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Dot.com| Kritik 1/10

Kinostart
09.12.2010



Handlung

Der Straßenbauingenieur Pedro hängt zu seinem Leidwesen in einem kleinen nordportugiesischen Dörfchen fest und wartet sehnsüchtig auf seine Rückversetzung nach Lissabon. Zum Zeitvertreib hat er dem kleinen Nest eine Website gebastelt, auf der er dessen touristische Vorzüge anpreist. Doch plötzlich erhält er einen Brief eines multinationalen Firmenkonzerns: Die Domain gehört der Firma und muss sofort geräumt werden! Ansonsten drohen 500.000 Euro Schadenersatz. Doch nur die Dorfgemeinschaft kann die Seite tatsächlich löschen und die hofft auf das große Geschäft. Ihre Logik: Wenn die Website 500.000 Euro Schadensersatz wert ist, dann auch umgekehrt. Und so fordern sie als Ablöse eine halbe Million von der Firma. Die Situation gerät vollends außer Kontrolle, als die Presse von New York bis Hong Kong Wind von der Story bekommt.


Filmkritik | Dot.com

Der portugiesische Film ist jenseits der Landesgrenzen nahezu unbekannt. Die Filmwirtschaft in Lissabon liegt brach, kommerziell international erfolgreiche Filme sind rar. Dass der über Hundertjährige Manoel de Oliveira („Eigenheiten einer jungen Blondine“) bis heute als der renommierteste und produktivste Regisseur des Landes gilt, ist vielleicht bezeichnend für die Situation im Filmland Portugal. Selbst das in cineastischen Entwicklungsländern oft spannende Indenpendent-Kino tritt nicht weiter groß in Erscheinung. Wenn ein Film es in die internationalen Kinos schafft, dann dank ausländischer Produzentengelder meist aus dem filmwirtschaftlich potenteren Brasilien. So auch bei „Dot.com“.

Der zeigeistige Filmtitel lässt auf eine spannende bis amüsante Filmreise in die globalen Verstrickungen das World Wide Web der Pünktchen-Firmen erwarten. Wer jedoch unterhaltsame Filmkost wie die Mark-Zuckerberg-Saga „The Social Network“ erwartet hat, wird bitter enttäuscht: „Dot.com“ ist nichts weiter als ein popeliger Heimatfilm auf Portugiesisch, der sich zeitgeistig gibt, wo er nur altbacken und bis an die Schmerzgrenze karikaturhaft daher kommt. Im Grunde hätte es auch um den Wettstreit von Oliven- und Melonenanbauern oder den Kampf gegen die Schließung der örtlichen Konservenfabrik gehen können – es wäre nicht weiter aufgefallen. So schleicht sich der Verdacht ein, die krude Story wurde nur deshalb auf den Punkt gebracht, um Zuschauer in die Kinos zu locken. Ob das in Deutschland drei Jahre nach Veröffentlichung des Films noch klappt, bleibt abzuwarten. Andernorts hat er kaum Spuren hinterlassen.

Die Geschichte vom Dorf mit den schlitzohrigen Bauerntölpeln, die dem bösen großen Unbekannten aus der ebenso großen bösen Stadt zeigen, was eine Harke ist, ist ein uralter Hut und wird im Kino immer mal wieder gerne aufgebügelt. Auch die durchschnittliche Hollywood-Klischee-Komödie verwendet diese abgedroschene Konstellation, um das landestypische Aufeinanderprallen von Hinterwald und Großstadtdschungel mit all seinen Irrungen und Wirrungen publikumswirksam mit dem Holzhammer in Szene zu setzen. Und an eine solche Hollywoodkomödie , nur mit schlechteren Schauspielern und ungeschickter inszeniert, erinnert dieser Film. Ob sich das tragikomische Geschehen nun in einem  portugiesischen Nest oder in den Hinterwäldern von Minnesota abspielt, ist dabei völlig unerheblich: Die Abziehbilder, Klischees und sattsam bekannten Mechanismen, die die dünnen Plots solcher Streifen tragen, gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Bigotterie und Freigeist, Bauernschläue und Großstadtarroganz treffen  nicht nur in Portugal filmwirksam aufeinander. Insofern taugt „Dot.com“ im Grunde genommen noch nicht einmal als Heimatfilm, allenfalls als Bebilderung der Öde im globalen Dorf.

Regisseur und Co-Drehbuchautor Luis Gavao Teles, ein hierzulande völlig Unbekannter, greift tief in die Klischeekiste, um aus abgestandenen Ingredienzien einen faden Eintopf anzurühren. Natürlich dürfen die geilen Alten auf der Dorfbank, klatschsüchtige Hausfrauen und der schlitzohrige Dorfpfarrer nicht fehlen (Don Camillo lässt grüßen). Die unbekannten Darsteller hauen ihre Rollen so Kasperletheater-artig heraus wie auf der Bühne eines Bauerntheaters. Sowas kriegen sie im Komödienstadel beim Bayerischen Rundfunk besser hin. Hauptdarsteller Joao Tempera, in Portugal vor allem als Darsteller in Seifenopern in Erscheinung getreten, ist noch nicht einmal in seiner Heimat ein Star. Und das, wie seine mehr als uninspirierte Spielweise erahnen lässt, aus gutem Grund. Als blondgefärbte Powerfrau aus der spanischen Großstadt, der ausgerechnet im portugiesischen Kaff die Liebe begegnet, agiert die ebenfalls unbekannte spanische Actrice Maria Adanez. Sie spielt ähnlich berufsmunter und verkrampft grinsend wie Kollegin Renée Zellweger aus den USA, an deren aktuelle Hollywood-Klamotte „New in Town“ die Möchtegern-Komödie „Dot.com“ bis in Details peinlich erinnert.

Inszeniert, gefilmt und geschnitten ist das alles derart holperig, uninspiriert und ohne die geringste stilistische Brillianz, dass das Ansehen noch nicht einmal im Fernsehen lohnte. Interessant an dem Film, dessen Drehbuch übrigens mit EU-Fördergeldern unterstützt wurde, ist allenfalls die Person des Regisseurs: Teles ist eigentlich nur Freizeit-Filmkünstler, im Hauptberuf wirkt er als Jurist am Europäischen Gerichtshof in Luxemburg.


Filmkritik von mkrispien

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Bilder / Fotos

Dot.com

© farbfilm verleih

Kommentare


BS
19.04.2011, 15:21:22
Wow, what a harsh review. After reading others, this one seems to be the outlier.

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Steckbrief
Regie
Luís Galvão Teles

Darsteller
Isabel Abreu, João Tempera, José Eduardo, Lia Gama, Marco Delgado, Margarida Carpinteiro, María Adánez

Genre
Komödie
Gastkritiken
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Herstellungsland
Portugal, Brasilien




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