Dolpo Tulku - Heimkehr in den Himalaya - Filmkritik | kulthit.de 
Die Filmkritik Community!

Suche
Start » Filmarchiv » Filmkritik

Dolpo Tulku - Heimkehr in den Himalaya| Kritik 5/10

Kinostart
07.01.2010



Handlung

Das Dolpo im Nordwesten Nepals an der Grenze zu Tibet gehört zu den abgeschiedensten Gegenden der Welt. Eingeschlossen von den gewaltigen Gebirgsketten des Himalaya, weitgehend ohne Elektrizität und moderne Kommunikationsmittel, ohne chinesischen oder indischen Assimilationsdruck hat sich dort eine uralte buddhistische Kultur erhalten. Vor über 16 Jahren wurde der Hirtenjunge Sherap Sangpo als Reinkarnation eines hochstehenden Lama, des Dolpo Tulku, erkannt und zur Ausbildung ins Exilkloster nach Südindien geschickt. 2008 kehrt er zum ersten Mal wieder in die Berge Nepals zurück, um sein Amt als geistliches Oberhaupt der tief religiösen Menschen des Dolpo anzutreten. Die Menschen erwarten den Dolpo Tulku mit großer Zuneigung – und Erwartungen: Er soll den Bewohnern nicht nur spirituell zur Seite stehen: Das Dolpo braucht Schulen, Krankenhäuser, Kommunikation.


Filmkritik | Dolpo Tulku - Heimkehr in den Himalaya

Vorweg: Dies ist kein reiner Dokumentarfilm, sondern auch ein Werbefilm. Weder in den eingeblendeten Textbeiträgen noch auf der Homepage zum Film macht Regisseur Martin Hoffmann einen Hehl daraus, dass er sich die Perspektive des Dolpo Tulku distanzlos und sehr subjektiv zu eigen macht. Unverblümt wird Geld eingeworben für Projekte des Portraitierten und für Klostereinrichtungen der hinter ihm stehenden buddhistischen Glaubensgemeinschaft, die von Südindien aus operiert. Derzeit ist der 28jährige Mönch aus dem Himalaya mit dem Berliner Regisseur auf Tour durch deutsche Kinos, um über den Film für seine Anliegen zu werben. Hoffmann wirkte bisher als Kameramann und Schnittmeister und legt mit diesem Werk sein Debut als Regisseur vor.

Kritische Hinterfragungen oder die Herstellung eines größeren Zusammenhangs sind nicht die Sache dieses Films. Zuschauer ohne fundiertes Hintergrundwissen zum Buddhismus und seiner ganz spezielle Ausprägung in Tibet und Nepal werden mit der Thematik alleine gelassen oder mit suggestiven Texteinblendungen auf Kurs gebracht. Vor allem die Texttafeln mit Sätzen wie "Ein Hirtenjunge hat einen Traum" nerven auf Dauer. Was an Eindrücken bleibt, sind die atemberaubende Landschaft, nervenberuhigende Musik auf landestypischen Instrumenten und ein authentisch, sympathisch und ein wenig schlitzohrig rüber kommender junge Mönch.

Mehrere Tage lang begleitete das deutsche Kamerateam das junge geistliche Oberhaupt und seinen Tross von Mönchen und Nonnen auf seinem Weg von Südindien aus in das abgelegene innere Dolpo. In dieser von der Zivilisation weitgehend abgeschnittenen Region im nordwestlichen Nepal an der Grenze zu Tibet ist eine tibetische buddhistische Minderheit mit archaischen Lebensbedingungen zu Hause. Der junge Mann, der im weltlichen Leben Sherap Sangpo heißt, soll nicht nur die geistlichen Geschicke seiner Schäflein lenken, sondern auch Wohlstand und Fortschritt zu den kärglich von Ackerbau, Viehzucht und Handel lebenden Menschen bringen. Dass er in dieser von politischen Spannungen geprägten Region als Vertreter einer religiösen und ethnischen Minderheit alleine dazu kaum in der Lage wäre, verschweigt der Film. Ob es den Menschen dort letztendlich gut täte, steht als Frage im Raum.

Wenn der gleichzeitig sehr jungenhaft und sehr alt und weise wirkende Geistliche, der seit seinem zehnten Lebensjahr auf die Rolle des Tulku vorbereitet wurde, zwischen Laptop und Yoga  nicht frei von Selbstzweifeln und mit viel Herzenswärme und Humor über seine ihm selbst noch nicht ganz geheure Rolle als Mittler zwischen Ost und West, geistlichem und weltlichem Dasein plaudert – viel mehr als ein unverbindliches Plaudern ist es nicht –, hat der Film seine stärksten Momente. Der Dolpo Tulku ist auch ein begnadetes Medientalent. Es könnte durchaus sein, dass der Dalai Lama in dieser Beziehung seinen Nachfolger gefunden hat.


Filmkritik von mkrispien

Sag es weiter



Bilder / Fotos

Dolpo Tulku - Heimkehr in den Himalaya

© Piffl Medien & Arne Höhne Presse

Kommentare

Derzeit sind keine Kommentare vorhanden!

Einen Kommentar schreiben

Bitte beim Kommentieren auf Rechtschreibung und Grammatik achten!

Name
eMail (wird nicht veröffentlicht)
What is 91 + 93 =  
Bitte Sicherheitscode in das rechte Feld eintippen.




Steckbrief
Regie
Martin Hoffmann

Darsteller
Sharpa Tulku Rinpoche

Genre
Dokumentation
Gastkritiken
Anzeige

Filmfacts
Herstellungsland
Deutschland




Benutzername

Passwort

Anzeige