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Der Andere| Kritik 5/10

Kinostart
01.07.2010



Handlung

Peter (Liam Neeson) und Lisa (Laura Linney) führen seit 25 Jahren die perfekte Ehe. Beide sind auf dem Höhepunkt ihres beruflichen Erfolges, sind zwar sehr gegensätzlich, scheinen sich aber hervorragend zu ergänzen. Doch bei einem Abendessen stellt Lisa ihrem Mann die unerwartete Frage: Ist es möglich, zwei Menschen gleichzeitig zu lieben? Als Lisa spurlos verschwindet, entdeckt Peter, dass die Liebe seines Lebens Geheimnisse vor ihm hatte. Eine E-Mail führt ihn nach Mailand und direkt zu Ralph (Antonio Banderas), der in Lisas Leben offenbar eine wichtige Rolle gespielt hat. Zug um Zug lernt er den fremden Nebenbuhler und seine Lebensgeschichte beim Schach kennen. Nicht nur auf dem Spielbrett entsteht ein spannendes Duell zwischen den beiden Männern, zwischen dem lebenshungrigen Ralph und dem enttäuschten Ehemann. Und immer mehr überraschende Wahrheiten über Lisas Doppelleben kommen ans Tageslicht.


Filmkritik | Der Andere

Es scheint das Kino-Jahr des Liam Neeson zu sein. Kaum ein Monat, in dem nicht mindestens ein Film mit dem irischen Schauspieler in der Hauptrolle bei uns zu sehen ist. Das liegt auch daran, dass Streifen mit dem Mimen zufällig alle im selben Jahr in Deutschland veröffentlicht wurden. Zum Teil sind die Werke schon älter, so wie jenes Mystery-Ehedrama aus dem Jahr 2008, das jetzt unter dem Allerweltsnamen "Der Andere" mit Verspätung in die deutschen Kinos kommt. Ob das auf Dauer für die Außenwirkung von Neeson günstig ist, bleibt zweifelhaft: Irgendwann nützt sich so ein Kino-Gesicht auch mal ab. Zumal der Schauspieler nach "Chloe" und dem Nordirland-Drama "Five Minutes of Heaven" auch in diesem Film wieder einmal mehr beweist: Die Palette seiner mimischen Stilmittel ist, so unterschiedlich die Rollen auch sind, begrenzt; irgendwie ist er in allem seinen Filmen vor allem eines: Liam Neeson.

In dem sehr auf ästhetisch-optische Brillanz bedachten – man könnte es weniger wohlmeinend auch "geschmackvoll" nennen - inszenierten Streifen geht es vordergründig um eines: um das leise Scheitern einer Ehe, alte Rechnungen begleichende Vater-Tochter-Psycho-Spielchen und den immer verbissener und absurder geführten Feldzug eines leicht psychopathischen, zutiefst beleidigten Egomanen gegen einen "Feind". Einen persönlich genommenen Feind, der es wagte, die selbst gebastelten Pappkulissen seines Lebens zum Einstürzen zu bringen. Hier bediente sich schon die literarische Vorlage von Bernhard Schlink ("Der Vorleser") ein wenig leichenfleddernd bei den Pscho-Krimistudien von Patricia Highsmith: Erinnerungen an nach Büchern von ihr verfasste Filme wie der Genre-Klassiker "Der Fremde im Zug" von Alfred Hitchcock oder in jüngerer Zeit "Der talentierte Mr. Ripley" von Anthony Minghella stellen sich ein. Inszeniert wurde das alles sehr getragen, sehr behäbig und sehr langsam sich entwickelnd von dem Briten Richard Eyre, der in seiner Heimat neben seiner Filmarbeit vorrangig als Theater- und Opernregisseur wirkt; und das merkt man dem in satten italienischen Kulissen schwelgenden, wie in einer Bühneninszenierung arrangierten Szenario, zugeschüttet von greulicher Musikwatte, leider allzu sehr an.

Der Film und sein immer gleiches Kreisen um die Nöte eines gehörnten Ehemannes zieht sich. Das Gefühl des Genervtseins und des Desinteresses stellt sich ein. Doch dann besinnt sich der Regisseur, der in seinen leisen und eindringlichen Kammerspielen "Iris" und "Tagebuch eines Skandals" Dame Judi Dench zu Höchstleistungen führte, auf das, was er sehr gut kann: Schauspieler führen und das Beste aus ihnen heraus holen. Bei einem Berufsphlegmatiker wie Neeson schafft auch er das nur in Ansätzen – bei Antonio Banderas gelingt ihm Atemberaubendes:  Aus der von Hollywood verpassten Hülle des schmalztriefenden Latin Lovers schält sich mit leisem Nachdruck, fast schüchtern, ein feinnerviger und ganz behutsam aufspielender Charakterdarsteller von Rang. Banderas wirkt gereifter, nachdenklicher, auch gebrochener als in früheren Filmen. Davon möchten wir gerne mehr sehen. Und aus dem albernen Ehe-Rachefeldzug-Melodram wird unversehens etwas, was im Kino der Jetztzeit rar geworden ist wie die Perle in einer Auster: ein Männerfilm im besten Sinne. Ohne dabei auf Frauen herum zu hacken: Weder die leicht hysterische Tochter (ein Nervenbündel: Ramola Garai) noch die in der Filmhandlung weitgehend abwesende Ehefrau und Geliebte (zuverlässig rollenstark wie stets an der Seite von Hollywoodstars: Ensembleschauspielerin Laura Linney, "Man of the Year", "Die Geschwister Savage") werden vorgeführt oder in ihren Rollen verraten. Da ist der Brite ganz Gentleman; aber das ist der deutsche Autor Bernhard Schlink ja auch.

Insgesamt präsentiert sich dieser doch arg kunstgewerbliche und betuliche Streifen als überflüssig und über weite Strecken einschläfernd. Wegen der beeindruckenden Leinwand-Wiedergeburt von Antonio Banderas lohnt das Ausharren bis zum letzten Drittel allemal.


Filmkritik von mkrispien

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Der Andere

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Steckbrief
Regie
Richard Eyre

Darsteller
Abigail Canton, Antonio Banderas, Craig Parkinson, Emma Fielding, Laura Linney, Liam Neeson, Lola Peploe, Pam Ferris, Paterson Joseph, Romola Garai

Genre
Drama
Gastkritiken
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Filmfacts
Herstellungsland
Großbritannien, USA

Alternativ- bzw. Originaltitel
The Other Man




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