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Distanz| Kritik 7/10

Kinostart
19.08.2010



Handlung

Die Welt von Daniel (Ken Duken) ist still. Er lebt ruhig und zurückgezogen und geht seinem Job als Gärtner im botanischen Garten nach. Seine Arbeitskollegen provoziert seine stoische Verschlossenheit, durchbrechen können sie sie aber nicht. Von seinen scheinbar unmotivierten Gewaltausbrüchen weiß niemand etwas. Dann lernt er Jana (Franziska Weisz), eine Kollegin, kennen. Trotz seiner Abweisungen verliebt sie sich in Daniel und es gelingt ihr, sich ihm zu nähern. Langsam beginnt sich Daniel Jana und der Welt zu öffnen. Doch hinter seiner Sanftheit verbirgt sich ein dunkles Geheimnis, von dem sie nichts ahnt. Als sie herausfindet, was hinter seiner äußeren Gleichgültigkeit steckt, wird sie vor eine harte Wahl gestellt. Kann sie ihn wirklich vor sich selbst schützen?


Filmkritik | Distanz

Wir alle haben etwas zu verheimlichen. Die einen vergraben Kleinigkeiten in den Tiefen ihrer Seele, die anderen wahrhaftig Leichen im Garten oder Keller. Verständnis ist an dieser Stelle natürlich unmöglich einzuholen, doch immer wieder versuchen wir uns daran, es zu verstehen. Wir versuchen nachzuvollziehen, was in einem solchen Menschen vorgeht, der wahllos andere quält oder tötet. Genau das versucht auch Thomas Sieben in seinem Neulingswerk „Distanz“.

Doch wer jetzt glaubt, es handelt sich bei dem stillen Thriller, der sich um einen noch stilleren jungen Mann dreht, um einen typischen „böser, unscheinbarer Nachbar“-Streifen wie im Serienkillerporträt „Ed Gein“ oder „American Psycho“, der liegt gehörig falsch. „Distanz“ ist fast schon zu ruhig und Hauptcharakter Daniel Bauer (Ken Duken, bekannt aus „1 1/2 Ritter“) beinahe zu unscheinbar. Streckenweise wirkt alles so unspektakulär realistisch, dass man sich tatsächlich fragt, wo die Spannung geblieben ist. Und genau auf diese verzichtet Sieben eindeutig ganz bewusst. Ebenso, wie er auf Schockmomente, Geheimnistuerei und aufreibende Filmmusik verzichtet. Er konzentriert sich auf das Wesentliche – in diesem Fall das Erzählen einer scheinbar ganz alltäglichen und doch schrecklichen Geschichte, die wahrhaftig nebenan passiert sein könnte.

Sieben versucht eine sehr enge Verbindung zwischen seiner Geschichte, seinen Charakteren und dem Publikum zu erzeugen. Das gelingt ihm oft, doch teilweise gibt er sich dabei tatsächlich soviel Mühe, dass es offensichtlich wird. Dass es sich bei diesem Menschen auf der Leinwand um einen augenscheinlich ganz „normalen“ Menschen handeln könnte, wird dem Zuschauer auch ohne die zahlreichen Versuche bewusst, Daniel noch unscheinbarer wirken zu lassen, als er es eh schon ist. Dennoch muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass hier auch große Pluspunkte im schauspielerischen Detail zu finden sind. Duken spielt den verstörten, stoischen und in sich gekehrten Daniel Bauer so überzeugend, dass man ihm sicherlich nicht in Person begegnen will. Gleiches gilt für Franziska Weisz (bekannt durch „Renn, wenn Du kannst“), die die hübsche und ahnungslose Jana spielt und wirklich wunderbar und doch absurd mit Duken auf der Leinwand harmoniert. Ebenfalls äußerst gelungen kommen Kameraführung und Szenensetzung daher. Sie vermitteln distanziert und doch situationsnah die Emotionen des Filmgeschehens.

Distanz“ ist hier weitaus mehr als nur ein Filmtitel. Die Distanz spürt man an allen möglichen Filmecken und –Enden: Zwischen den Geschehnissen, die um Daniel Bauer herum passieren aber ihn kalt lassen, aber auch zwischen den Hauptdarstellern, die sich zeitgleich wiederum entsetzlich nah sind. Augenscheinlich wirkt Siebens Werk zwar kühl und ruhig, doch es weiß zu bewegen. Ganz unterschwellig und zwischen den emotionalen Zeilen. Ganz genau so, wie es das wirkliche Leben oftmals zu tun pflegt.


Filmkritik von Gastautor

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Steckbrief
Regie
Thomas Sieben

Darsteller
Franziska Weisz, Jan Uplegger, Josef Heynert, Ken Duken, Manuel Cortez

Genre
Deutscher Film, Drama
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Herstellungsland
Deutschland




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