Handlung
In einem fernen Land wird das einstmals glückliche Königreich "Dor" durch einen Zwischenfall, bei dem eine neugierige Ratte namens Roscuro (gesprochen von Dustin Hoffman) eine Rolle spielt, in eine tiefe Depression gestürzt. Während dessen wächst unter der Burg eine Maus mit dem Namen Despereaux (gesprochen von Matthew Broderick) heran, die nicht gewillt ist, das mäusetypische Leben in beständiger Angst und Flucht zu führen. Seine Eltern (gesprochen von Frances Conroy & William H. Macy) sind darüber sehr besorgt und befürchten, Despereaux könne eines Tages vom Hof vertrieben werden. Die Lage verschärft sich noch, als er sich eines Tages aufmacht um der traurigen Prinzessin (gesprochen von Emily Watson) einen Besuch abzustatten.
Filmkritik | Despereaux - Der kleine Mäuseheld
Für den Animationsfilm "Despereaux - Der kleine Mäuseheld", dessen Zielgruppe typischerweise Kinder sind, hat die Geschichte einen sehr düsteren Unterton. Roscuros Bitterkeit ist sehr intensiv und eindringlich, vor allem deshalb, weil man als Zuschauer weiß, dass er eigentlich ganz anders ist. Despereauxs leidenschaftliche Heldentaten werden dagegen von jedermann falsch verstanden. Das Drehbuch beinhaltet viele messerscharfe Beobachtungen und Analysen des menschlichen Verhaltens. Das reicht von der merkwürdigen Suppen-Obsession des Königreichs bis hin zu dem Nachdruck, mit dem in der Mäusewelt gefordert wird, dass junge Mäuse ihre Furcht zu entwickeln haben ("denn niemand wird ängstlich geboren").
Mit Anleihen bei "Die Braut des Prinzen" und "Shrek" wohnt dem Film auch etwas Sehnsüchtiges inne, verstärkt noch durch die ansprechende und gleichzeitig stilistisch sehr verspielte Animation der Charaktere und der gezeigten Orte. Um die auf die Spitze getriebene Niedlichkeit Despereauxs zu kompensieren, wartet die Geschichte mit beachtlichen Schreck- und Schmerzmomenten auf. Viele der Hauptfiguren sind sehr vielschichtig angelegt und überraschen mit unerwartet gehässigen Handlungen, bedingt durch die eigene seelische Verletztheit. Die Schlussfolgerungen aus diesen Handlungen sind, jedenfalls für einen Animationsfilm, erstaunlich komplex.
Obwohl die meisten wirklich gut heraus gearbeitet wurden, hätte man manche der Charaktere noch besser und lebendiger zeichnen können, wie z.B. Andre (Kevin Kline) und seine sehr bizarre Muse Boldo (Stanley Tucci). Andere Charaktere dagegen tragen großartig zur zauberhaften Atmosphäre des Films bei, wie das Dienstmädchen Miggery Sow (Tracey Ullman), das mit scheinbar unbezwingbarem Ehrgeiz an seinen Lebensträumen festhält.
Letztlich ist "Despereaux - Der kleine Mäuseheld" als animierter Familienfilm, mit der sehr plastischen Darstellung von tiefer Trauer und überwältigender Verzweiflung, vielleicht nur bedingt tauglich. Dafür aber ist es ein sehr außergewöhnlicher Film, der fähig sein sollte, sowohl Kinder als auch Erwachsene anzusprechen - und beiden Personengruppen das eine oder andere mit auf den Weg geben könnte. Mit der Adaption von Kate DiCamillo preisgekrönter Fabel ist den Beteiligten ein packendes und alles andere als gewöhnliches Animationsfeuerwerk gelungen.
Filmkritik von Gastautor