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Die Gräfin| Kritik 7/10

Kinostart
25.06.2009



Handlung

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts gilt Gräfin Erzebet Bathory (Julie Delpy) als mächtigste Frau im Land – wunderschön, intelligent und gegen die Willkür der Männerwelt, die Regeln nach Belieben manipulieren. Eines Abends, während eines Festes, lernt sie den weitaus jüngeren Istvan (Daniel Brühl) kennen. Leidenschaftlich verlieben sich die beiden ineinander. Doch ihr Glück kann nur von kurzer Dauer sein, denn Istvans Vater Graf Thurzo (William Hurt) zwingt seinen Sohn, den Kontakt zu Erzebet abzubrechen. Der Graf hat seine eignen Pläne mit der Gräfin und sein Plan beginnt schon bald Früchte zu tragen.

Erzebet vermutet eine Zurückweisung aufgrund des hohen Altersunterschiedes und erliegt, getrieben von Sehnsucht und Enttäuschung, der bizarren Idee, das Blut jungfräulicher Mädchen verhelfe ihr zu ewiger Jugend und Schönheit. Junge Mädchen werden unter gutmütigen Gründen auf das Schloss gebracht. Erzebets wahnhaftes Verhalten steigert sich zusehends. Schließlich setzt die Gräfin alles aufs Spiel – ihren Ruf, ihren Stand, ihr Leben – um für Istvan schön und attraktiv zu sein. Zu spät erkennt sie, dass sie in ihr eigenes Grab stürzt und das Opfer politischer Intrigen wurde.


Filmkritik | Die Gräfin

Sunrise, Sunset und Paris – alles klang bis jetzt sehr romantisch in Julie Delpys Filmen – realitätsbezogen, witzig und pointiert. Doch die Schauspielerin, Drehbuchautorin und Regisseurin hat auch eine dunkle Seite, wie sie selbst behauptet, und gerade diese ist in ihrem neuen Film „Die Gräfin“, in dem sie auch die Titelrolle spielt, in Vordergrund gestellt. Anfangs scheint der neue Film sich an die alten Talente von Julie Delpy zu halten – große Leidenschaft, tief ergreifende Liebe und romantische Züge leiten die Handlung ein. Doch bald wandert der Zuschauer in die Welt des Finsteren – grausam und bedrückend ist die Laune, die bis Ende des Filmes herrscht.

Die verfilmte Geschichte der Gräfin Erzebet Bathory zeigt die Verwandlung einer wunderschönen, geehrten und sehr mächtigen Frau in eine Massenmörderin, so wie selbst die Geschichte selten eine gekannt hat. Wie in vielen historischen Filmen ist die Liebe hier der Hauptdrehpunkt, denn um die Liebe wurden Kriege geführt und der Liebe wegen schien das Unmögliche erreichbar. Doch dieses Mal geht es um jene Gefühle, die Liebe mit Hass verwechseln, die Vernunft in Wahnsinn treiben und aus Menschen Monster machen. Im Film werden vom Anfang an viele Metaphern eingesetzt – vor allem in den schnellen Zeitraffern durch die Kindheit der Gräfin. Die indirekte Erzählweise deutet nur schwach das Grauenvolle an, welches diese Frau umgibt, bis ihre Wahnvorstellungen tatsächlich ausbrechen. Doch diese anfänglichen Bilder liefern keine klare Erklärung dafür, warum eine mächtige und für ihre Zeit sehr starke Frau sich ohne Widerstand der Grausamkeit und der Lust ihren Opfern qualvolles Leid zu zutragen widmet. Einzig die Bedeutung der Macht und ihre Auswirkung auf machthaberische Persönlichkeiten wird beleuchtet. Betrogen, belogen und verzweifelt zu sein, kann zerstörerische Folgen mit sich bringen. Denn die Mächtigen verarbeiten Schicksalsschläge viel schwieriger, um so mehr aber wächst ihnen der Wunsch nach Vergeltung.

Die Gräfin opfert junge Frauen zu ihrem eignen Gunsten. Der Grund – das junge Blut kann Wunder bewirken und den eigenen Alterungsprozess aufhalten. Dabei sind boshafte Intrigen und die Instrumentalisierung der menschlichen Gefühle die Wurzel der Gräfin’s Eifersucht und Unglück. Die Geschichte vermischt reales Geschehen mit Fiktion und ähnelt im Endeffekt einer shakespeareschen „Intrigen-Tragödie“, bloß viel düsterer und blutrünstiger gestaltet. Betont wird die Vergänglichkeit des menschlichen Körpers – letztendlich sind alle Opfer und Verlierer, denn alle müssen sterben. Was im Film fehlt, ist eine aktuelle Verbindung, wie beispielsweise die zum heutigen Schönheits-Wahn. Kaum ein Zuschauer kann sich in der Hauptfigur wiederfinden und ihr Leid nachempfinden. Obwohl jeder seine dunklen Seiten hat, ist eine Projektion auf solche gräfischen Verhaltensweisen abwegig.

Die schauspielerische Leistung ist auf jeden Fall perfekt ausgeführt, da die Verwandlung der Hauptfigur nachvollziehbar und sehr professionell dargestellt wird. Im Vergleich zu den früheren Komödienarbeiten, präsentiert Delpy hier eine ganz neue Seite ihres dunklen Ichs.


Filmkritik von Gastautor

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Herstellungsland
Deutschland, Frankreich

Alternativ- bzw. Originaltitel
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