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Die Stadt der Blinden| Kritik 7/10

Kinostart
23.10.2008



Handlung

Ein ganz normaler Tag in dem ganz normalen Leben eines Mannes, der ohne ersichtlichen Grund erblindet. Ein gleißendes weißes Licht ist das einzige, das bleibt, als er für immer sein Augenlicht verliert. Eine Diagnose lässt sich nicht stellen, denn die sich rapide ausbreitende Massenepidemie nimmt globale Formen an. Anfangs nur wenige, doch zunehmend mehr Menschen infizieren sich mit der mysteriösen Erkrankung, außer der Frau (Julianne Moore) des Augenarztes (Mark Ruffalo). Verzweifelt bringt die Regierung Betroffene in einer verlassenen psychiatrischen Anstalt unter, in welcher die Zustände desaströse Ausmaße anzunehmen drohen. Die dort untergebrachten Betroffenen verlieren sich in primitiver Anarchie, die hygienische Situation bricht zusammen und je mehr es werden, desto knapper werden die ohnehin gering bemessenen Nahrungsrationen. Ein einziges Telefon gewährt den Kontakt zur Außenwelt in der vom Militär hermetisch abgeriegelten Anstalt. Die Aussichtlosigkeit vermeintlich zivilisatorischer Errungenschaft spitzt sich zu und selbst die einzig Sehende scheint nicht in der Lage, etwas daran zu ändern.


Filmkritik | Die Stadt der Blinden

Die Verfilmung der Romanvorlage des Literatur-Nobelpreisträgers José Saramago debütierte als Eröffnungsfilm der diesjährigen Filmfestspiele in Cannes. Brasiliens Vorzeigeregisseur Fernando Mereilles ("Der ewige Gärtner") präsentierte dem Publikum mit seinem Blick auf die "City Of God" bereits seine visionäre Fähigkeit, dass die Menschheit sich selbst am besten zugrunde richtet.

Je weiter sich der mysteriöse Virus ausbreitet, desto weniger in der Lage ‘sehen’ sich die Menschen, ein Miteinander zu ermöglichen. Es scheint als wolle die nah an der Vorlage inszenierte Endzeit-Parabel mit jedem Bild einen (un)menschlichen Charakterzug repräsentieren. Hoch metaphorisch konstruiert das Drama das antisoziale Phänomen der Fähigkeit Sehen zu können, ohne sehen zu wollen. Hauptdarsteller Mark Ruffalo ("Zodiac") verkörpert die Rolle eines Augenarztes, dessen ironisches Schicksal der Verlust seiner Sehkraft ist. Allein seine Frau (Julianne Moore) bleibt von der unerklärlichen Seuche verschont und gibt sich nur deshalb als ebenso blind aus, um ihrem Mann in die Internierungslagerähnliche Quarantäne folgen zu können. Der Anblick, welcher sich ihr bietet, droht sie zerbrechen zu lassen, obwohl sie alles daran setzt, den Menschen Hoffnung zu geben.

Allerdings ist diese Hoffnung auch das einzige, was das apokalyptische Endzeitprinzip vorantreibt, ohne dass man sich nach kurzer Laufzeit in seiner fatalistischen Lebenshaltung bestätigt sieht und das Kino verlässt. Dem gezollten Respekt José Saramagos sei verschuldet, dass die Drehbuchvorlage kaum Raum gefunden hat, dem fiktiven Stoff eine mehrdimensionale Visualität zu verleihen. Kontrastarm und konturschwach illustrieren die Macher das ‘weiße Grauen’, welches betont klaustrophobische Züge annimmt. Autor Don McKellar und Produzent Niv Fichman waren die ersten, denen es bei einem Treffen mit dem Nobelpreisträger gelang, den 1995 veröffentlichten Roman für eine filmische Umsetzung gewinnen zu können. Aus Angst Saramago zu beleidigen, scheint es, als habe man Zeile für Zeile ein Werk geschaffen, das den Blick des Roamnautors zu entsprechen versucht. So bekommt man schnell den Eindruck, die mysteriöse Blindheit hat leider auch die Macher in Besitz genommen. Die Geschichte verliert sich letztlich in ihrem eigenen Entsetzen über menschliches Versagen und gesellschaftskritische Beklommenheit.


Filmkritik von Gastautor

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Bilder / Fotos

Die Stadt der Blinden

© Kinowelt Filmverleih

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Steckbrief
Regie
Fernando Meirelles

Darsteller
Alice Braga, Danny Glover, Don McKellar, Gael García Bernal, Jason Bermingham, Julianne Moore, Mark Ruffalo, Yoshino Kimura, Yusuke Iseya

Genre
Drama, Sci-Fi, Thriller

Tags
Virus
Gastkritiken
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Filmfacts
Herstellungsland
Kanada, Brasilien, Japan

Alternativ- bzw. Originaltitel
Blindness

Budget
25 Mio. US-Dollar




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