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Die Perlmutterfarbe| Kritik 8/10

Kinostart
08.01.2009



Handlung

Es ist 1931, lange vor dem 2. Weltkrieg und zur Zeit der Wirtschaftskrise. Alexander (Markus Krojer) ist 13 Jahre alt und geht zur Realschule. Sein bester Freund wird Maulwurf (Dominik Nowak) genannt und fällt unter die Kategorie "Tüftler". Doch dessen neue Erfindung, die Perlmutterfarbe, wird von Alexander entwendet. Damit beginnt eine Auseinandersetzung zwischen den Schülern in Alexanders Klasse, die bald darauf auf die Nachbarklasse übergreift. Es beginnt ein Krieg zwischen Klasse A und B, und Alexander ist der Strippenzieher.


Filmkritik | Die Perlmutterfarbe

Der neue Film "Die Perlmutterfarbe" des Regisseurs Marcus H. Rosenmüller ist die gelungene Umsetzung des Kinderromans von Anna Maria Jokl. Hintergrund der Handlung sind die 30er Jahre mit dem politisch stärker werdenden Nationalsozialismus. Die zunehmende nationalsozialistische Ideologisierung wird im Film nicht direkt in Szene gesetzt. Vielmehr ist sie durch beispielsweise eingeübte Lieder im Musikunterricht erkennbar. Das auch im schulischen Rahmen funktioniert, was in der großen Politik der damaligen Zeit zu verheerenden Konsequenzen führte, zeigt der Regisseur auf seine ihm eigene, typische Art.

Ein kleines, verschneites, bayerisches Dorf Anfang der 1930er Jahren gibt dem Film den bestimmenden Charakter. Ebenso trägt der bayerische Dialekt dazu bei, dass man einen authentischen Eindruck des Schauplatzes erhält. Den jugendlichen Hauptdarsteller Markus Krojer kennt man bereits aus Rosenmüllers Film "Wer früher stirbt, ist länger tot" (2006). Er spielt den Schüler Alexander, dessen Lügen und Ausreden eine Kette von Ereignissen nach sich zieht. Den Charakter des erpressbaren und der sich zuspitzenden Situation hilflos gegenüber stehenden Alexander gibt Marcus Krojer glaubhaft wieder. Der Klassenkamerad Gruber wird von Benedikt Hösl dargestellt. Alexander ist von seinem Schweigen abhängig, was Gruber für eine faschistoide Hetzaktion gegenüber der Parallelklasse ausnutzt. Die schaupielerische Leistung der jungen Akteure ist besonders hervorzuheben. Emotionen, wie Schuld und schlechtes Gewissen werden eindrücklich dargestellt. Die durch Rosenmüller als Traumszenen inszenierten Gedankenwelten zeichnen ein bleibendes Bild der Charaktere. Filmisch photographische Instrumente, wie emotionale Großaufnahmen, lassen die gefühlsbetonte Zerissenheit der Personen deutlich werden. Der Regiesseur versteht es wie in seinen vorhergehenden Filmen auch, durch eine kreative Bildgestaltung das Fühlen und Denken der Schüler nahe zu bringen.

Wie im Roman nimmt die Geschichte auch im Film ein gutes Ende. Der Regiessuer lässt leider in seiner filmischen Auflösung nicht erkennen, ob es grundsätzlich um Lügen als gefährlichen Auslöser von schädlichen Prozessen geht. Genauso kann man aus der Geschichte die Warnung vor Demagogen und blinder Obrigkeitshörigkeit ableiten. Jedoch wird dadurch der Gesamteindruck einer sehenswerten Romanverfilmung keineswegs geschmälert. Ohnehin ist der Film "Die Perlmutterfarbe" ein Muss für alle Liebhaber des Regietalents Rosenmüllers.


Filmkritik von Gastautor

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Bilder / Fotos

Perlmutterfarbe, Die

© Constantin Film

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Steckbrief
Regie
Marcus H. Rosenmüller

Darsteller
Benedikt Hösl, Dominik Nowak, Ferdinand Hofer, Franziska Scheuber, Gustav-Peter Wöhler, Markus Krojer, Samuel Cakan, Thomas Wittmann, Zoë Mannhardt

Genre
Drama

Tags
Schule
Gastkritiken
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Filmfacts
Herstellungsland
Deutschland

Alternativ- bzw. Originaltitel
Perlmuttfarbe




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