Handlung

Eine zufällige Begegnung im Londoner Kriegs-Alltag 1944: Die junge Vera Phillips (Keira Knightley) trifft in einer Bar ihre Jugendliebe Dylan Thomas (Matthew Rhys) wieder. Auf den ersten Blick scheinen sie sich erneut zu verlieben, doch Dylan, ein charismatischer Dichter und Bohemian, ist mittlerweile mit der extravaganten und abenteuerlustigen Caitlin (Sienna Miller) verheiratet. Als das Ehepaar aus Wohnungsnot mit Vera zusammenzieht, entspinnt sich eine spannungsgeladene Ménage à Trois, bei der die beiden Frauen ihre tiefe Seelenverwandschaft entdecken. Caitlin und Vera werden zu Freundinnen zwischen Verlangen und Vertrauen. Auch Veras zögerliche Heirat mit dem jungen Offizier William Killick (Cillian Murphy) bringt keine Klärung der Verhältnisse. Schon kurz nach der Hochzeit wird William in den Krieg einberufen und Vera zieht mit Dylan und Caitlin aufs Land. Doch zu stark scheint die Anziehung zwischen Vera und Dylan, zu intensiv ihre Erinnerungen an die gemeinsame Vergangenheit. Aus dem Krieg kehrt William eifersüchtig und voller Zweifel über Veras Treue zurück. Die Spannung zwischen den beiden Paaren eskaliert. Es kommt zum Showdown und Vera muss sich entscheiden – zwischen den Männern in ihrem Leben und der Freundin, die sie liebt.
Filmkritik | Edge of Love - Was von der Liebe bleibt
Dass der große Liebesfilm unter den Kinoproduktionen unserer Zeit ein gewisses Nischendasein fristet, mag von Filmfreunden mit Hang zu Gefühl und Romantik zurecht bedauert werden, allerdings zeigt das aktuelle Beispiel sehr deutlich, wo die Schwierigkeit liegen kann, wenn einem solchen Versuch schlicht die Glaubwürdigkeit fehlt. „Edge of Love – Was von der Liebe bleibt“ leidet hierbei gleich unter mehreren, erheblichen Schwächen und ohne das interessante Setting, das sich rund um eine wahrhaft schillernde Figur der Literaturgeschichte entspinnt, wäre dieser Film wohl vollkommen in der Versenkung verschwunden. Eines der größten Mankos ist hier das fast vollständige Fehlen einer echten Geschichte, was es dem Zuschauer erheblich erschwert, Position zu beziehen und sich im Geschehen dieser teils wirren Ménage à trois für eine der Hauptpersonen zu entscheiden.
Keine Frage: Die Ausstattung ist wunderbar gelungen und es werden absolut große Bilder produziert, aber das hilft „Edge of Love – Was von der Liebe bleibt“ nicht auf dem Weg zum großen Film, denn dazu mangelt es der gesamten Produktion eindeutig an Struktur. Aneinandergereihte Versatzstücke ersetzen hier einen Handlungsfluss und das Ensemble ist zu keiner Zeit dazu in der Lage, die Armut der Handlung zur Präsentation des eigenen Könnens zu nutzen. Es mag ja nett sein, dass Keira Knightley jetzt auch den Gesang für sich entdeckt hat, allerdings profitiert „Edge of Love – Was von der Liebe bleibt“ davon nicht im Geringsten. Schlimmer als Knightleys weitestgehend blutleere Versuche, ihre Rolle mit glaubhaftem Gefühl zu füllen, ist jedoch die Darbietung von Matthew Rhys. Mit dem Wissen, dass Thomas zu seinen Lebzeiten ein Liebling der Frauen war, ist das Gehabe von Rhys noch schwerer zu begreifen, der aus dem Dichter einfach nur einen arroganten Ekel macht und sich standhaft zu weigern scheint, seiner Figur die dringend notwendigen Konturen zu geben. Das jedoch ist wohl weniger dem großen Dylan Thomas anzulasten, als vielmehr der offenkundigen Uninspiriertheit des männlichen Hauptdarstellers.
Letztlich wäre es aber nicht fair, das Scheitern des Films zu stark auf die wahrlich nicht optimale Besetzung zu schieben, denn die noch bedeutenderen Schnitzer betreffen die dramaturgischen Fähigkeiten von John Maybury, der es zu keiner Zeit schafft, die von ihm inszenierten Momente sinnvoll auszukleiden. Dazu gesellt sich ein Drehbuch, das sich vor keinem Klischee scheut. Trotz der hervorragenden Ausstattung und der interessanten Idee, stürzt „Edge of Love – Was von der Liebe bleibt“ teilweise auf das inhaltliche Niveau einer Telenovela und kommt dabei einem cineastischen Totalausfall oft genug bedrohlich nah.
Filmkritik von Gastautor