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Das Lied von den zwei Pferden| Kritik 4/10

Kinostart
03.06.2010



Handlung

Ein Versprechen, eine alte, zerstörte Pferdekopfgeige und ein verloren geglaubtes Lied führen die Sängerin Urna in die Äußere Mongolei zurück. Ihre Großmutter musste einst ihre geliebte Geige in den Wirren der chinesischen Kulturrevolution zerstören. Auf dem Geigenhals war das uralte Lied der Mongolen, "Die zwei Pferde des Dschingis Khan", eingraviert. Nur Hals und Kopf der Geige überlebten den Kultursturm. Nun ist es an der Zeit, das Versprechen, das Urna ihrer Großmutter gab, einzulösen. Angekommen in Ulaanbaatar bringt Urna die noch erhaltenen Teile der Geige – Kopf und Hals – zu Hicheengui, einem bekannten Pferdekopfgeigenbauer, der dem alten Instrment einen neuen Körper bauen soll. Danach bricht Urna ins Hinterland auf, um dort die fehlenden Strophen des Lieds zu suchen. Doch sie wird enttäuscht. Keiner der Menschen, denen sie auf ihrem Weg begegnet, scheint die alte Weise der Mongolen noch zu kennen!


Filmkritik | Das Lied von den zwei Pferden

Was wissen wir über die Mongolei? Pferde, endlose Weiten, Steppe, die Wüste Gobi, Jurten, Filz und Dschingis Khan. Wer in der DDR aufgewachsen ist, hat vielleicht einen der zahlreichen Romane gelesen, die dort zu Sowjet-Zeiten in deutscher Übersetzung auf den Markt kamen.  Den wenigsten dürfte bewusst sein, dass auch die Mongolei ein geiltes Land ist:  Der gleichnamige Staat, auch äußere Mongolei genannt, umfasst das Gebiet der russisch beeinflussten ehemaligen Sowjet-Republik, die sogenannte innere Mongolei gehört seit langem zu China und wird es vermutlich noch lange bleiben. Die Regisseurin des Films „Das Lied von den zwei Pferden“ ist ein Kind der äußeren, die Zentralfigur Urna, eine Sängerin und in der Ethno- und Weltmusik zu Hause, entstammt einer Familie von Viehzüchtern der inneren Mongolei. Kennen gelernt haben sich die Frauen im freiwillig gewählten deutschen Exil, in München. Hier entstand die Idee für dieses Projekt. Soweit und so kompliziert.

Der Film streift derlei verwickelte politische und kulturelle Beziehungen nur am Rande, und wer sich über die Mongolei im Vorfeld nicht kundig macht, bleibt im Kino ratlos.  Dafür darf sich der Zuschauer satt sehen an grünen Matten und galoppierenden Pferden, sich an gelegentlich eingestreuten lahmen Witzchen und der weisen Alten erfreuen, die mit der verlorenen Landestochter Klartext redet und die zum unvermeidlichen Personal von derlei Ethno-Filmen gehört. Ein bisschen China-Kritik wird eher beiläufig in den mongolischen Ethno-Eintopf eingerührt. Wer dann noch die für europäisch geschulte Ohren eher gewöhnungsbedürftige mongolische Musik und die monotone Gesangs-Stimme von Sängerin Urna eine ganze Filmlänge lang aushält, der hat sich wacker geschlagen.

