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Drive| Kritik 8/10

Kinostart
26.01.2012



Handlung

Tagsüber arbeitet Driver (Ryan Gosling) als Stuntman für Hollywood. Reine Routine. Erst nachts erwacht der wortkarge Einzelgänger zu Leben, als Fahrer von Fluchtfahrzeugen bewaffneter Einbrüche. Keiner kann ihn schnappen, keiner kann ihm das Wasser reichen. Dann lernt der coole Driver seine neue Nachbarin Irene (Carey Mulligan) kennen – und verliebt sich in die alleinerziehende Mutter. Als Irenes Ehemann Standard (Oscar Isaac) aus dem Knast entlassen wird, lässt sich Driver zu einem vermeintlich todsicheren Ding überreden: Mit der erbeuteten Kohle will Standard seine Schulden abbezahlen und Irenes eine gesicherte Zukunft bieten. Doch alles geht schief. Die Jagd auf Driver und Irene ist eröffnet – wenn es ihm nicht sofort gelingt, den Spieß umzudrehen.


Filmkritik | Drive

Eine Jagt ist immer eine Flucht. Mit „Drive“ lässt Nicolas Winding Refn stilsicher Diametrales aufeinanderprallen: Arthouse und Mainstream, Anmut und Rohheit, Opfer und Täter.

Unbestritten, dieser Streifen ist effektvoll: Benzin, Blut und Adrenalin. Dazwischen, kaum fassbar, Zärtlichkeit. Auf den ersten Blick bietet „Drive“ ideale Voraussetzungen für ein großes Publikum; man könnte glauben, Refn mache mit seinem Hollywood-Debüt Zugeständnisse an die Weltbühne - Zugeständnisse in Form von klischeebeladenen Motiven. Genau jetzt offenbart sich eine neue Perspektive des Films: die Tiefenflucht des Kunstkinos.

Nur zu schnell reiht man den Protagonisten in dieselbe Reihe stoischer Antihelden wie Clint Eastwoods Alter Ego ein. Schleichend, beim Nähertreten, zerfällt er jedoch vor den Augen des Zuschauers in einen vielschichtigen, ambivalenten Charakter. Mit eisiger Ruhe, die man leicht mit Gelassenheit verwechseln könnte, spielt Ryan Gosling den enigmatischen Stuntfahrer und erfüllt mit seiner Präsenz ganze Kinosäle. Schnell gewinnt der Protagonist an Sympathie und entfaltet die Dynamik seines Charakters – von der kalten Routine seines Doppellebens über seine rohe, konsequente Gewalt bis hin zur unschuldigen Zärtlichkeit im Blick zu Irene. Erschreckend ist die Authentizität und Schärfe, die Gosling seiner Figur bei jeder Regung verleiht und den Zuschauer auf eine Gratwanderung zwischen Identifikation und Furcht schickt.

Die Handlung lädt dazu ein, starr und gezwungen erzählt zu werden, doch Refn versteht es, mithilfe der hervorragend eingespielten Casts, eine distanzierte, pathosfreie Inszenierung zu schaffen. Allen voran Ryan Gosling, der „Drive“ mit souveräner Wahrhaftigkeit zu tragen weiß. Teils mit elektronischem, teils klassisch angehauchtem Soundtrack untermalt, lässt Refn auch Albert Brooks, Carey Mulligan und Bryan Cranston emotionalen Freiraum, der dem Film angesichts der einfachen Plots entschieden mehr Substanz verleiht.
Die tatsächliche Handlung des Films zögert Refn weit über die Exposition hinaus und stellt klar, dass nicht das profane Tun im Mittelpunkt steht, sondern der Mensch und seine Absicht. „Drive“ bedeutet auch „Antrieb“ – Antrieb oder Lebensziel, der dem Stuntfahrer anfangs fehlt und zu dem er sich erst entscheiden muss, als er beschließt, Irenes kriminellem Ehemann zu helfen.

Der Abschluss des Films wirkt insofern etwas gezwungen, als dass die Endsequenz wiederum ein Showdown-Klischee zu bedienen scheint. Nehmen wir das als eine augenzwinkernde Hommage an die Hollywoodkonvention und erleben, wie der Fahrer, Held oder nicht, am Ende seiner Jagt aus der Erstarrung erwacht und nicht zum ersten Mal diese Entscheidung trifft: er flieht.


Filmkritik von Gastautor

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Bilder / Fotos

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Steckbrief
Regie
Nicolas Winding Refn

Darsteller
Albert Brooks, Bryan Cranston, Carey Mulligan, Christina Hendricks, James Biberi, Jeff Wolfe, Kaden Leos, Oscar Isaac, Ron Perlman, Russ Tamblyn, Ryan Gosling

Genre
Action, Drama, Thriller
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Herstellungsland
USA




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