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Der Biber| Kritik 7/10

Kinostart
19.05.2011



Handlung

Walter Blacks (Mel Gibson) Leben scheint perfekt: Er leitet eine Spielzeugfirma, hat eine liebevolle Ehefrau (Jodie Foster) und ist Vater zweier Söhne. Doch Walter leidet an einer schweren Depression und kann deshalb keiner dieser Rollen mehr gerecht werden. Sein Leben gerät immer stärker aus den Fugen, bis ihn seine Frau schließlich vor die Tür setzt. Walter ist am Ende, doch durch Zufall entdeckt er eine Biber-Handpuppe im Müll, die sich als wahre Rettung erweist – denn von diesem Zeitpunkt an lässt Walter den Biber für sich sprechen. Zwar reagiert seine Umwelt zunächst höchst irritiert, mit der Zeit akzeptiert sie aber Walters eigenwilliges Verhalten und lernt die Vorzüge der Handpuppe zu schätzen. Auf einmal scheint Walter wie ausgewechselt. Dank des Bibers bekommt sein Leben wieder einen Sinn: Im Job ist er erfolgreicher als je zuvor und auch sein Eheleben erhält neue Inspiration. Je „perfekter“ der Biber Walters Persönlichkeit jedoch annimmt, desto mehr verliert Walter die Kontrolle über sein neues Leben.


Filmkritik | Der Biber

Es wirkt wie eine Rehabilitation mit Kalkül. Mel Gibson, der Busenfreund aller Paparazzi, versucht sich nach seinen antisemitischen Eskapaden und frauenfeindlichem Gebaren von den Titelblättern der Klatschpresse zurück ins seriösere Schauspielfach zu hieven. Schließlich gibt es zwei Wege, sich die Gunst der Zuschauer zurück zu holen: Die Sache aussitzen, denn wenn auf etwas verlass ist, dann auf die Vergesslichkeit der Masse - oder sich mit kleinen Außenseiterrollen wieder langsam zurückkämpfen. Mel Gibson entschied sich für Letzteres und übernahm in „Der Biber“ die Hauptrolle neben Jodie Foster, mit der er privat sehr gut befreundet ist und die gleichzeitig zum ersten Mal seit 16 Jahren wieder auf einem Regiestuhl Platz nahm.

Die Reaktionen nach der Premiere von „Der Biber“ sprachen eine eindeutige Sprache. Der Film schaffte es nicht nur, Gibsons Medienrummel auszublenden, er gewann das Publikum sogar für den Schauspieler zurück – zumindest innerhalb seiner Rolle. Während das Familiendrama lief, haben die Zuschauer beim ersten Auftritt von Mel Gibson keine Reaktion gezeigt haben, hatten später dafür stets an den richtigen Momenten gelacht und mitgefühlt. Am Ende ließen sich die Zuschauer zu Ovationen hinreißen. Ein Besucher sagte über den Film, dass die Leute tief bewegt und begeistert gewesen wären. Es war überraschend, dass sie die ganzen Mediengeschichten für den Zeitraum des Films vergessen konnten. Unterm Strich hätte die Premiere nach Aussage des Besuchers nicht besser ankommen können.

Tatsächlich kann man dem Premierenpublikum beipflichten. Was bereits im Trailer abzusehen war, bewahrheitete sich im fertigen Film: Die sympathische Ausgangsidee eines Mannes nahe eines Nervenzusammenbruchs, der aus der Not heraus eine Art Selbsttherapie mit einer Handpuppe beginnt, erweist sich als wunderbar kauziger und liebenswerter Aufhänger, der nicht nur den Film zu tragen vermag, sondern auch über die Schattenseiten seines Hauptdarstellers temporär hinwegtäuschen kann. Mit der Ausgewogenheit zwischen den leisen, humorvollen Momenten und den ernsten Auseinandersetzung mit den Depressionen des Protagonisten, der mit seinem Alter Ego versucht, Urlaub von sich selbst zu nehmen, gelang der Regisseurin eine wohldosierte Mischung - zumindest bis kurz vor Schluss. Neben Jodie Foster und Mel Gibson ist übrigens Anton Yelchin als Filmsohn zu sehen, der nach „Charlie Bartlett“ erneut eine beachtliche Leistung in einem High School Milieu ablieferte. In einer kleinen Nebenrolle tritt zudem Jennifer Lawrence in Erscheinung, die dieses Jahr für ihre Rolle in „Winter's Bone“ mit einer Oscarnominierung bedacht wurde.

Der Biber“ ist der Versuch, Depressionen als das darzustellen, was sie sind: Eine ernstzunehmende Krankheit. Der Film beschönigt an keiner Stelle den Zustand von Gibsons Rolle, aber verliert öfters den Fokus. Besonders am Ende überspannt er den Bogen, verliert das Gleichgewicht und versucht mit einer fragwürdigen Prämisse den Umgang mit der Depression zu einem Ende zu bringen. Nichtsdestotrotz ist der Film ein von exzellenten Schauspielern getragenes Familiendrama mit psychologischem Einschlag, das es verdient, gesehen zu werden - zumindest wenn man gewillt ist, Mel Gibson für zwei Stunden eine Absolution zu erteilen.


Filmkritik von Orlindo Frick

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Bilder / Fotos

Der Biber

© Concorde Filmverleih GmbH

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Steckbrief
Regie
Jodie Foster

Darsteller
Anton Yelchin, Jeff Corbett, Jennifer Lawrence, Mel Gibson, Michael Rivera, Michelle Ang, Paul Hodge, Riley Thomas Stewart, Zachary Booth

Genre
Drama, Komödie
Gastkritiken
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Filmfacts
Herstellungsland
USA

Alternativ- bzw. Originaltitel
The Beaver




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