Was vor allem stört an dem Film, ist seine glatte und postkartenartige Inszenierung. Irgendwie schleicht sich das Gefühl ein, das mongolische Tourismus-Ministerium habe das Werk gesponsert, was ja gar nicht der Fall sein muss. Ohne bundesdeutsche und bayerische Fördermittel allerdings wäre „Das Lied von den zwei Pferden“ in jedem Fall ungesungen geblieben. Filmemacherin Byambasuren Davaa hat in München Dokumentarfilm studiert und schaffte mit ihrer Vordiplomarbeit an der dortigen Filmhochschule, „Die Geschichte vom weinenden Kamel“ (zusammen mit Luigi Falorni),  2005 erstaunlicherweise eine Oscar-Nominierung. Auch in diesem Film spielen die mongolische Pferdkopfgeige und die herbe Schönheit der mongolischen Landschaft tragende Rollen, Davaas Diplomfilm „Die Höhle des gelben Hundes“ ist ähnlich strukturiert, allerdings mit mehr Witz. „Das Lied von den zwei Pferden“ wirkt wie ein dritter Aufguss der ewig gleichen Litanei und langweilt. Und der hölzern durch den Film staksenden Urna glingt es, anders als den liebevoll gezeichnten Figuren aus den Vorgänger-Filmen, nicht, das Herz des Zuschauers zu erwärmen.

Typisch sind allen Filmen der mongolischen Filmemacherin ein Schweben zwischen Fiktion und Dokumentation. Das ist ja derzeit im Arthouse-Kino sehr angesagt, fast schon ein Trend, und kleine Meisterwerke wie „La Pivellina“ aus Österreich bzw. Italien und „Ajami“ aus Israel belegen, dass auf diese Weise durchaus eigenständige, originelle Filme entstehen können. Bei Byambasuren Davaa wirkt alles brav einstudiert und wie aus dem Lehrbuch der Filmhochschule. Und nach Kamel und Hund nun ein Geländewagen als McGaffin, der die „Handlung“ voran treibt, ist nicht wirklich originell. Es wäre an der Zeit, dass sich die Regisseurin filmästhetisch und stilistisch etwas Neues einfallen lässt. So wurde es ein – belangloser – Film mehr für hartgesottene Ethno-Fans.


Filmkritik von mkrispien

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Bilder / Fotos

Das Lied von den zwei Pferden

© Polyband Medien GmbH

Kommentare


Harald Dehmer
06.08.2011, 11:39:02
Liebe(r) mkrispien,

Ihre Kritik sagt sehr viel aus - nichts über den Film, aber viel über Sie selbst.
Ich sehe mich nicht als "hartgesottenen Ethno-Fan" und trotzdem hat mir dieser Film sehr gut gefallen! Er ist eben kein hektischer stressiger Action-Thriller - wer das sucht, wird sicher enttäuscht.
Ich habe einmal im Kroatien-Urlaub 1988 ein deutsches Lehrerehepaar erlebt, das in einem wunderbaren Restaurant (Danke Kiko!) nach deutschen Schnitzeln und Pommes gesucht und damit die herrlichen kroatischen Gerichte verpasst hat. Schade...
Und wer Urna eine "monotone Gesangs-Stimme" bescheinigt, kann mir nur leid tun. Wahrscheinlich ist Ihr Gehör von dröhnender Discothekenmusik geschädigt.
Zitat eines hörenden Kritikers: "Ihr Spektrum reicht von Pianissimopassagen von bezwingender Intensität hin zu Melodieorgien im mongolischen Gesangsstil von furioser Lautstärke. Mit Eleganz und Leichtigkeit erhebt sie dabei ihre Stimme über nahezu vier Oktaven... "
Ich kann nur sagen: Danke für einen wohltuend ruhigen und vielsagenden Film, dessen "Worte zwischen den Worten" sich wohl nur dem erschließen, der sich dafür öffnen kann und eine gewisse "weise Reife" mitbringt.
Alle anderen werden sich weiter wundern, warum solche "mongolischen Ethno-Eintopf" Filme eine Oscar-Nominierung erhalten können - was mich wiederum eher bei "Rambo" wundert.
Und vielleicht waren Sie, liebe(r) mkrispien, einfach nur im für Sie falschen Film...

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Steckbrief
Regie
Byambasuren Davaa

Darsteller
Chimed Dolgor, Hicheengui Sambuu, Urna Chahar-Tugchi

Genre
Dokumentation
Gastkritiken
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Herstellungsland
Deutschland, Mongolei




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