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Die Friseuse| Kritik 5/10

Kinostart
18.02.2010



Handlung

Die Geschichte beginnt an dem Morgen, an dem Kathi (Gabriela Maria Schmeide) sich bei ihrer neuen Arbeit vorstellen soll. In einem Salon im Kaufpark, gleich um die Ecke soll sie eine Anstellung als Meisterin und Filialleiterin erhalten. Sie muss nur noch ihre Papiere vorbeibringen, ansonsten hat man sich schon telefonisch geeinigt. Doch als Kathi in diesem Salon steht, laufen die Dinge anders als erwartet. Die Chefin zieht ein langes Gesicht und erklärt Kathi, dass sie sie nicht einstellen kann, weil Kathi "nicht ästhetisch ist". Und schon steht Kathi wieder vor der Tür. Aber so will sich Kathi nicht abspeisen lassen. Zunächst möchte sie um den Job kämpfen, doch dann bietet sich eine noch bessere Gelegenheit: Direkt gegenüber dem Salon wird ein Laden frei! Und da weiß Kathi, die alleinerziehende Mutter einer Tochter aus Marzahn, plötzlich, was sie will. Sie wird sich selbständig machen und ihren eigenen Laden gründen, ihren eigenen Salon. Und sie wird es allen zeigen! Soweit der gute Vorsatz. In dessen Umsetzung bemerkt Kathi allerdings, dass ihr einige wesentliche Dinge fehlen. Das Wissen, die guten Beziehungen und vor allem das Geld. Erfinderisch, kraftvoll und trotz aller Widrigkeiten immer wieder gutgelaunt macht sich Kathi an die Arbeit.


Filmkritik | Die Friseuse

Warum hat Doris Dörrie diesen Film gemacht? Warum hat sie gegen ihre Gewohnheit ein fremdes Drehbuch verfilmt, und warum an Stelle der schicken Münchner Welt der bürgerlichen Leistungsträger, wo sie sich auskennt, die piefige Hartz IV-Plattenbauidylle von Berlin-Marzahn zum Ort der Filmhandlung gemacht? Man ahnt die Antwort: Die Regisseurin mit einem Händchen für butterweiche Komödien mit einem Hauch Sozialkritik und einem ständigen Ringen nach Tiefe im (S)Leichten hatte ihre ganz große Zeit in den frauen- und männerbewegten 1980er  und frühen 1990er Jahren. Ihr Kultklassiker "Männer" (1985) gilt bis heute als Dörris mit Abstand erfolgreichster Film. Er kam auch deshalb so gut an, weil er verspielt und schlagfertig den damaligen Zeitgeist traf.

Auf den Zeitgeist zielt auch "Die Friseuse" ab – und landet mitten in der brandaktuellen Hartz IV-Debatte anno 2010, die pünktlich zur Berlinale von Politik und Medien eröffnet wurde. In Berlin wurde die kleine Komödie um eine Ostberliner Haarkünstlerin mit Übergewicht, Herz und Schnauze und Problemen mit der Arbeitsagentur bereits vom Festival-Publikum umjubelt. Ein wenig unheimlich ist dieses zufällige Zusammentreffen schon, aber so ist Kino. Jedenfalls hatte Filmprofi Doris Dörrie diesmal den richtigen Riecher, als ihr Drehbuchautorin Laila Stieler ("Wolke 9", "Die Polizistin") das Skript nach einem realen Vorbild anbot und sie sofort zugriff.

"Die Friseuse" ist ein unglaublich schriller und überzeichneter Film, der eine Zeitlang sogar Spaß macht, und dann nur noch auf die Nerven geht. Vor allem die Hauptfigur, eine gewisse hyperaktive Kathi aus Marzahn, die beharrlich Friseuse und nicht neudeutsch Friseurin sein will, wirkt wie ein dauerquatschender Knallfrosch auf Ecstasy. Ihre Kleider sind zu bunt, ihr Schmuck ist zu vulgär und ihre Worte klingen zu sehr nach Drehbuchwerkstatt. In jeder Lebenslage hat sie den passenden Spruch auf Lager. Wäre nicht die fabelhafte Schauspielerin Gabriela Maria Schmeide ("Halbe Treppe", "Die Polizistin"), die der Figur bei allem Klamauk Würde zu geben versteht,  würde die Komödie vollends als Lachnummer in der Klamottenkiste absaufen. So erfreut man sich an Schmeides Spiel und versucht, den Rest des albernen Treibens zu ignorieren. Warum Dörrie die Figur der Kathi nicht einfach nur dick sein lässt, sondern ihre Darstellerin in einen entstellenden sogenannten Fatsuit zwingt, bleibt das Rätsel der Filmemacherin und erinnert ungut an einen ähnlichen Schmarrn namens "Schwer verliebt" mit Gwyneth Paltrow. Vermutlich ist es einfach der bekannte Dörrische Hang zum Plakativen, zur groben Geste und zum Übertreiben. Ähnlich sind auch die ästhetisch grenzwertigen Sexszenen gestrickt.

Das Drehbuch ist heillos überfrachtet mit immer neuen Ideen, Figuren und Handlungssträngen, bis sich das Ganze in einem unüberschaubaren  und wenig logischen Wirrwarr verheddert. Nebendarsteller wie Rolf Zacher ("Jud Süss - Film ohne Gewissen") als schleimiger Schlepper und Maren Kroymann ("Maria, ihm schmeckt's nicht!",  "Horst Schlämmer - Isch kandidiere!") als herzlose Unternehmerin liefern kleine Kabinettstückchen komödiantischer Kunst ab. Immerhin.


Filmkritik von mkrispien

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Die Friseuse

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