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Easy Virtue - Eine unmoralische Ehefrau| Kritik 5/10

Kinostart
24.06.2010



Handlung

Der junge Engländer John Whittaker (Ben Barnes) verliebt sich mit Haut und Haaren in die glamouröse Amerikanerin Larita (Jessica Biel). Die beiden heiraten unverzüglich, doch als das junge Paar in Johns Familiensitz zurückkehrt, reagiert dessen Mutter (Kristin Scott Thomas) allergisch auf die neue Schwiegertochter. Larita bemüht sich zwar nach Kräften, sich in die Familie einzufügen, aber kann das Minenfeld, das ihre Schwiegermutter für sie auslegt, nicht umgehen. Larita wird schnell klar, dass Mrs. Whittaker ein perfides Spiel mit ihr treibt, und dass sie sich wehren muss, wenn sie John nicht verlieren will. Nach einem geistigen Wettstreit fliegen bald die Funken zwischen den beiden Frauen. Mrs. Whittaker nutzt fortan jede Gelegenheit, um Larita bloßzustellen – während die auf frustrierende Weise die Ruhe bewahrt und einen frechen Gegenschlag plant. Es dauert nicht lang, und Mrs. Whittakers Manipulationen zeigen ihre Wirkung bei John. Larita fürchtet, dass ihre Liebe ihr immer mehr entgleitet. Als am Ende auch noch ein großes Geheimnis aus ihrer Vergangenheit enthüllt wird, holt Larita endlich aus zu einem Befreiungsschlag und verlässt das Haus, in dem sie nicht mehr atmen konnte.


Filmkritik | Easy Virtue - Eine unmoralische Ehefrau

Das filmische Eintauchen in die Welt der "goldenen" 1920er und frühen 1930er Jahre scheint im klassischen Erzähl-Kino derzeit wieder in Mode zu sein. Toughe Amerikanerinnen aus gutem Hause, die als sogenannte "Flapper" mit Zigarette im Mundwinkel, Drink in der Hand, kessen Sprüchen, Hosenanzug und männlichen Hobbys die Emanzipation einläuteten, prägten das Frauenbild jener Jahre. Die junge Joan Crawford und auch Marlene Dietrich stehen für diesen Typ. Als verbissene  Pilotin Amelia Earhart (Hilary Swank) in "Amelia" oder als Rennauto fahrendes Partygirl Larita (Jessica Biel) in "Easy Virtue" begegnen wir ihnen wieder. Vor allem junge Frauen sollen sich mit ihnen identifizieren. Jüngere weibliche Hollywoodstars mit einer leicht boyhaften Ausstrahlung, die auch bei weiblichen Zuschauern gut ankommen, übernehmen derzeit gerne solche Rollen. Jessica Biel zumindest hat sich damit einen Gefallen getan.

Die Amerikanerin, die mit der Familien-Dauerserie "Eine himmlische Familie" bekannt wurde, hat bislang ausschließlich belanglose Konfektionsware gedreht ("Powder Blue", "Valentinstag", "Das A-Team, Der Film"). Die Schauspielerin mit dem aparten Gesicht und den Model-Maßen tauchte vor allem in den Klatschspalten von Teenie-Magazinen auf. Das seriöse Charakterfach hätte man der mal blond, mal brünett auftretenden Bikini-Schönheit am wenigsten zugetraut. Vielleicht mit ein Grund für das mangelnde Interesse an dem in den USA und Großbritannien gefloppten Film und für die Tatsache, dass man "Easy Virtue" erst nach zwei Jahren pünktlich zum Sommerloch-Stopfen in die deutschen Kinos schickte. Doch Biel macht ihre Sache erstaunlich gut.

Dass die Schauspielerin von der Statur und vom Typus her hervorragend in die Klamotten und das Setting der Goldenen Zwanziger passt und in der Tat entzückend aussieht, geschenkt. Doch sie meistert die Anforderung mit Charme, zeigt Fingerspitzengefühl für gebrochene Zwischentöne und nimmt sich vor allem gegenüber der grausam ihre Klischeerolle als fieses Schwiegermonster überziehenden Kristin Scott Thomas ("Die Schwester der Königin", "Shopaholic - Die Schnäppchenjägerin") angenehm zurück. Biel empfiehlt sich hiermit für interessantere Projekte als bisher. Ansonsten ist der Streifen ein federleichtes Schaumgebäck mit Ringen um Tiefgang, wo keiner ist, arg überdrehten Schnitt- und Kameraspielchen, vielen Slapstick-Einlagen, Musik und Tanz und zu viel pseudobritischem "Humor" mit dem Holzhammer. Dass der ganze lange und von zu vielen klugen Sprüchen, Gag-Einfällen und funkelnden Bonmots überfrachtete Film ausschließlich auf einem englischen Familien-Landgut spielt, macht ihn nicht unbedingt spannender. Und der in jeder Beziehung blasse Ben Barnes ("Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia", "Das Bildnis des Dorian Gray") als Gatte und Muttersöhnchen sowie der etwas verschlurft daher kommende Colin Firth ("A Single Man", "Das Bildnis des Dorian Gray") als melancholisch-zynischer Schwiegervater und Kriegsveteran sind ihr nicht wirklich eine Hilfe. Zu einem Team finden die Kollegen nur mit Mühe.

Der australische Regisseur des Streifens, Stephan Elliott, der mit seinem schrägen Queer-Roadmovie "Priscilla – Königin der Wüste" 1994 einen beachtlichen Erfolg bishin zu Oscar-Nominierung und Publikumspreis in Cannes gelandet hatte und danach flop- und krankheitsbedingt in der Versenkung verschwunden war, hat sich bei Stoff, Dramaturgie und Casting (außer bei Jessica Biel) gründlich verhoben und die Chance auf ein Comeback durch Übereifer zunächst einmal vertan. Dass die vor Sprachwitz funkelnden, im Kern jedoch seichten Gesellschaftskomödien von Noel Coward, auf dessen 1924 verfasstem Theaterstück "Easy Virtue" basiert, nur bedingt als Drehbuchvorlage taugen, musste bereits Altmeister Alfred Hitchcock schmerzhaft erfahren: Der landete 1928 mit einer Stummfilm-Version der Vorlage einen frühen, zu recht vergessenen Flop. Ein amüsanter Zeitvertreib ist das Nachfolge-Werk von 2008 dennoch: Vor allem wegen der Sache mit der Tanzeinlage (Stichwort: Cancan ohne Unterhöschen...).


Filmkritik von mkrispien

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Bilder / Fotos

Easy Virtue

© Sony Pictures Releasing GmbH

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Steckbrief
Regie
Stephan Elliott

Darsteller
Ben Barnes, Charlotte Riley, Christian Brassington, Colin Firth, Jessica Biel, Katherine Parkinson, Kimberley Nixon, Kris Marshall, Kristin Scott Thomas

Genre
Komödie, Romantik
Gastkritiken
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Filmfacts
Herstellungsland
Großbritannien, Kanada




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