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Die Eiserne Lady| Kritik 8/10

Kinostart
01.03.2012



Handlung

Die Eiserne Lady erzählt die Geschichte von Margaret Thatcher (Meryl Streep), der ersten weiblichen Regierungschefin Europas. Sie kam aus einfachem Hause: Ihr Vater war Kolonialwarenhändler, methodistischer Laienprediger und Bürgermeister ihrer Geburtsstadt, die Mutter gelernte Hausschneiderin. Margret Thatcher hob Grenzen zwischen Geschlechtern und Klassen auf und behauptete sich in einer bis dahin von Männern dominierten Welt.  Sie war unverwechselbar in Stil, Gestus, politischer Haltung, bei der Durchsetzung ihrer Ziele. Dafür wurde sie von den einen gefürchtet, von den anderen verehrt. Ein Mythos. Der Film erzählt auch eine Geschichte über die Macht in der Politik, und welchen Preis man dafür bezahlen muss. Gleichzeitig ist er ein überraschendes und intimes Porträt einer außergewöhnlichen und komplexen Frau.


Filmkritik | Die Eiserne Lady

„Viel zu früh!“ riefen die einen. „Unmöglich, der historischen Tragweite ihres Lebens in einem einzigen Film gerecht zu werden“ oder „Von der Regisseurin von „Mamma Mia!“? Lässt die eiserne Dame ihr Volk nun singend ausbluten?“ die anderen. Nur in der Besetzung herrschte Einigkeit. Wenn es jemand schafft, die Herausforderung zu meistern, die die Persönlichkeit Margaret Thatchers darstellt, dann Lady Streep. Auch der Weg einer Verfilmung schien klar. Eine kritische Auseinandersetzung mit der Person, die die Geschichte und die Menschen Großbritanniens für lange Zeit zeichnen sollte.

So erstaunt es nicht: Das Publikum und viele Kritiker zeigten sich enttäuscht, gar erbost, dass der Film historische Verklärung betrieb, viel zu gnädig mit der gnadenlosen Premierministerin von eins umging und nur lose Bruchstücke ihrer politischen Karriere umfasste. Der Hohn und Spott schlug vor allem Regisseurin Phyllida Lloyd entgegen, die auch an der Berlinale erneut wiederholen musste, dass sie während der Ära Thatchers als Angestellte eines kleinen Stadttheaters Gegnerin der Politikerin war. Genau dieser Umstand zeigt, mit welcher Intention sie ihren Film anging. „Die eiserne Lady“ ist kein authentisches Biopic, keine politische Anprangerung einer immer noch nachtragenden Opposition, sondern eine einfühlsame Studie über eine unerbittliche Form der Demenz und über die Folgen von Machtverlust jenseits des Vorstellbaren. Lloyds sagte, wenn sie die historische, wahre Thatcher hätte darstellen wollen, wäre ein vollkommen anderer Film entstanden. Tatsächlich, ihrem Film vorzuwerfen, er wäre historisch unkorrekt, entspricht dem Vorwurf, Fernsehnachrichten wären nicht unterhaltsam genug aufbereitet. Der „Fehler", den man Lloyd vorwerfen kann, besteht darin, mit der Figur von Thatcher den Zuschauer irre zu führen und zu blenden. Mit einer erfundenen Figur wäre der wahre Fokus der Geschichte direkt beim Zuschauer angekommen, ohne durch den omnipräsenten Schatten der eisernen Lady verzerrt zu werden. Andererseits fehlte so die faszinierende Aspekt einer einzigartigen, wahren Persönlichkeit mit Demenz, dass der Geschichte ein ganz anderes Gewicht verleiht.

Der Film baut auf einer völlig fiktiven Gegenwartsschilderung der an Demenz erkrankten, aber geistig noch  wachen Thatcher auf und lässt sie ausgelöst durch Alltagsbanalitäten in ihren eigenen Erinnerungen umher springen. Was von Kritikern als willkürlich und verzerrende Geschichtsepisoden diffamiert wurde, funktioniert als Krankheitsstudie ausgesprochen gut. Schließlich ist „The Iron Lady“ keine Geschichtsstunde, sondern eine Darstellung lückenhafter Erinnerungen einer von Demenz geschädigten Protagonistin. Es ist bezeichnend, dass der Film mit der einsamen Margaret Thatcher beginnt und endet. Aus ihrer Sicht eröffnet und schließt der Film. Nicht aus der Sicht der umstrittenen Staatsfrau, sondern aus der Perspektive einer alten, kränklichen Thatcher. Völlig fiktiv, die jedoch an einer sehr realen Krankheit leidet. Diese Krankheit steht im Mittelpunkt des Films ohne mit dem Finger darauf zu zeigen.

Meryl Streep erntete für ihre Rolle der eisernen Lady die 17 Oscarnominierung, gewann ihre dritte Trophäe und zementierte erneut ihren Ausnahmestatus als Grande Dame Hollywoods. „Die eiserne Lady“ profitiert von Streeps Talent wie auch von Thatchers Namen und nutzt dies, um auf eine unerbittliche Krankheit, die Betroffene wie Angehörige gleichermaßen drangsaliert, aufmerksam zu machen. Ohne erhobenen Zeigefinger. Nicht mehr und nicht weniger.


Filmkritik von Orlindo Frick

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Bilder / Fotos

Die Eiserne Lady

© Concorde Filmverleih GmbH

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Steckbrief
Regie
Phyllida Lloyd

Darsteller
Alexandra Roach, Anthony Head, Harry Lloyd, Hugh Ross, Jim Broadbent, Meryl Streep, Nick Dunning, Olivia Colman, Richard E. Grant, Roger Allam

Genre
Biografie, Drama
Gastkritiken

Zu viel Gegenwart
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Filmfacts
Herstellungsland
Großbritannien

Alternativ- bzw. Originaltitel
The Iron Lady




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