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Der Dummschwätzer| Kritik

Kinostart
1997



Handlung

Fletcher Reede (Jim Carrey) ist Anwalt und ein notorischer Lügner. Letzteres in jeder Lebenslage, egal ob im Privatleben oder in der Kanzlei. Seine Frau hat sich von ihm getrennt und schickt sich an, mit ihrem neuen Freund ein neues Leben in einer anderen Stadt zu beginnen. Ein Problem ist der kleine Max, der seinen Vater vergöttert, von diesem jedoch immer wieder enttäuscht wird. Als Fletcher, obwohl er es versprochen hat, auch nicht zu Max' Geburtstagsparty erscheint, wünscht sich dieser, sein Vater solle einen Tag lang nicht lügen können. Auf wundersame Weise geht sein Wunsch in Erfüllung, und für Fletcher beginnt der wohl schlimmste Tag seines Lebens.


Filmkritik | Der Dummschwätzer

Ok, bevor man sich auf diesen Film einlässt, sollte man sich fragen, ob man wirklich imstande ist, 90 Minuten lang Jim Carrey beim Grimassenschneiden zuzusehen. Zu meinem eigenen Erstaunen hatte ich damit keine Probleme, auch beim zweiten mal ging mir Carrey nicht auf die Nerven. Nachdem ich mir vor einigen Wochen die deutsche Synchronfassung angesehen habe und der Film mir wider Erwarten ausgesprochen gut gefallen hat, hatte ich heute Gelegenheit, die englische Originalversion zu sehen und Vergleiche zu ziehen. Erwartungsgemäß geht in der deutschen Synchronisation einiges verloren, das beginnt schon mit der Anfangsszene, die den eigentlichen "Aufhänger" für den ganzen Film bildet: Max wird in der Schule gefragt, was sein Vater von Beruf sei, worauf er antwortet "My father is a liar". Die phonetische Ähnlichkeit von "liar" und "lawyer" ist im Deutschen leider nicht gegeben, und mit "Rechtsverdreher" hat man sich zwar bemüht, eine Entsprechung zu finden, der eigentliche Sinn des Wortspiels geht jedoch verloren. Die Lehrerin glaubt natürlich, falsch verstanden zu haben und fragt Max, was genau sein Vater tue, worauf er ihr antwortet, dass er morgens einen Anzug anziehe, eine Krawatte umbinde und mit seiner Aktentasche ins Gericht gehe, er meint aber trotzdem einen Lügner.

Reede ist beides, ein "liar" und ein "lawyer", ihm kommt normalerweise kaum ein wahres Wort über die Lippen, aber an diesem Tag denkt er wie üblich, sagt aber etwas ganz anderes, was vor allem im Gerichtssaal, wo er gerade einen schwierigen Scheidungsfall behandelt, zu allen möglichen grotesken Situationen führt. Er versucht die ganze Zeit, das Lügengebäude, das er ersonnen hat, um seiner Mandantin zu ihrem "Recht" zu verhelfen, aufrecht zu erhalten, schafft es jedoch nicht. Auch die Kollegen und Vorgesetzten erfahren an diesem Tag endlich einmal, was Fletcher wirklich von ihnen denkt. Hier ist Platz für jede Menge Grimassen, die die Anstrengung, lügen zu wollen, mit sich bringt. Interessant ist, dass außer Reede alle anderen Charaktere "normal" zu sein scheinen und man den Eindruck hat, sie würden ihn eben als völlig überdrehten, aber normalerweise harmlosen Zeitgenossen akzeptieren. Diese Mischung aus Slapstick und Ernst ist es, die den eigentlichen Charme des Films ausmacht. Würden alle sich gleichermaßen verrückt benehmen, dann bliebe die Komik sicher sehr bald auf der Strecke. So hat man zwischen den Angriffen auf das Zwerchfell immer wieder Zeit, sich zu beruhigen, was auch verhindert, dass Teile des Dialoges im Gelächter untergehen.

Erfreulicherweise war ich diesmal auch nicht die einzige, die den Film "Der Dummschwätzer" zu mögen schien, die Stimmung im Kino war zur Abwechslung einmal großartig. Es rannten auch nicht alle gleich hinaus, als der Nachspann begann, was sich speziell bei diesem Film auch nicht empfiehlt: Man sollte auf jeden Fall bleiben, da während des Abspanns ein paar Szenen gezeigt werden, die während der Dreharbeiten schiefgegangen sind, vor allem dadurch, dass die Darsteller sich selbst nicht ernst nehmen konnten und diverse Versuche, ernst zu bleiben, im allgemeinen Gelächter untergingen.

Man kann natürlich auch darüber diskutieren, ob Jim Carreys Exzesse immer dem guten Geschmack entsprechen, aber wenn man sich einen Film mit diesem Hauptdarsteller ansieht, weiß man im allgemeinen, worauf man sich einlässt. Als nicht so besonders gelungen erschienen mir lediglich zwei Szenen, in denen der erwähnte "gute Geschmack" nicht mehr ganz gewahrt wurde. Der Rest war wirklich sehr komisch, wobei es sich wieder einmal erwiesen hat, daß ein Teil der Komik in der deutschen Fassung einfach nicht bzw. nicht richtig 'rüberkommt. Die immer wieder eingestreuten ernsten Szenen machen "Liar liar" zu einem sehenswerten Spaß, trotz des Hollywood-Endes und des irreführenden deutschen Titels "Der Dummschwätzer", der meiner Meinung nach völlig daneben ist.


Filmkritik von Monika Hübner

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Steckbrief
Regie
Tom Shadyac

Darsteller
Amanda Donohoe, Anne Haney, Cary Elwes, Jennifer Tilly, Jim Carrey, Justin Cooper, Krista Allen, Maura Tierney

Genre
Komödie

Tags
Lügen
Gastkritiken
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Filmfacts
Herstellungsland
USA

Alternativ- bzw. Originaltitel
Liar Liar

Einspielergebnis
302 Mio. US-Dollar (weltweit)



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