Handlung
Nach sechs Jahren Gefängnis wird Brett Hanson (William Hurt) in die Freiheit entlassen. Unschlüssig, ob es für ihn noch ein altes Leben gibt, in das es sich lohnt zurückzukehren, strandet er in einer kleinen Stadt in Louisiana. Vor allem die Erinnerung an seine große Liebe May (Maria Bello) lässt ihn nicht los. Er schreibt ihr eine Postkarte, mit der er ihrer Liebe eine letzte Chance gibt: Wenn sie ihn wiedersehen möchte, solle sie als Zeichen das gelbe Segel ihres Bootes hissen.
An einer abgelegenen Fährstation trifft Brett auf die junge Martine (Kristen Stewart) und ihren bizarren Begleiter Gordy (Eddie Redmayne). Gemeinsam setzen die drei einsamen Fremden ihren Weg fort. Zwischen Sümpfen, reifen Kornfeldern und endlosen Highways erkennen sie, dass sie mehr gemeinsam haben, als sie zunächst glauben. Brett beginnt sich zu öffnen und vertraut seinen jungen Begleitern die Geheimnisse seiner Vergangenheit an. Als er der Wahrheit schließlich ins Auge sehen muss, hat er nicht nur einen Weg zurück ins Leben, sondern auch zwei Freunde gewonnen.
Filmkritik | Das gelbe Segel
Romtische Komödie und Roadmovie, Exsträflings-Drama und Teenager-Liebe mit Hindernissen, ein verbeulter Straßenkreuzer vor ländlicher Kulisse und drei Menschen, die das Schicksal oder der Zufall zusammen führt - alles irgendwie bekannt. Genau das sind die Zutaten, aus denen der Film "Das gelbe Segel" zusammengebraut ist. Man erwartet nach dem flotten Beginn ein Roadmovie, mit viel Staub unterm Reifen, Straßen-Philosophie haarnadelkurvenscharf am Kitsch vorbei, seltsamen Käuzen am Wegesrand und jenem Quentchen Fast-Anarchie, die in Hollywood gerade eben noch erlaubt ist. Um eine solche abgedroschene Geschichte erzählen zu können, müssen sich Regie und Drehbuch was einfallen lassen. "Das gelbe Segel" enttäuscht in der Beziehung. Es mag mit daran liegen, dass der britisch-indische Regisseur Udayan Prasat mit dem Genre nicht klar kam.
"Das Gelbe Segel" flattert rasch schlaff im Fahrtwind. Ermüdende Dialoge, mottenkistentaugliche Roadmovie-Sprüche ("Es gibt keine Zufälle", "Ich habe noch nie in meinem Leben eine Entscheidung getroffen") nerven ebenso wie die gnadenlos optimistische Grundhaltung: Alles ist Schicksal, aber du musst es in die Hand nehmen, dann klappt´s schon mit dem Leben. Zugegeben: der Wagen ist eine Schau und die Landschaft von Lousiana grandios. Und die Schaupieler liefern passable Leistungen ab.
Ex-Knacki Brett (sehr müde: William Hurt), der irgendwie nicht weiss, wie er in den Schlamassel seines Lebens geraten ist, trifft als Anhalter auf die ebenfalls trampende Exzentrikerin Martine (überragend: Kristen Stewart) im Auto des hyperventilierenden Möchtegern-Psychopathen Gordy (begabt: Eddie Redmayne), und die banale Geschichte nimmt ihren Lauf. In Rückblenden ist noch Bretts getreues Eheweib (nichtssagend: Maria Bello) mit von der Partie. Es passiert wenig, doch geredet wird viel. Am Ende findet jeder Topf sein Deckelchen. Ach ja: ein gelbes Segel wird am Schluss auch aufgespannt.
Die Jungstars spielen die alten Hasen rasant an die Wand. William Hurt (u.a. "Eine Couch in New York"), der durch alle seine Filme schlafzuwandeln scheint, übertreibt es hier mit dem Phlegma und findet in der blassen Maria Bello (u.a. "Die Mumie - Das Grabmal des Drachenkaisers") seine adäquate Gefährtin. Der britische Jungstar Eddie Redmayne (u.a. "Der Gute Hirte") hat als durchgeknallter Gordy zugegeben den interessanteren Part und zieht alle Register seines schauspielerischen Könnens. Die Sensation aber ist Kristen Stewart: ihr Porträt einer kratzbürstigen, hochneurotischen, gleichzeitig feinfühligen und liebebedürftigen jungen Frau ist erste Sahne und zeigt, dass der "Twilight"-Star viel mehr drauf hat, als sich von Vampiren becircen zu lassen. Allein ihretwegen lohnt es sich, diesen zwar nicht schlechten, aber sehr überflüssigen kleinen Film anzuschauen.
Filmkritik von mkrispien