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Der letzte Exorzismus| Kritik 7/10

Kinostart
30.09.2010



Handlung

Der weit gereiste Prediger Cotton Marcus (Patrick Fabian) wird von Schuldgefühlen geplagt. Seine Teufelsaustreibungen sind reine Illusion, doch seine bibeltreuen Anhänger glauben an ihn und zahlen gut für seine Arbeit. Bei einem letzten Exorzismus will er den Schwindel durch ein Fernsehteam aufdecken lassen. Die Mission führt sie in den Süden der USA, wo die Farmerstochter Nell (Ashley Bell) vom Teufel besessen zu sein scheint. Die Show beginnt, doch nicht wie Marcus geplant hatte. Eine dunkle Macht offenbart sich Marcus und ihm muss schnell etwas einfallen, um Nell, sein Team und sich selbst vor diesem Dämon zu retten.


Filmkritik | Der letzte Exorzismus

Sogenannte Mockumentarys, ein Begriff, der sich aus Documentary (Dokumentation) und dem englischen Verb „to mock“ (vortäuschen, sich lustig machen) zusammen setzt, freuen sich seit geraumer Zeit besonderer Beliebtheit. Den Grundstein dieses Trends legte vor Jahren das berühmt berüchtigte „Blair Witch Project“, das einen erfundenen Hexenmythos vor Kinostart als wahre Begebenheit lancierte und mit einem ebenfalls fingierten Amateurvideo verband. Die Geburtsstunde moderner viraler Filmkampagnen und der Low Budget Blockbuster. Danach folgten erfolgreiche Vertreter wie „Cloverfield“, „Paranormal Activity“ oder „District 9“, die ebenfalls versuchten auf authentische Weise Dokumentation und Fiktion in Einklang zu bringen. Mit „Der letzte Exorzismus“ folgt nun der neuste Vertreter dieses etwas anderen Filmgenres und versucht die Glaubwürdigkeit alter Teufelsaustreibungen zu hinterfragen und stellt dabei so manches Exorzistenklischee auf den Kopf.

Der Film zieht durch seinen Hauptcharakter, Reverend Marcus, dessen entwaffnenden, offenen Charme und charakterliche Widersprüchlichkeit den Zuschauer unmerklich auf die Seite der Skeptiker. Man beobachtet die vom Reverend meisterlich dargebotene Farce mit diabolischem Vergnügen, weil man spürt, dass der Geistliche bald im wahrsten Sinne des Wortes sein böses Wunder erleben wird. Daniel Stamm, der deutsche Regisseur des Films erzeugt mit Hilfe seines charismatischen Protagonisten ein interessantes, doppelbödiges Schauspiel, stets zwischen ernsthaften Zweifeln und der vagen Möglichkeit doch einer übernatürlichen Erscheinung beizuwohnen. Die beiden Hauptdarsteller Patrick Furin und Ashley Bell machen dies mit einer absoluten Glaubwürdigkeit erst möglich. Man denkt als Zuschauer tatsächlich wahrhafte Menschen und keine gespielten Charaktere vor sich zu sehen. Außerdem ein interessantes Detail: Viele der Filmcharaktere besitzen die echten Vornamen ihrer Schauspieler.

Die große Schwäche des Films ist jedoch sein Ende. Die letzten 20 Minuten, in denen der Film von einem Klischeefettnapf in den nächsten tritt und ihm merklich die Luft ausgeht. Was zuerst wie ein unspektakuläres aber stimmiges Ende aussieht, mutiert binnen Sekunden zu einem einzigen okkulten Südstaatenklischee, das noch weiter auf die Spitze getrieben wird, in dem es zu einer unfreiwilligen Genreparodie verkommt. Quentin Tarantino soll sich nach der Filmpremiere an den Regisseur gewandt haben und sich lautstark über das Ende beklagt haben. Verständlich. Aber siehe da, Tarantino war nicht etwa aufgrund der Klischeehaftigkeit des mäßigen Showdowns enttäuscht. Er erwartete vielmehr einen ultimativen Endkampf zwischen gut und böse. Darüber lässt sich nur den Kopf schütteln. Tarantino scheint weder das Genre noch das Konzept des Films verstanden zu haben, stattdessen blieb er gedanklich irgendwo bei Schwarzeneggers „End of Days“ stecken. In Anbetracht dessen kann das tatsächliche Ende zähneknirschend gutgeheißen werden. Dennoch bleibt der Gedanke, was wäre wenn die letzten Minuten des Films ähnlich mehrdeutig und unterschwellig gelungen wären, wie der Rest des Films? Man wäre vielleicht Zeuge eines neuen Genreklassikers geworden, die Frage wäre nur gewesen, welchem?


Filmkritik von Orlindo Frick

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Bilder / Fotos

Der letzte Exorzismus

© Kinowelt Filmverleih

Kommentare


ekro
13.10.2010, 03:38:49
ja, das Ende ist schwach und trägt das Klischee, was so der durchschnittliche Deutsche vom Bayrischen Wald des Ami-Lands hat, doch sehr vor sich her.

Immerhin: Der wahnhafte Vater wird am Ende ebenfalls zum Opfer. Die Flammen der Ratio "fressen" in Gestalt des aufgeklärt-modernen Ortspfarrers das zwangsabgetriebene Kind des Mißbrauchs und der beschützend-skeptisch sich gebende Bruder, dem selbst schon die Stimme (der Vernunft?) beschnitten wurde, schneidet am Ende der Aufklärung den Kopf ab. Ohne den Verstand eines protestanischen Rationalisten zu beleidigen bleibt alles in der Schwebe.

matthias
09.10.2010, 13:09:06
dieses "mockumentary" hat mich sehr in seinen bann gezogen, da es sich wie der name schon sagt, um eine vorgetäuschte dokumentation handelt und der film sich dadurch für mein verständnis sehr realistisch zeigt. eine reine enttäuschung jedoch sind die letzten 20 minuten als der priester und das kamerateam beschließen, wieder zur farm zurück zu fahren. als sie dort ankommen, betreten sie das gebäude und finden überall an den wänden irgendwelche diabolischen zeichen vor. daraufhin beschließen sie einem merkwürdigen geräusch in der ferne zu folgen und treffen auf ein durchaus satanisch aussehendes ritual mit bewohnern der umgebung als teilhabende. alles endet nun kurz danach mit dem spontanen entschluss des priesters, satan mit seinem kreuz bezwingen zu versuchen. kurz danach wird die tontechnikerin mit einer axt zerstückelt, nur der kameramann schafft es noch wegzulaufen und die kamera immer schön hochzuhalten. alles endet damit, dass der kameramann vom sohn des farmers getötet wird.

ich verstehe nicht, was es mit diesem ritual plötzlich auf sich hat. manche finden diesen film von anfang an langweilig, jedoch muss meiner meinung nach nicht jeder film durchwegs von blutigen szenen oder schockmomenten gespickt sein.

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Steckbrief
Regie
Daniel Stamm

Darsteller
Ashley Bell, Becky Fly, Caleb Landry Jones, Denise Lee, Iris Bahr, Logan Craig Reid, Louis Herthum, Patrick Fabian, Shanna Forrestall, Tony Bentley

Genre
Horror, Thriller

Tags
Exorzismus
Gastkritiken
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Filmfacts
Herstellungsland
USA

Alternativ- bzw. Originaltitel
The Last Exorcism




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