Roman zum Film zu erklären sind. Im Roman kann man wichtige Begebenheiten und die damit verbundenen Gemütsregungen der Protagonisten oft nur aus Texten (Briefe und Tagebucheintragungen) oder durch nachträgliche mündliche Berichte erfahren. Hier musste die Regisseurin selbstverständlich einen anderen Weg finden. Hermine Huntgeburth hat es zu leisten versucht, das komplexe Thema des Romans in die Filmsprache zu überführen. Und hierbei sind ihr interessante Aspekte gelungen.

Im Buch belässt es der alleswissende Erzähler Fontane vielfach bei Andeutungen, die eine komplexe Bewertung herausfordern. Der Film Effi Briest hingegen stellt das ablaufende Geschehen direkter dar, so auch in den filmwirksam gestalteten Liebesepisoden eine spannende Erotik sehr zeitgemäßen Weise vermittelt wird, was Fontane sicherlich nicht an der Zensur vorbei gebracht hätte. Der Film zeigt die Leidenschaften der Protagonisten direkt und unmittelbar und es ist ein Genuss, Julia Jentsch und Mišel Mati in Aktion zu erleben. Generell kommen hier die körperlichen Aspekte beim Erleben der Protagonisten stärker zur Geltung, womit es Huntgeburth gelingt, die Figuren zeitgemäßer zu erfahren und tiefer in die Identifikation mit Ihnen einzutauchen.

Der Film Effi Briest strafft die Handlung und führt auch im Detail neue und verdichtende Szenen an Orten ein, die nicht im Roman vorkommen. Hierzu gehören die Begegnungen mit Geert von Innstetten bei dem Fest am Anfang des Films oder Effis pikanter Salto beim Ritt mit dem Verehrer Crampas, der auch dessen voyeurhafte Haltung auf den Zuschauer überträgt. Hier sind also Huntgeburth Adaptionen gelungen, die das Thema des Films in eine zeitgemäße Form überführen.

Ein sehr schönes Beispiel für diese Sichtweise: Ein sehr wichtiger Schauplatz ist das Holzhaus auf den Dünen, wo Effi sich gerne mit ihrem Liebhaber trifft; hier schwelgt der Film in Formen und Farben, um die Aussicht aus dem Raum zum Symbol für Zärtlichkeit werden zu lassen.

Die deutlichste Änderung erfährt der Film zum Schluss, und hier trifft Huntgeburth eine Entscheidung, die man als Kritiker dann noch nicht mehr mittragen kann. Der Film führt das Geschehen aus der inneren Spannung der Protagonisten heraus und bietet dem Zuschauer ein Happy End an. Während Effi im Roman dahinsiecht und schließlich auch stirbt, bleibt sie im Film putzmunter am Leben und verschärft sogar den Bruch zwischen sich und ihren Eltern. Der Film macht also damit genau dasselbe, was eine klassische Arbeitsaufgabe in einem schlechten Deutschunterricht ist: Die Schüler sollen sich ein schöneres Ende ausdenken.


Filmkritik von Gastautor

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Bilder / Fotos

Effi Briest

© Constantin Film Verleih GmbH

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