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Die Kinder der Seidenstraße| Kritik 5/10

Kinostart
08.10.2009



Handlung

China 1937: Unter dramatischen Umständen lernt der britische Reporter George Hogg (Jonathan Rhys Meyers) in der von Japanern belagerten Stadt Nanking die US Krankenschwester Lee Pearson (Radha Mitchell) und den Partisanenkämpfer Jack Chen (Chow Yun Fat) kennen. Gemeinsam retten sie 60 Waisenjungen vor den herannahenden Besatzern, indem sie nach Westen fliehen – ein abenteuerlicher, über tausend Kilometer langer Marsch entlang der Seidenstrasse, durch unwegsames Gelände, gnadenlose Wüsten und über schneebedeckte Berggipfel. Unterwegs findet Hogg, der als junger Idealist und Abenteurer nach China gekommen ist, die Liebe seines Lebens und lernt, was Verantwortung und Mut bedeuten. Die Begegnung und Freundschaft mit den elternlosen Kindern wird seine Weltsicht für immer verändern.


Filmkritik | Die Kinder der Seidenstraße

Der US-amerikanische Filmregisseur Roger Spottiswoode wurde einmal zu den schönsten Kinohoffnungen berechtigt. Das war in den 80-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als der gelernte Filmcutter ("Wer Gewalt sät", 1971) für wirklich intelligente Unterhaltung sorgte. Sein Nikaragua-Politthriller "Under Fire" (1982) über einen Fotografen im Bürgerkrieg, der zwischen die Fronten gerät, war von unverwechselbarer Intensität. Und ebenso kraftvoll geriet Spottiswoode sechs Jahre später der Verfolgungsthriller "Mörderischer Vorsprung".

Von dieser Intensität ist in sein Film "Die Kinder der Seidenstraße" nicht mehr viel übrig geblieben. Eigentlich nur der furiose Beginn, der erzählerisch stark und visuell dicht die chaotischen Zustände in China am Vorabend des Zweiten Weltkrieges begreiflich macht. Mit zunehmender Spiel- und Erzähldauer aber verliert der Film seine Faszinationskraft. Dann wirkt er seltsam lustlos inszeniert, die Handlung plätschert so dahin und bringt die Protagonisten öfters werwirrend ungelenk ins Spiel. Fast scheint es so, als hätten Spottiswoode und die beiden Drehbuchautoren Jane Hawksley und James MacManus irgendwann die Lust an ihrem Filmwerk verloren. Routine aber ist der Tod großen Kinos. Die Substanz ist dahin - daran können auch die deutlich engagierteren und atmosphärisch verdichteten letzten Filmminuten nichts mehr retten.

Dass "Die Kinder der Seidenstraße" insgesamt blass und leblos wirkt, ist auch den eindimensional gezeichneten Figuren geschuldet. Gerade der Background des Abenteurer und Kriegsreporters Georg Hogg bleibt dem Zuschauer verborgen. Dessen heroisches Handeln erschließt sich nicht wirklich. Darsteller Jonathan Rhys Meyers bleibt im Spiel so unter seinen Möglichkeiten. Das gilt auch für die beiden fabelhaften Schauspieler Chow Yun Fat und Michelle Yeok (aus Angie Lees Meisterwerk "Tiger & Dragon"). Ihre Rollen wirken zudem auch noch wie Fremdkörper in dieser australisch-chinesischen Koproduktion. So kommt der Verdacht auf, diese seien dem reinen Proporzdenken geschuldet.

Der Film "Die Kinder der Seidenstraße" hat die Kinderfreigabe ab 12 Jahre erhalten. Wirklich geeignet ist die Chronik einer mehr als 1.000 Kilometer langen Odyssee von 60 Waisenkindern für dreizehn und vierzehn Jahre alte Kinder. Die in sich wenig homogene Inszenierung und insgesamt eher lieblose Machart wird auch ihnen nicht verbogen bleiben. Daran können letztlich auch die eindrucksvollen, an Originalschauplätzen gedrehten Landschaftsaufnahmen von Kameramann Xiaoding Zhao ("House of Flying Daggers", 2004) nichts mehr ändern. Manchmal erscheinen wahre, ergreifende Geschichten einfach als zu groß für das Kino.


Filmkritik von Gastautor

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Bilder / Fotos

Die Kinder der Seidenstraße

© 3Rosen Filmverleih

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Steckbrief
Regie
Roger Spottiswoode

Darsteller
Anastasia Kolpakova, Chow Yun Fat, Guang Li, Imai Hideaki, Jonathan Rhys Meyers, Lin Ji, Matt Walker, Michelle Yeoh, Radha Mitchell, Shuyuan Jin

Genre
Action, Drama, Krieg

Tags
China, Flucht, Waisenkind
Gastkritiken
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Filmfacts
Herstellungsland
Australien, China, Deutschland

Alternativ- bzw. Originaltitel
The Children of Huang Shi




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