Durst - Filmkritik | kulthit.de 
Die Filmkritik Community!

Suche
Start » Filmarchiv » Filmkritik

Durst| Kritik 7/10

Kinostart
15.10.2009



Handlung

Sang-hyun, ein katholischer Priester in Südkorea, der vorbildlich sein geistliches Amt verrichtet und helfen will, Menschenleben zu retten, meldet sich freiwillig als Testperson für ein Forschungsprojekt in Afrika, zur Impfstoffentwicklung gegen ein tödliches Virus. Aber das Experiment misslingt: Er wird mit dem Virus infiziert und stirbt, während er im OP eine Infusion mit Blut unbekannter Herkunft erhält. Plötzlich erwacht er wie durch ein Wunder wieder zum Leben. Doch die Bluttransfusion hat ihn in einen Vampir verwandelt. Sang-hyun gerät nun in einen schweren Gewissenskonflikt zwischen der Gier nach Blut und seinem christlichen Glauben, der ihm verbietet zu töten. Aber wenn er nicht überleben kann, ohne menschliches Blut zu trinken, wie kann er es bekommen, ohne töten zu müssen?

Als Sang-hyun nach Korea zurückkehrt, trifft er einen ehemaligen Freund aus Kindertagen wieder, Kang-woo, und dessen junge Frau Tae-ju. Tae-jus erotische Anziehungskraft erweckt Sehnsüchte in Sang-hyun, die der Zölibatär zuvor fest unter Kontrolle hatte. Auch Tae-ju fühlt sich sexuell zu Sang-hyun hingezogen und entwickelt Wünsche, die vorher von ihrem kindischen, schlappschwänzigen Gatten und ihrer autoritären Schwiegermutter unterdrückt wurden. Sang-hyun verliebt sich in Tae-ju, so sehr, dass er alles aufgibt, woran er früher fest geglaubt hat. Schließlich streift er seine Priesterrobe ab und tritt in ihre Welt ein, lechzend nach all den sinnlichen Vergnügungen, die sie bietet.


Filmkritik | Durst

Diese Streifen zählt zu den eher ruhigeren Vampirfilmen. Es gibt keine nennenswerten Actionszenen. Dennoch kommt keine Langeweile auf, denn "Durst", im Originaltitel "Bakjwi", überzeugt durch Horror, Humor und sehr aussergewöhnliche  Charaktere.

Neben dem Hintergrund einer Vampirgeschichte ist dieser Film vor allem ein Beziehungsdrama. Wenn sich das Versprechen zweier Liebenden auf ewiges Leben auf so skurrile Art erfüllt, scheinen Mord und Totschlag ganz selbstverständlich. "Durst" ist auf eine sehr brutale Art poetisch. Die eigentlich ziemlich ernste Handlung bietet dennoch genügend Lacher auf Seiten des Publikums. Dabei wird die Story dennoch nicht ins Lächerliche gezogen, denn die humoristischen Szenen sind nicht so plump, dass sie den Effekt der eigentlichen Handlung sabotieren würde. Es wurde das richtige Maß zwischen Ernsthaftigkeit und Humor gefunden. Meist entstehen die humoristischen Szenen durch de überspitzte Darstellung durch Regisseur Chan-wook Park.

Die Bilder in diesem Film sind sehr spannend gestaltet, wie man es von koreanischen Streifen bereits gewöhnt ist. Beispielhafteste Szene ist wohl die Umwandlung einer normalen Wohnumgebung in eine vollkommend weiße Wohnung nach einer Vampirtransformation. Dabei dient ein Schrank als Ersatz für den Sarg. Untermauert werden die Bilder durch eine wunderschöne Musik. Der Regisseur Park Chan-wook hat mit seinem Film "Durst" ein wahres Kunstwerk erschaffen.

Bereits mit Filmen wie "Oldboy" oder "I'm a Cyborg, But that's ok" hat er nicht nur die Zuschauer in den Kinos seines Heimatlandes begeistert. Der in Cannes präsentierte Film wurde von der Jury mit einem Preis prämiert. Dabei hat er nichts mit genreähnlichen Verfilmungen wie "Blade", "Buffy" oder "Twilight" gemein. Hinter diesem Streifen steckt mehr als ein weiterer klischeehafter Vampirfilm. Es geht unterschwellig eher um das Wesen des Glaubens und die frustrierte Suche nach Menschlichkeit. Dabei führt der Weg der beiden Hauptdarsteller nicht etwa hin zur Selbstverwirklichung, sondern zu Verderben und Untergang.

Der Hauptcharakter Song Kang-ho tritt hier als echter Sympathieträger auf. Der engagierte Priester wird vom Regisseur gnadenlos als Märtyrer dargestellt. Dennoch arbeitet er ganz im Dienste der Sache und opfert seinen eigenen Körper. Die unweigerlich aufkommende Erotik, die maßgeblich für jeden Vampirfilm ist, sorgte in Korea für einiges Aufsehen, ist aber wohl unerlässlich für einen Film dieses Genres.

Ob Park Chan-wook mit seinem zum Vampir gewordenen Priester, dem katholischen Blutsauger, der aufgrund seiner neuen Existenz seinen Glauben zu verlieren scheint, tiefer sitzendere Probleme anspricht, ist nur zu vermuten. Fest steht jedoch, dass sich der Regisseur mit den Fesseln der koreanischen Gesellschaft und dem katholischen Selbstverständnis beschäftigt hat.


Filmkritik von Gastautor

Sag es weiter



Bilder / Fotos

Durst

© MFA+ Filmdistribution

Kommentare

Derzeit sind keine Kommentare vorhanden!

Einen Kommentar schreiben

Bitte beim Kommentieren auf Rechtschreibung und Grammatik achten!

Name
eMail (wird nicht veröffentlicht)
What is 75 + 46 =  
Bitte Sicherheitscode in das rechte Feld eintippen.




Steckbrief
Regie
Park Chan-wook

Darsteller
Choi Hee-jin, Kim Hae-sook, Kim Ok-bin, Shin Ha-kyun, Sin Ha-gyoon, Song Kang-ho

Genre
Drama, Horror

Tags
Blut, Suedkorea, Vampire
Gastkritiken
Anzeige

Filmfacts
Herstellungsland
Südkorea

Alternativ- bzw. Originaltitel
Thirst




Benutzername

Passwort

Anzeige