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Der Eissturm| Kritik

Kinostart
1997



Handlung

"Alle Jahre wieder" wäre ein ebenso angemessener Titel für Ang Lees Film "Der Eissturm" gewesen. Thanksgiving steht vor der Tür, und in New Canaan, Connecticut, bereiten sich zwei Familien wie jedes Jahr auf das Fest vor. Doch der Schein einer Idylle trügt wie so oft auch hier. Ben Hood (Kevin Kline) hat ein Techtelmechtel mit der Nachbarin (Sigourney Weaver), und weder seine Frau Elena (Joan Allen) noch deren Mann ahnen etwas davon. Derweil versucht Bens 14jährige Tochter Wendy (Christina Ricci) die beiden halbwüchsigen Nachbarssöhne Mike (Elijah Wood) und Sandy (Adam Hann-Byrd) zu verführen, während ihr älterer Bruder Paul (Tobey Maguire) versucht, mit einer etwas versnobten New Yorker Mitschülerin anzubandeln. In der Nacht nach Thanksgiving bricht ein Eissturm über das Städtchen herein, der das Leben beider Familien nachhaltig verändern wird.


Filmkritik | Der Eissturm

Die Handlung von "Der Eissturm" ist in der ersten Hälfte der 70er Jahre angesiedelt, genauer gesagt, während der Watergate-Affäre. Ang Lee ist es gelungen, ein nicht nur realistisches, sondern auch unterhaltsames Zeitgemälde zu schaffen, das jedoch vielleicht bei manchen, die diese Zeit nicht als Teenager oder Erwachsener erlebt haben, verständnisloses Kopfschütteln hervorrufen wird. Bemerkungen wie "Zeig’ ich dir meins, dann zeigst du mir deins" dürften heutzutage bestenfalls ein Schmunzeln hervorrufen, in einer Zeit jedoch, als viele Teenager mehr oder weniger heimlich unter der Bettdecke "Liebe ist nur ein Wort" von Johannes Mario Simmel wie eine verbotene Frucht genossen haben, sahen die ersten sexuellen Erfahrungen oftmals so oder ähnlich aus. Aufklärung beschränkte sich damals in vielen Familien auf die altbewährten Geschichten von den Bienen, oder man bekam - wenn die Eltern etwas fortschrittlicher waren - ein entsprechendes Magazin in die Hand gedrückt mit der Empfehlung, sich über die Funktionen von Mann und Frau zu informieren. Ben Hoods Gespräch von "Mann zu Mann" mit seinem Sohn Paul, der immerhin schon 16 ist, ist ein gutes Beispiel hierfür. Er gibt ihm dabei lediglich den guten Rat, sich nicht unter der Dusche selbst zu befriedigen, da dies Wasserverschwendung sei. Außerdem würde jeder ohnehin sofort vermuten, dass er es unter der Dusche mache, um keine sichtbaren Spuren zu hinterlassen.

Auch die Art, wie man Parties feiert, hat sich im Laufe der letzten fünfundzwanzig Jahre geändert. Wer käme heute noch auf die Idee, eine Schlüsselparty zu veranstalten? Wohl niemand, damals waren diese oder ähnliche Gesellschaftsspiele jedoch beliebt, sie gehörten genauso dazu wie die scheußlich engen Ringelpullis und Schlaghosen, die eigentlich niemandem wirklich standen, die aber trotzdem jeder trug, um "in" zu sein.

Es sind die Kleinigkeiten, die diesen eher leisen Film so sehenswert machen. Die anfängliche Befürchtung, er würde in eine Art "Laberfilm" ausarten wie "Der große Frust", der trotz einer ebenso brillanten Darstellerriege viele Wünsche offen lässt, hat sich nicht bestätigt. Wenn man die erste Viertelstunde hinter sich hat, vergeht der Rest der Zeit wie im Flug, trotz der immerhin 115 Minuten Lauflänge von "Der Eissturm". Die schauspielerischen Leistungen sind beachtlich, vor allem auch die der jugendlichen Darsteller. Kevin Kline wurde leider wieder in eine seiner üblichen Schürzenjägersrollen gedrängt, die er jedoch mit Nonchalance meistert. Abbruch tut hier der deutschen Fassung allenfalls seine Synchronstimme, aber auch das ist - wie alles im Leben - Geschmacksache.


Filmkritik von Monika Hübner

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