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Die Schachspielerin| Kritik 4/10

Kinostart
07.01.2010



Handlung

Hélène (Sandrine Bonnaire) führt ein einfaches Leben. Sie arbeitet als Zimmermädchen in einem Hotel und nebenbei als Putzfrau bei Dr. Kröger (Kevin Kline). Eines Tages beobachtet Hélène beim alltäglichen Zimmer reinigen ein Pärchen auf dem Balkon, das sich bei einem Schachspiel näher kommt und Zärtlichkeiten austauscht. Fasziniert von dieser Situation, will Hélène das Spiel der Könige erlernen. Als Dr. Kröger mit ihr eine Partie Schach spielt, ist er über ihr Können äußerst beeindruckt.


Filmkritik | Die Schachspielerin

Es gibt Filme, die sich ein Mann freiwillig nie anschauen würde, es sei denn unter Androhung von Gewalt seitens seiner Partnerin. Entsprechendes gilt für die Romane, die diesen Filmwerken zugrunde liegen. Im Mittelpunkt steht in der Regel eine vom Leben gebeutelte Frau mittleren Alters, geschlagen mit einer Dumpfbacke von Ehemann und nervenden, egoistischen Kindern. Meist ist sie Hausfrau und graue Maus, aber mit sexuellem Frust unter der Kittelschürze. Dann hat sie ein erotisches Aha-Erlebnis, Aschenputtel entflieht kurzfristig der Alltagshölle und gönnt sich Ferien vom Ich. Anschließend kehrt sie in den Schoß der Familie zurück, und Alle profitieren von der charakterlich gestärkten Mama. Auch „Die Schachspielerin“ nach dem Erfolgsroman von Bertina Henrich ist so ein Film, nur dass das erotische Abenteuer für Hausfrau Hélène in diesem Fall auf dem Schachbrett statt findet. Mehr gönnen ihr weder Romanvorlage noch Film.

An dem Film stimmt nichts, und er ist von Anfang bis Ende ein einziges Ärgernis. Schachspieler werden sich ärgern, dass Drehbuch, Schnitt und Regie so lieblos, im Grunde desinteressiert und schluderig mit dem Spiel der Könige und seinen Regeln umgehen. Wer umgekehrt nichts mit Schach anzufangen weiß, ist von den überlangen Schachszenen schnell gelangweilt. Schach als große Welt-Metapher ist ein uralter Hut und reizt allenfalls noch zum Gähnen. Da brauchte es schon das Talent eines Ingmar Bergmann, um in „Das Siebente Siegel“ damit Filmgeschichte zu schreiben. Aber das ist über 50 Jahre her. Warum eine Putz- und Hausfrau unserer Tage ausgerechnet über Schach spielen ihre überfällige Emanzipation einläuten will, man weiß es nicht. Auch nicht, warum Sandrine Bonnaire in ihren Filmen („Die Frau des Leuchtturmwächters“) immer Fahrrad fahren muss. Drehbuch und Regie haben es so gewollt.

Regisseurin Caroline Botaro, die mit „Die Schachspielerin“ ihren Debutfilm vorlegt, lebt in Paris mit Romanautorin Bertina Henrich Tür an Tür, die Frauen sind befreundet, beide stammen aus Deutschland. Am Drehbuch für den Film haben sie und Andere nach eigenen Angaben monatelang gefeilt und sich darüber beinahe zerstritten. Herausgekommen ist ein mutloses und gefälliges Skript,  das der  Romanvorlage selbst noch die kleinste Spitze nimmt: Der Schachlehrer ist im Roman verdeckt homosexuell – im Film reicht es noch nicht einmal zu realem Sex mit einer Frau.... Das Ganze wurde konventionell und in klischeehaften Bildern in Szene gesetzt, übergossen mit einer unerträglich zuckerigen Musiksoße. Auch die Verpflichtung von Hollywoodstar Kevin Kline („Der rosarote Panther“) als Schachlehrer „Dr. Kröger“ und die ihre Rollen stets zuverlässig und intensiv gestaltende Sandrine Bonnaire können am Debakel nichts ändern. Die heimliche Hauptdarstellerin wird allerdings mit postkartenkitschiger Ästhetik hingebungsvoll in Szene gesetzt: die wunderschöne Insel Korsika.


Filmkritik von mkrispien

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Bilder / Fotos

Die Schachspielerin

© Concorde Filmverleih GmbH

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Steckbrief
Regie
Caroline Bottaro

Darsteller
Alexandra Gentil, Caroline Bottaro, Didier Ferrari, Francis Renaud, Kevin Kline, Sandrine Bonnaire, Valérie Lagrange

Genre
Drama

Tags
Schach
Gastkritiken
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Filmfacts
Herstellungsland
Deutschland, Frankreich

Alternativ- bzw. Originaltitel
Joueuse




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