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Die ewigen Momente der Maria Larsson| Kritik 6/10

Kinostart
08.04.2010



Handlung

Maria (Maria Heiskanen), eine junge Frau aus einfachen Verhältnissen, gewinnt in einer Tombola eine Fotokamera. Sie ist mit Sigfrid Larsson (Mikael Persbrandt) verlobt, einem ungelernten Arbeiter und jungen Kommunisten, der zwar harte Arbeit gewohnt ist, aber gerne ein Auge auf andere Frauen wirft und leider immer wieder dem Alkohol verfällt. Nach der Heirat wird Maria schnell Mutter dreier Kinder; im Laufe ihres Lebens werden noch sechs weitere folgen. Angesichts des schmalen Einkommens ihres Mannes möchte Maria die unbenutzt in einer Ecke liegende Kamera gerne verkaufen, um mit dem Geld Lebensmittel für die Familie zu besorgen. Sie wendet sich daher an den Fotografen Sebastian Pedersen (Jesper Christensen), genannt "Piff Paff Puff", der ihr jedoch rät, das Gerät zu behalten. Obwohl die junge Frau keinen blassen Schimmer hat, wie man eine Kamera bedient, siegt die Neugierde auf das, was damit alles möglich ist. Da sie offensichtlich talentiert ist, versteht sie mit Piff Paff Puffs Hilfe schnell, wie man fotografiert. Sie entscheidet sich, ihren Gewinn zu behalten - eine Entscheidung, die ihr Leben nachhaltig beeinflussen wird.


Filmkritik | Die ewigen Momente der Maria Larsson

Es gibt Filme, die sind so bei sich, dass sie den Zuschauer irgendwann auf ihrem Weg verlieren. In sich ruhende Felsen der Solidität und der formalästhetischen und inhaltlichen Harmonie, die leider den größten Feind eines gelungenen Kinoabends ungewollt mit Nahrung füttern: die Langeweile. Die stellt sich leider bei diesem konventionell inszenierten und politisch korrekt erzählten Film sehr rasch und nachhaltig ein: Außer wenn Mikael Persbrandt, bekannt als cholerisch-exzentrischer Sidekick Gunvald aus der schwedischen "Kommissar Beck"-TV-Krimireihe, als testosteron-regierter, saufender, gleichzeitig prügelnder und zärtlicher Macho, Ehemann und Proll-Hero, der zu allem Überfluss auch noch Sigfrid heißt, die Szenerie betritt. Da dampft die Leinwand aus allen Poren und es knistert sogar ein bisschen. Das ist insofern unfreiwillig amüsant, da Jan Troell zu den ausgewiesensten Vertretern des politisch korrekten, schwedisch-sozialdemokratischen und emanzipationsbewegten Erzählkinos gehört. Richtig spannender macht dieser Widerspruch den Film auch nicht.

Jan Troell galt mal als die Sensation des schwedischen Kinos: Als erster Schwede überhaupt wurde er 1971 für sein Auswanderer-Drama "Emigranten" für den Regie-Oscar nominiert, es folgten Ausflüge nach Hollywood, von denen der als ernst und eigenbrötlerisch geltende Filmemacher immer wieder frustriert in seine Heimat zurück kehrte. Seit Jahren dreht er ausschließlich in Schweden und verlor international außerhalb des Festivalbetriebs weitgehend an Aufmerksamkeit. In seiner Heimat ist der 78jährige heute nach Ingmar Bergmanns Tod so etwas wie ein National-Regisseur und räumt regelmäßig einen Guldbagge, den schwedischen Oscar, für seine Werke ab; so auch für "Die ewigen Momente der Maria Larsson". Was Troell in Hollywood zum Problemfall machte - sein hartnäckiges Beharren auf Regie, Drehbuch und Kamera-Arbeit allein in seiner Hand - wird dem Altmeister in Schweden großzügig gewährt. Genau hier liegt aber der Knackpunkt für die Schwäche dieses vom Plot her nicht uninteressamten Films: Weil Alles aus einem Guss in einer Werkstatt entstand, fehlen die sprühenden Funken der Kreativität, die durch die Reibung eines guten Skripts an einer ebenso guten, aber andere Akzente setzenden Regie und Kamera-Arbeit entfacht werden. Diese Faustregel für erstklassige Filme gilt für Hollywood-Mainstream wie für Independent-Filme gleichermaßen. So wurde es zwar ein solider und ehrenwerter, aber banaler und langweiliger Film in Pappkulissen mit arg viel Studio-Flair. Die Story ist ordentlich erzählt und macht durchaus betroffen, zumal sie auf einer wahren Geschichte aus Troells Familie beruht. Irgendwie bleibt es aber trotz ästhetisch wie gemalt wirkender Bilder immer Schulfernsehen. Vielleicht liegt´s auch daran, dass der Regisseur vor seiner Filmkarriere über Jahre als Schullehrer wirkte: Der Zeigestock des sozialkritischen Pädagogen steht dem Zauberstab des genialen Regisseurs gelegentlich im Weg. Oder eigentlich immer.

Sehr gut führt Troell seine Schauspieler, allen voran die glaubhaft und ohne Getue agierende, aus Kaurismäki-Filmen ("Lichter der Vorstadt") bekannte Finnin Maria Heiskanen in der Titelrolle. In der Rolle des sensiblen Fotografen Sebastian Pedersen alias Piff Paff Puff gibt es ein Wiedersehen mit dem dänischen Charakterdarsteller Jesper Christensen ("Italienisch für Anfänger", "This Is Love"), der international durch Auftritte als ominöser Mr. White in den James Bond-Filmen "Casino Royale" und  "Ein Quantum Trost" für Furore sorgte. Ein Muss ist dieser Film allenfalls für Mikael Persbrandt-Fans. Ewige Momente des Kinos werden eher nicht geboten.


Filmkritik von mkrispien

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Bilder / Fotos

Die ewigen Momente der Maria Larsson

© Arsenal Filmverleih

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Steckbrief
Regie
Jan Troell

Darsteller
Amanda Ooms, Ann Petrén, Annika Lundgren, Claire Wikholm, Emil Jensen, Ghita Nørby, Jesper Christensen, Maria Heiskanen, Mikael Persbrandt

Genre
Drama
Gastkritiken
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Filmfacts
Herstellungsland
Deutschland, Dänemark, Finnland, Norwegen, Schweden




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